Do., 18.05.2017

Abwasser landete statt in der Kläranlage im Fluss / Sportfischereiverein empört Wasser in der Berkel blutrot

Abwasser landete statt in der Kläranlage im Fluss / Sportfischereiverein empört : Wasser in der Berkel blutrot

Blut strömte an der Berkelbrücke in Goxel in die Berkel. Foto: az

Coesfeld. Große Mengen Blut fließen aus einem Einleitungsrohr in die Berkel. Das halten Mitglieder des Sportfischereivereins Coesfeld mit der Filmkamera an der Berkelbrücke in Goxel fest. Sie sind zufällig vor Ort, als sich dieser Vorfall ereignet.

Von Manuela Reher

Die Angler zeigen sich maßlos verärgert darüber, dass aus ihrer Sicht die zuständigen Behörden nichts unternehmen. „Nicht einmal eine Wasserprobe ist entnommen worden“, sagt Vereinsvorsitzender Hubert Rietmann. Als der „Skandal“ entdeckt worden sei, habe man sofort die Polizei verständigt und gehofft, dass „alles seinen Gang nehmen werde“, konkret, Untersuchungen durchgeführt würden. „Aber man hat uns gegen die Wand laufen lassen“, so Rietmann, der für die 300 Mitglieder des Sportfischereivereins spricht. Inzwischen hat der Verein Anzeige gegen unbekannt wegen Verunreinigung des Berkelgewässers erstattet, wie die Polizei mitteilt.

Die Angler sehen große Gefahren für den Fischbestand. Wenn es sich zum Beispiel um Tierblut handele, müsse man damit rechnen, dass dieses durch Antibiotika oder Salmonellen verseucht sei. Dann stelle sich die Frage, ob man den Fisch aus der Berkel überhaupt noch genießen könne. Auch müsse man bedenken, dass Wildtiere die Berkel als Tränke nutzen und Kinder im Gewässer baden würden. Die Folgen für die Gesundheit seien aus der Sicht des Vereins nicht absehbar.

Laut Bezirksregierung Münster, die für die Berkel – ein Gewässer zweiter Ordnung – zuständig ist, spreche vieles dafür, dass es sich bei der Einleitung der Flüssigkeit in die Berkel um Blut gehandelt habe. Grundsätzlich könne es dadurch zu einer organischen Belastung des Gewässers kommen, gerade dann, wenn der Fluss wenig Wasser führe, so Sigrun Rittrich, Pressesprecherin der Bezirksregierung Münster.

Dann könne es zu Sauerstoffmangel und zum Fischesterben kommen. Aber nachdem der Zufluss des Blutes unverzüglich gestoppt worden sei, sei das Wasser der Berkel wieder klar gewesen. Die Fachleute würden keinerlei Gefahr für die Fische oder Menschen sehen. Da schon eine kleine Menge Blut ausreiche, um eine große Menge Wasser rot zu färben, müsse es sich auch nicht um große Mengen Blut gehandelt haben. „Es handelt sich um ein kleineres Ereignis, das schlimm aussieht, aber keine Folgen hat“, so Sigrun Rittrich.

Als Ursache für die Einleitung könne ein technischer Defekt in einem Pumpwerk in Frage kommen, das das Abwasser mehrerer Betriebe statt in die Kläranlage in das Regenwasserklärbecken gepumpt habe und dadurch in die Berkel gelangt sei. Vermutlich habe ein Ventil nicht funktioniert. Ein konkreter Verursacher könne aber nicht ausfindig gemacht werden, so Sigrun Rittrich.

Noch am selben Abend habe die Umweltbehörde Kontakt mit Westfleisch aufgenommen, wie dessen Pressesprecher Meinhard Born mitteilte. Dieser erklärte, dass die Abwassersysteme erst kürzlich ohne Beanstandung geprüft worden seien. Gerade weil es sich um ein „punktuelles Ereignis“ gehandelt habe, halte er es für ausgeschlossen, dass Westfleisch dafür verantwortlich sei. „Wir sind sehr an der Aufklärung der Angelegenheit interessiert“, sagte er.

Westfleisch-Betriebstechniker hätten unverzüglich nach Bekanntwerden auf dem Gelände des Fleischcenters Coesfeld eine Überprüfung der Abwasser- und Regenwasserführung vorgenommen, um eine etwaige vom Betrieb ausgehende Ursache zu ermitteln.

Dabei seien keine Auffälligkeiten, Undichtigkeiten oder Defekte festgestellt worden, die ursächlich für die Farbveränderung hätten sein können.

Die Beurteilung aller zu Rate gezogenen Experten habe nach weiteren Untersuchungen bislang kein klares Ergebnis ergeben. Eine Beteiligung von Westfleisch könne ausgeschlossen werden. Neben dem Fleischcenter gebe es weitere Anlieger, die denselben Einleitepunkt nutzen würden. | Video auf www.azonline.de

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