So., 17.01.2016

Julia Suwelack durchquerte acht Staaten, vier Zeitzonen und brachte dabei 5000 Kilometer hinter sich Der Atlantik, mein Fahrrad und ich

Julia Suwelack durchquerte acht Staaten, vier Zeitzonen und brachte dabei 5000 Kilometer hinter sich : Der Atlantik, mein Fahrrad und ich

5000 Kilometer hat Julia Suwelack mit ihrem Fahrrad zurückgelegt. Dieses Foto von der gebürtigen Billerbeckerin ist am Strand bei St. Augustine in Florida entstanden. Foto: az

Billerbeck. Im Juli ist Julia Suwelack zum ersten Mal Großmutter geworden. Das freudige Ereignis veranlasste die sportliche Seniorin aber keineswegs, ihren geliebten Tourenbegleiter – das Fahrrad – gegen einen Kinderwagen auszutauschen. Ganz im Gegenteil. Die 68-jährige geborene Billerbeckerin toppte sich noch einmal selber, was Herausforderungen auf dem Velo anbelangt. Von Mitte September bis Anfang November durchquerte sie in 50 Tagen acht Staaten, vier Zeitzonen und brachte dabei sagenhafte 5000 Kilometer hinter sich. „Ohne eine einzige Panne“, freut´s die Vollblut-Sportlerin.

Von Ulla Wolanewitz

Klar hatte die stolze Oma die neue Erdenbürgerin, ihre Enkelin Linda, mit an Bord. Nicht nur im Geiste, sondern auch als Konterfei auf einem T-Shirt mit der Überschrift „Grandma on Tour“.

Am Frankfurter Flughafen startete sie mit einem Sondergepäck von 17 Kilogramm – dem Rad – nach Los Angeles. „Bei der Durchquerung der Wüste kamen dann noch mal sieben Kilogramm für sieben Liter Wasser dazu“, erklärt sie. Spätestens morgens um 6.30 Uhr saß sie bereits auf dem Sattel, denn „um 15 Uhr steht die Luft. Da macht es Sinn, die Tagesetappe von 100 Kilometern bereits hinter sich zu haben“, erklärt sie. „Horror ist es immer wieder aus einer Großstadt wie San Diego zu starten.“ Deshalb hat sie ihre strapazierfähige Leeze nicht nur mit einem langen Fähnchen ausgestattet, sondern diesmal auch „seitlich mit einem Abstandshalter, einer Ami-Flagge“.

Einmal begegnete sie unterwegs auf einer sechsspurigen Fahrbahn einem Gentleman, der die Lage schnell erkannte. „Er machte die Warnblinkanlage an und machte mir den Weg frei.“ Bei Temperaturen um die 42 Grad bewältigte sie Berge und Täler, Sumpfgebiete und die Wüste. „In Arizona gibt´s diese Riesenkakteen, und bei dieser Kulisse hat man den Eindruck, Winnetou und sein Gefolge kommen gleich über den Berg“, flachst sie.

Unterwegs gab es auch immer mal wieder Begegnungen mit anderen Radfahrern, die ihre Etappen in Gruppen zurücklegten und dabei von einem Gepäckbus begleitet wurden. Derartig organisiertes Reisen bringt die durchtrainierte Seniorin allerdings zum Schmunzeln: „Sport-Light!“. Bei einer kleinen Pause, die sie nutzte, um sich auf ihrer Straßenkarte zu orientieren, bekam sie ein lebendiges Beispiel dafür, dass die Amerikaner für jede Fortbewegung ihren Pkw bevorzugen: „Eine Dame kam aus ihrem Haus, stieg in den Pkw und steuerte den 60 Meter entfernten Briefkasten an. Den leerte sie und fuhr wieder zurück.“ Als in den Rocky Mountains ein Straßenabschnitt gesperrt wurde, kam auch hier wieder rechtzeitig ein Schutzengel. „Der packte mein Rad auf seinen Pickup, so dass ich gemeinsam mit ihm noch vor der Sperrung durch kam“, so Julia Suwelack. Der Zeitgenosse zeigte sich sehr erstaunt darüber, dass sie ganz allein auf Reisen war und fragte sie: „Wo ist deine Waffe?“. „Aber ich reise unbewaffnet, denn die Leute sind alle nett und hilfsbereit. Was soll mir denn unterwegs schon passieren, was mir hier nicht auch passieren könnte?“

2016 legt Julia Suwelack eine kleine Pause ein. Allerdings nur, was die größeren Radtouren anbelangt. Dafür hat sie sich den Marathon in Lima auf die Agenda geschrieben.

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