Fr., 13.05.2016

Videodreh für Plastiktütensong / Kummelgenspieler , Theater X und Städtische Bühne Münster im Einsatz Plastiktüte wird zu Grabe getragen

Videodreh für Plastiktütensong / Kummelgenspieler , Theater X und Städtische Bühne Münster im Einsatz : Plastiktüte wird zu Grabe getragen

Foto: az

Billerbeck. Dass ihre Zeit gekommen war, hatte sich schon lange angekündigt. Nun wurde sie feierlich zu Grabe getragen: das Symbol für die Wegwerfgesellschaft, die Plastiktüte. „Eigentlich mag´ ich mich gar nicht von ihr trennen“, flachst eine Dame aus der Trauergesellschaft und streicht dabei über das Exemplar auf dem bunte Rosen abgebildet sind und das farblich gut zu ihrem Kleid passt. Aber auch sie wird eine halbe Stunde später von ihr Abschied nehmen. Denn der Unhold „Plastiktüte“ verschmutzt nicht nur die Weltmeere und tötet Tiere, sondern nistet sich auch mit seinen Nanopartikeln und Weichmachern im menschlichen Körper ein. Mit dem Projekt „Unplastic Billerbeck“ sollen diese Tatsachen einmal mehr ins Bewusstsein gerufen und der Fokus auf die – aus geschredderten PET-Flaschen – Stadttüte gelenkt werden.

Von Ulla Wolanewitz

Im Dom versammelt sich eine Trauergesellschaft zunächst, um anschließend draußen die erste Szene zu drehen. Für einen Film. Genauer gesagt für ein Video zum Plastiktüten-Song. Die „Angehörigen“ sind Laiendarsteller der Kummelgenspieler Billerbeck und vom Theater X und den Städtischen Bühnen in Münster.

Währenddessen haben sich Rudolf Gier-Seibert und Ragnar Kopka schon draußen vor der Tür mit ihren Kameras in Position gestellt. Am Ende soll ein Vierminuten-Video entstehen, das mit dem entsprechenden Song, der vor einigen Wochen in einem Tonstudio in Münster aufgenommen wurde, unterlegt wird. Projektleiter Thomas Nufer gibt die ersten Anweisungen: „Nehmt die Tüte in den Arm wie euer Kind. Schaut nicht direkt in die Kamera!“ Und schon heißt es: Action. Kamera läuft! Die Darsteller setzen traurige Mienen auf, senken die Köpfe, zücken Taschentücher und bewegen sich bedächtigen Schrittes von der Domtreppe in Richtung Fußgängerzone. Allerdings ist das Tempo dennoch etwas zu flott. Deshalb erklärt Regisseur Nufer: „Zu schnell. Wir drehen das noch mal.“ Beim dritten Versuch klappt es besser. Allerdings kommt ihnen dabei ein Auto in die Quere. „Macht nichts. Ist doch real“, kommentiert Nufer. Die Gäste der Eisdiele und der anderen Außengastronomie wundern sich schon etwas und fragen sich, was hier vor sich geht. Aber sobald sie Thomas Nufer und seinen Kollegen Dirk Schubert wahrnehmen, wissen sie, was gespielt wird und schmunzeln. „Ich hab´ meine schon lange begraben“, ruft ihnen unterwegs jemand lachend zu.

Die Grube hinter der Gemeinschaftsschule ist schon gegraben. Die entsprechenden Szenen mit Mr. Unplastic (Steffen Hertz) sind schon vorab gedreht worden. „Hier ruht meine letzte Plastiktüte“ zeigt die Inschrift des Grabsteins, der auch schon entsprechend positioniert wurde. Dr. Ryszard Moroz mimt den Pfarrer. Er hält vor der Trauergemeinde eine kurze Predigt. Nein, auf die richtigen Worte kommt es hier nicht wirklich an. Schließlich soll es am Ende ja ein Musikvideo werden, das ins Internet gestellt und über alle soziale Netzwerke verbreitet wird. Die Gäste gehen nacheinander oder auch zu zweit ans Grab, halten bedächtig inne und werfen den Unhold anschließend ins tiefe Loch. Die kleinen Zaungäste, die die Szenerie neugierig aus der Entfernung begutachten, bindet Thomas Nufer spontan noch mit ein: „Ihr könnt´ mit euren Rädern durch das Bild fahren. Dann seid ihr auch mit dabei!“. Kurze Instruktion. Schon sind die zwei mit dabei und finden das „boh, cool, Alter.“ Das Loch füllt sich. Noch ein letztes stilles Gebet und Abmarsch zum Leichenschmaus ins Cox.

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