So., 15.11.2015

Lesenacht mit Glockenschlag eingeläutet / Besucher nutzen Chance zum Dialog mit den Schriftstellern „Die Geschichten gehen niemals aus“

Lesenacht mit Glockenschlag eingeläutet / Besucher nutzen Chance zum Dialog mit den Schriftstellern : „Die Geschichten gehen niemals aus“

Martin Halotta aus Düssldorf Foto: az

Billerbeck. „Durch die Nacht, durch die Stadt“, heißt das erste Kapitel von „Shanghai Kiss“, in dem Martin Halotta seine Gäste mitnimmt durch die chinesische Industriemetropole. Mit ihm zusammen folgen sie seinem unbedarften Protagonisten Daniel durch die Bars und das Nachtleben der 23-Millionen-Stadt, die nicht nur Spaß und Rausch, sondern auch Intrigen und Missgunst zu bieten hat.

Von Ulla Wolanewitz

Durch die Nacht und durch die – vom Meimelregen begleitete – münsterländische Domstadt bewegten sich am Samstagabend die zahlreichen bibliophilen Zuhörer der „Romantischen Lesenacht“. Dabei gehört Amors Boten, die mit Pfeil und Bogen und großem rotem Herz die Gäste von Station zu Station lotsen, Lob gezollt, ob ihrer Geduld und Regenbeständigkeit. Auch die Hundertschaft der Kerzen, die die Wege säumten, bekamen in dieser Nacht keine Gelegenheit, ihre Fähigkeit als Dauerbrenner unter Beweis zu stellen. Diese feucht-stürmische Novembertypische Wetterlage schadete der Veranstaltung aber nicht im Geringsten.

Und womit könnte eine Lesenacht rund um den Johannis-Kirchplatz besser eingeläutet werden als mit gehörigem Glockenschlag vom historischen Kirchturm um 19 Uhr? Der passt ebenso zur romantischen Lese-nacht wie zur historischen oder einer Krimi-Lesenacht. Die meisten Gäste hatten sich da aber schon lange ein trockenes Plätzchen gesichert, an dem sie zuerst dem oder der Autorin ihrer Wahl Gehör schenkten.

Die Chance, die Schriftsteller mit Fragen zu löchern, nutzen die Gäste gerne. Denn wo gibt es schon die Möglichkeit, so dicht dran zu sein an einem Buchautoren? „Nein, ich habe keine Angst, dass mir die Geschichten ausgehen“, bekannte Britta Sabbaq schmunzelnd. „Ich habe vielmehr Bedenken, dass ich all die Ideen, die ich im Kopf habe, gar nicht unterbringen kann und dafür mindestens 100 Jahre alt werden muss.“ Sie konnte das Publikum schnell davon überzeugen, dass Humor ein Genre ist, in dem sie bestens beheimatet ist. Etwas anderes ist von einem Titel wie „Das Leben ist (k)ein Ponyhof“ auch kaum zu erwarten.

Dass Autorinnen Freundinnen haben, die ebenso verrückte Ideen haben, verwundert kaum. So gab die Osnabrücker Autorin diese Anekdote zum Besten: „Um meinen Buchabsatz zu beschleunigen, ging meine Freundin in einen Buchladen, nahm die zehn Spiegel-Bestseller aus dem Regal und platzierte meinen Titel dort“. Wenn sie anfange, ein Buch zu schreiben, sei es im Kopf – im Groben – schon fertig. „Die reine Schreibarbeit liegt bei sechs Monaten“, sagt sie. „Aber manchmal zicken die Figuren, die man geschaffen hat, dann rum oder verhalten sich anders als man möchte“.

Keine Frage: Bücher können vieles. Sie können spannend unterhalten, lehren, aber ebenso auch Lebenshilfe sein. Diese Erfahrung machte Lee Bauers. „Wobei das nie mein erklärtes Ziel war“, ließ die Autorin der Buchreihe „Darken“ wissen. Dennoch bekommt sie Rückmeldungen von Lesern, die ihr dankten, weil ihre Bücher ihnen durch schwierige Lebensphasen geholfen hätten. Dass „Self-Publishing“ kein Zuckerschlecken ist, ließ M. L. Busch durchblicken: „Wenn man selber veröffentlicht, muss man sich auch selber vermarkten. Andererseits muss man oft Kompromisse machen, wenn man mit einem Verlag zusammenarbeitet“.

Google-Anzeigen

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3630575?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947609%2F