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Di., 30.01.2018

Zwei Raubüberfälle nahe der Fabrik gestanden / „Das ist schon krass“ Junger Mann muss ins Gefängnis

Coesfeld/Münster. Die Urteilsverkündung und die halbstündige Begründung des Richters hört der junge Mann sichtlich betroffen, aber gefasst an. Draußen auf dem Flur des Landgerichts bricht er dann aber in Tränen aus. Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten hat die 1. Große Strafkammer den Billerbecker verurteilt – und das auch nur, weil er die ihm vorgeworfenen Taten in vollem Umfang gestanden und seiner Reue Ausdruck gegeben hat. „Sonst wären sie vermutlich um die vier Jahre Haft, die die Staatsanwältin gefordert hat, nicht herumgekommen“, wurde der Vorsitzende Richter deutlich.

Von Ulrike Deusch

Mit dem Urteil nimmt ein langwieriges Verfahren sein Ende, in dem zunächst ein anderer Mann angeklagt gewesen war und im Gefängnis gesessen hatte – auch weil der Billerbecker im Prozess gegen ihn falsch ausgesagt hatte. Falschaussage und Freiheitsberaubung addierten sich daher noch zu den zwei Fällen von schwerem Raub – in einem Fall sogar in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung – für die sich der 20-Jährige verantworten musste.

Er hat zugegeben, zusammen mit zwei Komplizen am 9. und 10. April 2016 jeweils einen Diskobesucher unweit der Fabrik überfallen und beraubt zu haben. Dabei kamen auch eine Schlagstocktaschenlampe und ein Elektroschocker zum Einsatz. Die beiden Opfer, zwei junge Männer aus Coesfeld, hatten als Zeugen ausgesagt. Sie hatten zwar keine schweren körperlichen Verletzungen davongetragen, leiden aber bis heute unter den Folgen der Überfälle.

Die Beute hatte aus zwei Handys und einem geringen zweistelligen Bargeldbetrag bestanden. Mit dem Versuch, die Handys zu verkaufen, wurden weitere Personen in den Fall verwickelt und zunächst der „falsche“ Täter angeklagt. Durch weitere polizeiliche Ermittlungen und Aussagen der Beteiligten geriet schließlich der Billerbecker als Täter in den Fokus. Das Motiv konnte im Lauf der Verhandlung nicht geklärt werden.

Die vom Gericht verhängte Strafe ist eine Jugendstrafe, sonst wäre das Strafmaß weitaus höher ausgefallen. Dass der junge Mann, der seit dem 16. Lebensjahr drogenabhängig war und aus geordneten familiären Verhältnissen ins kriminelle Milieu abrutschte, noch nicht nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden sollte, hatte ein Gutachter empfohlen. Trotzdem: „Sie haben erhebliche brutale Raubüberfälle mal eben so begangen, das ist schon krass“, stellte der Vorsitzende klar, dass er eine Freiheitsstrafe „für unerlässlich“ halte. Auch dass durch sein Verhalten ein unschuldiger Mensch drei Wochen in Untersuchungshaft habe verbringen müssen, zeige den „erheblichen Erziehungsbedarf“ bei dem Angeklagten, der derzeit in einer Suchtklinik behandelt wird. Grundsätzlich sehe er, so der Richter,den jungen Mann aber auf einem guten Weg.

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