Fr., 11.08.2017

Richter im Zeugenstand / Angeklagter Coesfelder soll mit anderen Diskobesucher attackiert haben Raubüberfälle: Urteil verschoben

Coesfeld. Eigentlich hätte der 23-jährige Angeklagte aus Coesfeld am Freitag schon sein Urteil hören sollen. Nun muss er aber doch noch ein paar Tage warten, bis klar ist, ob er die mehrjährige Freiheitsstrafe bekommt, die ihm droht. Der Grund: die 3. Große Strafkammer am Landgericht Münster möchte einen weiteren Zeugen hören. Das freute die Verteidigerin: „Der persönliche Eindruck, den die Zeugen hier hinterlassen, ist in diesem Verfahren entscheidend“, sagte sie. Mehrere Zeugen waren an den vorangegangenen Verhandlungstagen bereits befragt worden.

Von Ulrike Deusch

Dem Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft vor, Mitglied einer Gruppe zu sein, die am 9. und 10. April 2016 in Coesfeld am Lübbesmeyerweg jeweils Diskothekenbesucher überfallen und beraubt haben soll. Dabei soll – zumindest in einem Fall – ein Elektroschockgerät zum Einsatz gekommen sein. Die Beute soll aus zwei Smartphones und einer Geldbörse mit 30 Euro bestanden haben.

Der Fall ist komplex, auch weil die mutmaßlich Beteiligten ebenso wie die Zeugen sich in ihren Aussagen widersprechen. Schon seit einem Dreiviertel Jahr sind verschiedene Gerichte in die Sache involviert. Im Januar hatte das Landgericht einen ersten 22 Jahre alten Angeklagten aus Nottuln freigesprochen, nachdem es als erwiesen angesehen hatte, dass Lebensgefährtin und Schwager ihn lediglich in den Fall hereinziehen wollten, um ihn loszuwerden. Die beiden wurden inzwischen vom Amtsgericht Coesfeld verurteilt – wegen Freiheitsberaubung, uneidlicher Falschaussage und Raubes (wir berichteten beides).

Während der jetzige 23-jährige Angeklagte bestreitet, etwas mit den Raubüberfällen zu tun zu haben, hat ihn ein Zeuge schon am ersten Verhandlungstag belastet. Dieser junge Mann hatte ausgesagt, zu dritt habe man im April den Opfern in der Nähe der Diskothek Fabrik mit Elektroschocker, Reizgas und Schlagstock aufgelauert. Die beiden Opfer – zwei junge Männer aus Coesfeld – hatten bereits im Januar im Verfahren gegen den später frei gesprochenen Nottulner den Überfall geschildert und von drei dunklen Gestalten mit Kapuzen gesprochen, die sie attackierten.

Einer der Richter der im Januar zuständigen 8. Großen Strafkammer war Freitag geladen, um über eine damalige Zeugenvernehmung zu berichten. Außerdem sagte ein Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe der Stadt Coesfeld aus. Im Wesentlichen ging es dem Gericht darum, etwas über Glaubwürdigkeit der Zeugen zu erfahren. Das alles reichte dem Vorsitzenden Richter aber noch nicht aus, um in die abschließenden Plädoyers einzusteigen. Das hörte die Verteidigerin mit Erleichterung: „Für meinen Mandanten geht es hier um eine ganze Menge“, sagte sie. Das nahm der Vorsitzende Richter auf: „Fünf Jahre drohen“, redete er Tacheles. | Fortsetzung am Dienstag (15. 8.)

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