So., 19.03.2017

Reformationsjubiläum: „Beredtes Mittagessen“ im evangelischen Gemeindehaus kam gut an Frau Luther bei Rübenkraut

Reformationsjubiläum: „Beredtes Mittagessen“ im evangelischen Gemeindehaus kam gut an : Frau Luther bei Rübenkraut

Luther eingenickt: Birgit Henke-Ostermann (r.) als Katharina Luther redet auf Martin Ostermann (l.) als schlafenden Dr. Martin Luther ein. Foto: az

Coesfeld. Essen und Reden hielt die Ehe des Reformators Dr. Martin Luther mit Katharina von Bora zusammen.

Von Elvira Meisel-Kemper

Beides kombinierte das Angebot „Beredtes Mittagessen“ im evangelischen Gemeindehaus in Coesfeld, zu dem Pfarrerin Birgit Henke-Ostermann zusammen mit dem Seniorenausschuss eingeladen hatte.

Rund 50 Besucher kamen, um passend zum Reformationsjubiläum Speisen nach Rezepten aus der Zeit zu genießen und die Worte von Katharina Luther zu hören.

„Es gab kaum Papier, kein Kunststoff. Das 16. Jahrhundert war geprägt von Krieg, Krankheiten, Hunger. Kartoffeln waren auch noch nicht bekannt. Eigentlich hätten wir Ihnen heute Mittag mittelalterlichen Getreidebrei mit Liebstöckel zubereiten müssen.

Das wollten wir ihnen nicht antun“, sagte Henke-Ostermann. Zwischen den fünf Gängen des Menüs hatte sie zusammen mit ihrem Mann Martin Ostermann noch etwas Besonderes vorbereitet.

Während ihr Mann als stummer Dr. Martin Luther seinen Mittagschlaf hielt, redete sie als Katharina Luther auf ihn ein. Vorlage für die Reden der „Lutherin“ war das Buch „Wenn du geredet hättest, Desdemona“ von Christine Brückner aus dem Jahr 1983.

„Diese Frau Luther hatte Haare auf den Zähnen“, leitete Henke-Ostermann ihre Lesung ein.

Neben der grundsätzlichen Betrachtung ihrer Ehe, profilierte sich Frau Luther als starke Frau an der Seite ihres Mannes, die sich einzig Gott zum Gehorsam verpflichtet fühlte. Unterwürfigkeit war ihr fremd, dafür dominierten der Respekt und die Anerkennung für seine Arbeit, die sie auch von ihm einforderte. „Du bist zu dick, sei doch mal fröhlich und trink deinen Tee. Der ist gut gegen Unlust“, attackierte sie schon mal schonungslos ihren Mann.

Die Reden der Frau Luther sind nicht überliefert. Brückner hat diese aus den Aufzeichnungen Luthers und seiner Schüler herausgefiltert. „Ich kann es nicht leiden, dass mein Mann etwas anderes schreibt, als er lebt“, kritisierte Katharina Luther ihn abermals direkt.

Allerdings hatte sie auch Lob und Anerkennung für seine Arbeit parat, während sie ebenso direkt ihre Leistung als Hausfrau, Mutter, Ehefrau, Gastgeberin und Heilerin ihrem schlafenden Mann unter die Nase rieb.

Die Teilnehmer an diesem Angebot genossen nicht nur das Graubrot mit Schmalz oder Rübenkraut als Vorspeise, gefolgt von Heringssalat, zwei verschiedenen Suppen bis hin zum Apfelmus als Nachspeise, sondern auch den „beredten“ Einblick in die Zeit.

„Das Thema interessierte uns. Über die Ökumene habe ich schon lange enge Kontakte zur evangelischen Gemeinde“, erklärte Hartwig Heuermann seinen Besuch. Auch seine Frau Hitda war begeistert von dem Angebot: „Die Texte versetzen uns in die Zeit zurück.“

Vor allem gab das „beredte Mittagessen“ Katharina Luther eine aussagekräftige Stimme.

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