So., 24.08.2014

Ins trockene verlegte Spanische Nacht wird von den Zuhörern mit stehenden Ovationen gefeiert Auch in der Kirche furios

Coesfeld. Eine spanische Nacht, eingehüllt in laue Sommertemperaturen mitten auf dem Marktplatz, das hatte sich die „musik:landschaft westfalen“ erhofft. „Leider“, so Intendant Dirk Klapsing, „ riet der Wetterbericht ziemlich davon ab“.

Von Ursula Hoffmann

Zum Glück finden die Musiker Asyl in der Lamberti-Kirche. Denn während draußen die Polarluft den Sommer davon weht, lässt die „Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg“ im vollbesetzten Gotteshaus das Wetter vergessen. Ihre großartige Musik wärmt das Herz und beschert den Zuhörern einen unvergesslichen Abend, an dem sie sich nach Spanien, in das Land mitreißender Rhythmen und feuriger Leidenschaft, träumen können.

George Bizets „Carmen-Suite“ eröffnet das Konzert. Unter der Leitung von Philip van Buren intoniert das Orchester voller Verve bekannte, schon zu Klassikern gewordene Melodien. Die Musiker zeigen sich von Anfang an als homogener Klangkörper, der in den lyrisch-gefühlvollen Passagen genauso brilliert wie bei den feurigen Rhythmen. Immer ist das ungeheure Engagement der Musiker zu spüren, die ihre ganze Seele in die Musik legen.

In andalusische Gärten, etwa nach Granada in den „Generalife“ der Alhambra, entführen die „Noches en los Jardines de Espagna“ von Manuel de Falla. Ein Stück, bei dem Klavier- und Orchesterpart eng verwoben sind. In drei nächtlichen Impressionen beschwört das mächtig aufspielende Orchester in magischen Bildern die Pracht der Gärten. Hier brilliert als Solist der spanische Pianist Isidro Barrio. In seinem Gesicht spiegelt sich grenzenlose Verzückung und innige Versunkenheit. Er spielt nicht, er lebt die Musik. Bereitwillig gibt er drei bejubelte Zugaben, bei denen er mit seinem Flügel zu einer betörenden Klangeinheit verschmilzt.

In der Pause können die Zuschauer das Gehörte wirken lassen und sich mit Häppchen und Getränken versorgen. Die AZ bewirtet ihre Gäste im Ruthmann-Bus und weist damit auf die Industriekampagne hin.

Dann stehen wieder Solisten im Mittelpunkt. Peter und Zoltan Katona, die „Katona Twins“, machen ihrem Ruf als eines der besten klassischen Gitarrenduos mit dem „Concierto de Aranjuez“ von Joaquin Rodrigo alle Ehre. Spielerisch treten sie im Allegro in Kontakt mit einzelnen Instrumenten des Orchesters und brillieren im melancholisch getragenen Adagio, das die Atmosphäre der „Saeta“, der Prozession in der „Semana Santa“, der Karwoche, heraufbeschwört. Als Zugabe gibt es einen umjubelten „Feuertanz“.

Wunderschön auch Rimski-Korsakows farbenprächtiges „Capricio Espagnol“. Und dann, als krönender Abschluss, der „Bolero“ von Maurice Ravel mit seinem eigenwilligen Reiz. Ganz zart, ganz leise gibt die Rührtrommel, in tiefster Konzentration gespielt von Andreij Lukjanets, den Takt vor. Präzise kalkuliert steigert sich die rhythmische Schärfe bis zum furiosen Finale, das den ganzen Körper durchdringt, bis alles nur noch pulsierender Rhythmus ist – vom Orchester lustvoll ins Unermessliche gesteigert. Wahnsinn.

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