Fr., 20.05.2016

Kinderhilfe Tschernobyl Coesfeld wird im weißrussischen Svensk herzlich aufgenommen Zu Besuch bei Freunden

Am Abreisetag strömen alle Dorfbewohner zusammen, um die lieb gewonnenen Gäste aus Coesfeld gebührend zu verabschieden. Besonders die Kinder freuen sich immer wieder über den Besuch aus Deutschland.

Am Abreisetag strömen alle Dorfbewohner zusammen, um die lieb gewonnenen Gäste aus Coesfeld gebührend zu verabschieden. Besonders die Kinder freuen sich immer wieder über den Besuch aus Deutschland. Foto: privat

Coesfeld/Svensk. Fast zweitausend Kilometer mit dem Bus, das bedeutet, fast zwei Tage unterwegs zu sein – mit Grenzkontrollen, langwieriger Registrierung und einem längeren Aufenthalt in Minsk. Alle zwei Jahre nimmt eine Gruppe von Betreuer und Gasteltern der Kinderhilfe Tschernobyl diese anstrengende Fahrt in das weißrussische Partnerdorf Svensk auf sich.

Von Ursula Hoffmann

Einige sind seit der ersten Reise (1994) dabei, wie Maria und Thomas Bücking und Hannelore Schulz, die sich gemeinsam mit neun weiteren Teilnehmern vom 30. April bis 8. Mai wieder auf den Weg machten, der ein bisschen wie eine Zeitreise ist – durch die neuen Bundesländer und Polen nach Weißrussland (Belarus). Ganz allmählich, so die Beobachtungen während der Fahrt, ändert sich die Art der Bewirtschaftung und es wird immer ärmlicher.

Zurück in Coesfeld sind die Köpfe voll mit Eindrücken, schönen und bedrückenden, die es zu verarbeiten gilt. Bereut hat, so Thomas Bücking, diese Reise noch keiner der über die Jahre großen Zahl der Mitgereisten. Für ihn ist der prägende Eindruck die immer stärker gewordene Verbindung. Zur Begrüßung und zur Verabschiedung versammelt sich das ganze Dorf. „Wir sind gleich ein Stück zu Hause, uns werden im Dorf die Türen geöffnet, wir können uns frei bewegen wie Freunde. Diese große Herzlichkeit wäre vor 25 bis 30 Jahren noch undenkbar gewesen“, freut er sich, dass hier echte Völkerfreundschaft gewachsen ist. Das bestätigt auch Hannelore Schulz, die betont, sie fühle sich bei aller Kreativität, die die Verständigung miteinander erfordert, in ihrer Familie, die sie bereits zum zwölften Mal aufnimmt, wie zu Hause.

Vor Ort machen sich die Gäste ein Bild von den Lebensbedingungen der Menschen, deren Kinder und Enkel sie im Sommer in Sirksfeld betreuen. Sie besuchen den Kindergarten, die Schule und die Ambulanz. Sie schauen im Magazin, dem kleinen Laden, was es dort zu kaufen gibt und vergleichen die Preise. „Der Grundbedarf ist gedeckt“, erklärt Bücking, „allerdings sind die Waren für viele kaum erschwinglich.“ Auffällig ist die große Diskrepanz zwischen Stadt und Land. In den größeren Städten gibt es von Kleidung über Waschmaschinen bis Motorsensen alles zu kaufen – natürlich auch hier eine Frage des Geldes.

Da der Staat die Bedingungen für die Einfuhr von Hilfsgütern immer mehr erschwert, sind der Hilfe leider enge Grenzen gesetzt. Auch für gegenseitige Besuche muss immer mehr Aufwand betrieben werden. So müssen alle Kinder ihre biometrischen Daten in der deutschen Botschaft in Minsk abgeben – ein Weg von Svensk dorthin dauert länger als drei Stunden. Daher war es für die Reisegruppe ein besonderes Anliegen, sich bei Florian Shriverhoff, dem Leiter der Visa-Stelle der Botschaft, persönlich zu bedanken, der es mit seinem Einsatz den Kindern möglich gemacht hat, im kommenden Sommer wieder nach Sirksfeld zu reisen, denn Shriverhoff, dessen Mutter übrigens aus Vreden stammt, hat sich einfach auf den Weg zu den Kindern gemacht.

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