Do., 07.08.2014

Fraktion Aktiv für Coesfeld/Familie will Gemeinschaftsgrundschulen / Goerke: Nicht mehr zeitgemäß „Bekenntnisschulen abschaffen“

Coesfeld. Bekenntnisgrundschulen in staatlicher Trägerschaft – eine Sonderform, die es nur noch in NRW und in Teilen Niedersachsens gibt. Eine Schulform, die in Coesfeld bei den Grundschulen üblich ist und die die Fraktion Aktiv für Coesfeld / Familie am liebsten abschaffen möchte. „Das ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Fraktionsvorsitzender Dieter Goerke. „Die Realität sieht doch sowieso heute anders aus.“ Einen entsprechenden Antrag will die Fraktion in der nächsten Ratssitzung stellen. Die Stadt soll die erforderlichen Maßnahmen einleiten, um sämtliche städtische Grundschulen ab 2016 in Gemeinschaftsgrundschulen umzuwandeln. „Schon jetzt sind nicht einmal 50 Prozent der Schüler der evangelischen Martin-Luther-Schule evangelisch“, sagt Goerke im AZ-Gespräch. „Und unter 70 Prozent der Schüler der katholischen Grundschulen sind katholisch.“ Es sei nur folgerichtig, die Schulen nicht mehr als Konfessionsschulen zu führen.

Von Viola ter Horst

In Coesfeld sind sechs der sieben Grundschulen städtisch – und dennoch Bekenntnisschulen: Fünf katholische, eine evangelische (Martin-Luther-Schule).

Eine Öffnung hätte zur Folge, dass die speziellen Vorgaben, die das Schulgesetz nach wie vor auch für Bekenntnisschulen in staatlicher Trägerschaft macht, wegfallen würden. „Die Organisation wäre einfacher“, sagt Goerke.

Und erhebliche anstehende Schulrenovierungskosten „in Millionenhöhe“ ließen sich sparen, führt die Fraktion in dem Antrag auf. Gemeint sind damit insbesondere Gebäudesanierungen, die bei der Martin-Luther-Schule anstehen. Eine Überlegung ist bekanntlich, dass die Martin-Luther-Schule in die ehemalige Jakobischule umzieht, wenn der Kreis Coesfeld das Gebäude ab 2017 nicht mehr benötigt. Auch über die Zukunft des gesamten Häuserkomplexes der evangelischen Gemeinde an der Rosenstraße ist in der letzten Zeit immer wieder diskutiert worden.

Wenn es mit einer Umwandlung gar keine Konfessionsgrundschulen mehr gäbe, so wäre bei den rückläufigen Kinderzahlen sogar die Möglichkeit eröffnet, auf Dauer eine weitere Grundschule zu schließen. Fünf Schulgebäude würden rechnerisch ausreichen.

Allerdings ist eine Umwandlung von Bekenntnisschulen mit Hürden verbunden. Und immer eine Frage, was die Eltern der Schüler wollen. „Zweidrittel der Eltern der Schüler der jeweiligen Schule muss einer Umwandlung zustimmen“, sagt Christiane Klein von der Pressestelle der Bezirksregierung Münster. So stehe es im NRW-Schulgesetz.

Eine Lockerung der Kriterien ist allerdings in Sicht. Anfang des Jahres haben die fünf NRW-Bistümer der katholischen Kirche ein Positionspapier mit Vorschlägen zur Reform aufgestellt. Dies auch vor dem Hintergrund, dass vielerorts Bekenntnisschulen umgewandelt werden sollen.

Denn eigenwillige Auswüchse gab es mit der Schul-Sonderform immer wieder. Auch in Coesfeld. So hat sich vor einigen Jahren eine evangelische Interessentin auf eine Konrektor-Stelle einer katholischen Grundschule in Coesfeld beworben. Sie wurde nicht genommen – weil sie evangelisch war. Und das, obwohl diese Stellen kaum noch zu besetzen sind. „Wir schreiben bei Bekenntnisschulen in der Regel immer mindestens zweimal aus, wenn sich keine Bewerber finden“, erklärt Klein von der zuständigen Bezirksregierung. Und „kein Bewerber“ bedeutet auch, wenn eine Bewerbung eines Interessenten mit anderer Konfession vorliegt. Erst wenn sich dann immer noch kein Interessent melde, werde dem Schulträger und der Kirchenvertretung der Bewerber mit der „falschen“ Konfession vorgeschlagen.

Dabei wird in Coesfeld zumindest hinter vorgehaltener Hand längst hinterfragt, inwieweit derartige Regelungen überhaupt noch gelten können.

„Es spielt für uns keine Rolle, welche Konfession ein Kind hat“, so die Schulleiterin einer katholischen Grundschule gegenüber unserer Zeitung. „Wir haben hier auch muslimische Kinder oder Kinder, die konfessionslos sind. Wir bevorzugen da keine, im Gegenteil.“

In die Kritik geraten waren Bekenntnisschulen in öffentlicher Trägerschaft besonders in einigen größeren Städten nach der Aufhebung der Schulbezirke, weil Kinder mit der entsprechenden Konfession bevorzugt angenommen wurden, während zum Beispiel muslimische Kinder aus der Nachbarschaft abgelehnt wurden. „Mit so etwas hatten wir in Coesfeld allerdings noch nie Probleme“, heißt es vonseiten der Stadt. | Kommentar

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