Mo., 12.02.2018

Kantor Lukas Maschke und Pater Ralph Greis begeistern mit Benefizkonzert im Ludgerus-Dom Prunksitzung am Spieltisch

Kantor Lukas Maschke und Pater Ralph Greis begeistern mit Benefizkonzert im Ludgerus-Dom: Prunksitzung am Spieltisch

Haben zum Benefizkonzert geladen: (v.l.) Propst Hans-Bernd Serries, Pater Ralph Greis OSB, Kantor Lukas Masche und Abt Laurentius Schlieker. Foto: Christoph Schulte im Walde

Billerbeck. Wer an die Kirchenorgel denkt, dem kommen als erstes festliche Feiertagsmusik und fromme Choräle in den Sinn. Dafür ist das Instrument ja auch gedacht. Aber die Orgel kann noch viel mehr. Schließlich hat sie durchaus auch ihre unterhaltsame, ja weltliche Seite. So zu erleben war dies am Sonntagabend im Ludgerus-Dom. Kein „gewöhnlicher“ Sonntag – sondern Karnevalssonntag. Weshalb also nicht auch mal die Orgel schunkeln und tänzeln lassen? Mit dem Walzer aus Peter Tschaikowskys „Schwanensee“ zum Beispiel, oder einer erfrischenden Polonaise des polnischen Filmkomponisten Wojciech Kilar.

Von Christoph Schulte im Walde

Kantor Lukas Maschke hatte diesen orgelmusikalischen Spaß arrangiert und sich dabei Unterstützung von Pater Ralph Greis geholt. Der lebt seit rund einem Jahr in der Benediktinerabtei Gerleve, um von dort aus seine theologischen Studien fortzusetzen. Pater Ralph ist aber nicht nur Theologe, sondern auch ein ausgezeichneter Organist. Und ein höchst virtuoser, wie er mit dem köstlichen „Offertorio“ von Giovanni Morando klar unter Beweis stellte. „Offertorio“ klingt nach Weihrauch und Andacht – das genaue Gegenteil allerdings war zu hören: Opernmusik, wie sie eins Rossini oder Bellini Mitte des 19. Jahrhunderts für die große Bühne nicht schöner hätte schreiben können. In Italien war es damals üblich, die Liturgie mit Klängen zu bereichern, die man eher einer virtuosen Koloratur-Sopranistin zutrauen würde statt der Orgel. Aber was ein Sopran kann, kann die Orgel schon längst. Weshalb Pater Ralph die Pfeifen unentwegt trällern ließ – mit rasend bewegten Tongirlanden und kräftigen Akkorden. Herrlich!

Ausflüge in den Jazz? Auch das macht die „Königin der Instrumente“ mit, spürbar in der Improvisation des Benediktiners, für die er sich als Thema „Die Baumberger Teitekerlkes beim Billerbecker Karneval“ gegeben hatte. Mit geschmackvoll zusammengestellten Farben und swingenden Tempi zauberte er eine entspannte Atmosphäre herbei. Davor und danach war es an Lukas Maschke, abermals die profane Seite der Orgel zu präsentieren. Mit Louis Viernes „Hymne au Soleil“ etwa, oder eingangs mit „Pomp and Circumstance“, einer der heimlichen britischen Nationalhymnen aus der Feder von Edward Elgar.

Karneval ohne Camille Saint-Saëns’ „Karneval der Tiere“? – undenkbar! Vierhändig ließen Maschke und Greis die Schildkröten tapsen, schlichen die Elefanten imaginär durch den Raum, zog der Schwan seine Kreise – ein großer Spaß für die Ohren. Und dies alles zugunsten der derzeit laufenden Renovierung der Orgel in der Gerlever Abtei. Denn mit der Kollekte im Anschluss an diese Prunksitzung am Spieltisch der Domorgel wurde dieses Projekt freundschaftlich unterstützt. Abt Laurentius Schlieker zeigte sich höchst erfreut und dankbar.

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