Di., 31.05.2016

Eltern diskutieren Umwandlung in Gemeinschaftsschule / Kaum Chancen für nichtkatholische Lehrer Grundschule Lette stellt die Glaubensfrage

Eltern diskutieren Umwandlung in Gemeinschaftsschule / Kaum Chancen für nichtkatholische Lehrer : Grundschule Lette stellt die Glaubensfrage

Die Kardinal-von-Galen-Grundschule könnte eine „normale“ städtische Grundschule werden – Eltern diskutieren eine Umwandlung. Foto: skm

Lette. Schulleiterin Sabine Schäfer staunte nicht schlecht. Im Dezember suchte die Kardinal-von-Galen-Grundschule in Lette Verstärkung im Kollegium. „Wir hatten gute Bewerbungen, auch von einer evangelischen Kollegin, die hier bereits ausgebildet wurde“, berichtet Schäfer. Doch die Kollegin hatte keine Chance. Sie war nicht katholisch.

Von Viola ter Horst

Die Kardinal-von-Galen-Schule ist zwar eine öffentliche Grundschule – Schulträger ist die Stadt Coesfeld – aber mit Zusatz katholische Bekenntnisgrundschule. Und für eine Konfessionsschule müssen die Lehrer nach dem Schulgesetz des Landes NRW dem entsprechenden Bekenntnis angehören. „Das ist ein Unding“, findet Schäfer. Denn der katholische Bewerber sei in jeder Hinsicht zu bevorzugen. „Selbst wenn ein evangelischer Lehrer Top-Qualifikationen hätte, so müsste der katholische Bewerber genommen werden, auch wenn er der schlechteste von allen wäre.“

Auch bei der Elternvertretung stießen die Gesetzesregelungen auf Unverständnis. Sie wollen die Grundschule jetzt gerne in eine „normale“ Gemeinschaftsschule umwandeln. Eine Elternvollversammlung fand am Montag statt. Es gab Befürworter, aber auch Kritiker.

Das Heft in der Hand haben in jedem Fall die Eltern: 20 Prozent der Eltern müssen einen Antrag auf eine Umwandlung stellen. Ist diese Anzahl erreicht, muss die Stadt eine Abstimmung durchführen. Wenn mindestens 50 Prozent der stimmberechtigten Eltern grünes Licht geben, wird die Schule umgewandelt.

„Wir wollen die Konfessionsgebundenheit auflösen, sonst soll sich nichts ändern“, betont der Elternpflegschaftsvorsitzende Jürgen Sicking. Auch nichtkatholische Lehrer sollen an der Kardinal-von-Galen-Schule eine Chance haben, wenn diese Stellen ausschreibt, findet er. Die Anträge trudelten bereits von Eltern ein. Sicking ist optimistisch, dass die erste Hürde überwunden wird. Ob dann allerdings auch mindestens 50 Prozent der Eltern für eine Umwandlung stimmen, sei eine andere Frage. „Auf das Wahlverhalten habe ich keinen Einfluss. Das ist eine basisdemokratische Entscheidung.“

Schäfer betont, dass es nicht um einen konkreten Fall gehe. Die im Dezember ausgeschriebene Stelle sei ja auch längst besetzt. Mit einer netten, natürlich katholischen Kollegin.

„Bei der Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule geht es vor allem darum, den christlichen Wert der Gleichbehandlung aller Schüler und Lehrer auch gesetzlich umsetzen zu dürfen“, sagt sie. Eine Aussortierung würde nämlich auch Schüler treffen, wenn es zu viele Anmeldungen gäbe. Elternvertreter Sicking: „Sollte die Schule einmal in diese Situation kommen, dann müsste sie katholische Schüler bevorzugt aufnehmen.“

Sicking, der selber in der katholischen Kirche engagiert ist, betont, dass keineswegs am Schulalltag etwas geändert werden soll. Die Kinder bekämen weiterhin Religionsunterricht, die Erziehung habe nach christlichen Werten weiterhin Bestand, und auch der Name Kardinal-von-Galen-Schule bleibe erhalten. „Die gesetzliche Regelung stößt gegen unser Selbstverständnis vom Miteinander“, so Schäfer. „Ich erzähle den Kindern den ganzen Tag etwas von christlicher Nächstenliebe – wie soll ich denn so etwas rechtfertigen?“ Schließlich gebe es in Lette nur die eine Grundschule. Schäfer sagt, sie habe bis zum Landesministerium telefoniert. „Anfangs konnte ich das alles nicht so recht glauben.“

Doch es ist so. Die Bezirksregierung Münster und die Schulaufsicht beim Kreis Coesfeld bestätigen gegenüber unserer Zeitung, dass bei „schulscharfen“ Stellenausschreibungen – Stellenangeboten, bei denen sich Lehrer direkt bei der Schule bewerben – der Sachverhalt tatsächlich so ist.

In Paragraph 26 des NRW-Schulgesetzes heißt es knackig: „An Bekenntnisschulen müssen Lehrer dem betreffenden Bekenntnis angehören“.

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