Mo., 01.01.2018

Coesfelder Historiker wirkte an besonderem Atlas mit / Kreisstadt besonders geeignet für Forschung Nachschlagewerk für alte Schriftsprachen

Coesfelder Historiker wirkte an besonderem Atlas mit / Kreisstadt besonders geeignet für Forschung: Nachschlagewerk für alte Schriftsprachen

Norbert Nagel überreichte einen Schreibsprachenatlas fürs Stadtarchiv. Foto: az

Coesfeld. Ein neuer Sprachatlas, der der historischen Grammatik- und Sprachforschung als grundlegendes Nachschlagewerk dienen soll: Beteiligt an dem Werk, das im Oktober 2017 im Verlag Walter de Gruyter erschienen ist, ist als Mitautor maßgeblich der Coesfelder Historiker und Sprachwissenschaftler Dr. Norbert Nagel.

Von Allgemeine Zeitung

Der „Atlas spätmittelalterlicher Schreibsprachen des niederdeutschen Altlandes und angrenzender Gebiete (ASnA)“ soll nun in den nächsten Jahrzehnten das Standardwerk der niederdeutschen, der niederländischen, und der nordrheinischen historischen Sprachforschung darstellen.

Seit 1994 wurde an der Universität Münster in einem Forschungsprojekt die Sprachentwicklung des geschriebenen Niederdeutschen – dem Plattdeutsch – untersucht und auf Karten bildlich so dargestellt, dass sich die regionalen Unterschiede ein und desselben Wortes auf einen Blick erfassen lassen.

Die insgesamt 164 farbigen Wortkarten des Sprachatlases veranschaulichen die spätmittelalterlichen Schreibungen von Wörtern. Die Wortkarten zeigen, dass vom 13. Jahrhundert bis zum Jahr 1500 im Raum zwischen Utrecht in den Niederlanden und Magdeburg im Osten, Köln im Süden sowie Kiel im Norden ganz im Unterschied zu heute gleich mehrere regionale Schreibsprachen existierten, wie das Westfälische, das Nordniederdeutsche oder das Niederländische. Der Sprachatlas zeigt auch, dass in seinem großflächigen Untersuchungsraum bis 1500 noch nicht hochdeutsch geschrieben wurde und in den östlichen Niederlanden erst allmählich zum Niederländischen gewechselt wurde.

Bei der Zusammenstellung des Städtenetzes, der Grundkarte wurde die Stadt Coesfeld mit ihren spätmittelalterlichen schriftlichen Überlieferung hinzugenommen. Die 144 Texte des ASnA-Ortspunktes „Coesfeld“ hat der gebürtige Coesfelder Norbert Nagel aus seinem eigenen Projekt „Virtuelles Coesfelder Urkundenbuch“, für das er Hunderte originaler mittelalterlicher Dokumente vor allem im Stadtarchiv abgeschrieben hat, ausgewählt.

Auf verschiedenen Wortkarten ist zu sehen, dass die Coesfelder Schreibformen denjenigen Münsters häufig ähneln. Einige Karten zeigen jedoch, dass Coesfeld den östlichsten Punkt eines großen westlichen Sprachareals, das seinen Schwerpunkt in den späteren Niederlanden hatte, bilden konnte.

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