Mi., 15.02.2017

900 Teilnehmer an 11 Schulen beim Berufsnavigator / Ablösung durch „Kein Abschluss ohne Anschluss“ droht Mit System zum Beruf

900 Teilnehmer an 11 Schulen beim Berufsnavigator / Ablösung durch „Kein Abschluss ohne Anschluss“ droht : Mit System zum Beruf

Berufsnavigation am Heriburg: (vorne v.l.) Andreas, Ben, Florian und Eike aus der Oberstufe im Beratungsgespräch, dahinter (v.l.) Mareen Lammerding, Barbara Pixa, Günter Bruns, Janina Neukirch, Thomas Borgert, Daniel Wahlers, Rainer Janßen, Jochen Theisen und Christian Krahl. Foto: Michael Oer

coesfeld. „Mir war schon lange vorher klar, dass ich etwas im naturwissenschaftlichen Bereich machen möchte. Das hat sich durch den Test jetzt für mich bestätigt“, erzählt Ben (16), nachdem er zusammen mit seinen Schulkameraden Andreas (16), Florian (17) und Eike (16) am Berufsnavigator in der Oberstufe des Heriburg-Gymnasiums teilgenommen hat.

Von Michael Oer

Dabei handelt es sich um eine computergestützte Berufsberatung, die den Schülern der Oberstufen helfen soll, ihre eigenen Stärken einzuschätzen und so den richtigen Weg nach der Schule einzuschlagen. Dazu werden nicht nur die Schüler selbst zu ihren Interessen und Fähigkeiten befragt, sondern auch von ihren Freunden zu bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen wie beispielsweise der Belastbarkeit, der Konzentrationsfähigkeit oder den Führungsqualitäten, bewertet. Anschließend gleicht ein Computerprogramm die erhaltenen Stärken- und Interessensprofile mit einer Liste von rund 200 Berufsfeldern ab und erstellt eine Rangfolge von zehn möglichen Berufen. Zum Schluss findet dann ein Einzelgespräch mit einem Berufsberater statt, der mit den Schülern zwei Möglichkeiten aus der Liste heraussucht und mit ihnen bespricht, durch welche weiteren Schritte sie am besten für die jeweiligen Berufe in Frage kommen.

„Über die Hälfte der Teilnehmer hat vor dem Beratungsgespräch und somit gut ein Jahr vor Ende der Schulzeit noch keinen Plan, wie es danach weitergehen soll“, sagt Jochen Theisen , der den Berufsnavigator koordiniert und dessen Wichtigkeit hervorhebt. Schüler wie Ben, der schon mit einer genauen Zukunftsvorstellung in die Beratung ging, sind demzufolge in der Minderheit.

Seitdem das Programm, das vom Kreis Coesfeld , den Volksbanken, der Agentur für Arbeit und den Coesfelder Rotary-Clubs unterstützt wird, vor zehn Jahren startete, haben insgesamt über 14 000 Schüler daran teilgenommen. Elf Schulen, darunter das Heriburg-Gymnasium und das Nepomucenum, und über 900 Schüler sind es in diesem Jahr.

Doch das Programm droht zum Auslaufmodell zu werden, denn im Jahr 2011 entschied sich der Ausbildungskonsens des Landes Nordrhein-Westfalen für das neue System „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA), das im Schuljahr 2016/17 dann an allen öffentlichen Schulen des Landes eingeführt wurde. KAoA soll garantieren, dass alle Schüler den gleichen Mindeststandard an Berufs- und Studienorientierung erhalten und setzt dazu schon ab der achten Klasse an. Ein zweites Programm, wie der Berufsnavigator, wird dann nicht weiter unterstützt. „Wirklich bedauerlich“, findet Rainer Janßen , Studien- und Berufsberater im Heriburg-Gymnasium. „Wir waren immer der Meinung, dass das Programm sinnvoll ist.“ Dabei könne der Berufsnavigator auch eine Ergänzung für KAoA sein, denn oftmals würden sich die Berufswünsche und Interessen der Schüler in den letzten Schuljahren noch einmal ändern, meint Janßen. Der Navigator könne dann auch dazu dienen, vorher erarbeite mögliche Traumberufe noch einmal zu bestätigen oder im Zweifelsfall auch wieder umzustoßen. Theisen sieht das genauso und verweist darauf, dass jeder vierte seine nachschulische Ausbildung frühzeitig abbrechen würde. Das gelte es mit allen Mitteln zu ändern.

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