Fr., 06.05.2016

Vanessa Meis ist über Regelung für Personenbeförderung im Bus bei Menschen mit Handicap erstaunt Busfahrt wird zum Hindernis

Vanessa Meis ist über Regelung für Personenbeförderung im Bus bei Menschen mit Handicap erstaunt : Busfahrt wird zum Hindernis

Vanessa Meis ist auf ihren Rollstuhl mit Elektroantrieb angewiesen. Sie befürchtet, dass sie sich nicht mehr darauf verlassen kann, auf jeden Fall mit dem Bus befördert zu werden, weil eine neue Regelung für Elektromobile greift. Foto: Manuela Reher

Coesfeld. Vanessa Meis (27) ist enttäuscht und verärgert zugleich. Ein Busfahrer hat ihr am Coesfelder Bahnhof gesagt, dass ein Schreiben rausgegangen sei, in dem stehe, dass elektrische Rollstühle in Bussen nicht mehr transportiert werden dürfen und er persönlich dies auch nicht mehr machen würde.

Von Manuela Reher

„Das beunruhigt mich, und ich stelle mir die Frage, ob ich, als Rollstuhlfahrerin, nun eventuell nicht mehr befördert werden darf“, sagt die junge Frau. „Das würde meine Mobilität erheblich einschränken“, befürchtet Vanessa Meis, die seit einem Verkehrsunfall vor vier Jahren auf den Rollstuhl angewiesen ist.

Tatsächlich sind die Busfahrer der Regionalverkehr Münsterland (RVM) GmbH verpflichtet, Fahrgäste mit einem E-Scooter, einem Elektromobil, abzuweisen. Dies bestätigt Bernd Brockhinkel, stellvertretender Betriebsleiter der RVM.

Das Unternehmen berufe sich auf ein Gutachten des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Das Gutachten hatte unter anderem die Rutsch- und Kipp-Gefahr solcher Gefährte bei starken Bremsungen und Kurvenfahrten als Begründung angeführt.

Bernd Brockhinkel unterstreicht: „Es geht uns um die Sicherheit unserer Fahrgäste.“ Ein E-Scooter könne durch den hohen Aufbau sehr schnell umkippen. Außerdem sei das Gefährt sehr schwer.

In den Bussen gebe es keine Sicherheitseinrichtungen, um ein Elektromobil während der Fahrt zu befestigen. Beim Bremsen komme es zu Gewichtsverlagerungen, die verheerende Auswirkungen auf die Fahrgäste haben könnten.

Bereits Anfang des Jahres 2015 hatte das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen entschieden, dass Fahrer von E-Scootern keinen Rechtsanspruch auf Beförderung in Bussen und Bahnen haben.

Nicht nur die Gefahr für die Fahrgäste, sondern auch die Tatsache, dass die übergroßen Elektromobile zudem die Sondernutzungsflächen für Kinderwagen und Rollstühle blockieren würden, wurde damals in der Begründung des Urteils angeführt.

Bernd Brockhinkel (RVM) betont aber, dass von der Regelung nur die E-Scooter betroffen seien. Wer aus medizinischen Gründen einen elektrischen Rollstuhl benötige, werde selbstverständlich auch in seinem Gefährt im Bus befördert.

Vanessa Meis ist ratlos. Denn sie fahre keinen E-Scooter, sondern einen Rollstuhl mit Elektroantrieb. Vielleicht, vermutet sie, sei vielen der Unterschied nicht klar. Um weiter mobil zu bleiben, nutzt sie vorerst die Bahn. Denn auf Diskussionen mit Busfahrern, ob ihr Gefährt einem E-Scooter gleicht oder nicht, möchte sie sich nicht einlassen. Die neue Regelung sorge aus ihrer Sicht für Verwirrung.

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