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Do., 22.02.2018

Auch die Coesfelder SPD hat keine einheitliche Antwort / Vorsitzender Vogt: „Rühre keine Werbetrommel“ GroKo: Ja, nein, vielleicht

Auch die Coesfelder SPD hat keine einheitliche Antwort / Vorsitzender Vogt: „Rühre keine Werbetrommel“: GroKo: Ja, nein, vielleicht

Große Koalition Ja oder Nein ist die große Frage, auf die auch die Coesfelder Genossen unterschiedlich antworten. Foto: az

Coesfeld. Hermann-Josef Vogt will noch in sich gehen. „Ich entscheide mich noch, wie ich abstimme“, sagt der Vorsitzende der Coesfelder SPD.

Von Viola ter Horst

Große Koalition (GroKo) ja oder nein, das ist die Frage. Die Frage, auf die es auch in Coesfeld bei der SPD keine einheitliche Antwort gibt. Die Basis ist am Zuge. 105 Mitglieder sind in der Coesfelder SPD aufgefordert, an der Abstimmung über die Neuauflage der großen Koalition teilzunehmen. Auch Vogt hat Post bekommen. Ja oder Nein. „Ich bin hin- und hergerissen“, sagt er. Denn eigentlich ist er kein Freund davon. Nicht von Kanzlerin Merkel. „Ich“, sagt er, „habe mit ihr keinen Vertrag“. 2017, als am Abend des 24. September die Ergebnisse der Bundestagswahlen einliefen, war es Vogt, der spontan sagte: „Mit uns nicht noch einmal eine GroKo.“ Er hielt die Koalition für abgewählt von den Bürgern. Und seine Befürchtung lautete, dass es Neuwahlen geben werde.

„Schließlich das Jamaika-Projekt, aber die FDP hat das dann abgeblasen“, sagt Vogt. „Und jetzt haben wir den Salat.“ Was nun kommt? Was würde es bringen, „Nein“ zur GroKo zu sagen? Oder „Ja“? Wäre die GroKo das kleinere Übel? Oder doch das größere? „Unter den gegebenen Umständen überlege ich, ob ich nicht doch zustimme“, so Vogt. Trommeln will der Coesfelder SPD-Chef aber nicht bei den Mitgliedern für oder gegen eine GroKo. „Es soll jeder zu einer Entscheidung selber finden.“

Für Inge Walfort stellt sich die Frage nicht. Die langjährige Ratsfrau hat sofort abgestimmt, als die Unterlagen bei ihr eintrudelten. Sie zählt zu den Befürwortern der GroKo. „Für mich ist das eine klare Sache, ich halte es da mit Münte“, sagt sie und damit meint sie das berühmte Zitat vom früheren Parteivorsitzenden Franz Müntefering, der 2004 die Genossen mit drastischen Worten davor gewarnt hatte, die Regierungsfähigkeit der SPD in Frage zu stellen: „Opposition ist scheiße“ hatte er gesagt. Die Coesfelderin Walfort ist überzeugt: „In Regierungsverantwortung können unsere Politiker mehr erreichen für die sozialdemokratischen Themen und somit für die so genannte Erneuerung der SPD.“

Matthis Tasler sieht das ganz anders. Der 20-Jährige ist bei der SPD und den Jusos aktiv und hält nichts von einer GroKo. Beim Karnevalsumzug in Goxel war er als Zwerg verkleidet – um den „Zwergenaufstand“ zu proben: No GroKo, rief er allen Jecken zu. Und dafür hat er seine Gründe. „Im Koalitionsvertrag sind viele wichtige Themen nicht umfangreich genug bearbeitet“, meint er. Etwa, was Rente und Arbeitsmarktpolitik angehe. Zu viel „Kleinkram“ werde angesprochen, während größere Projekte wie die Bürgerversicherung und Umweltschutz auf der Strecke blieben. Außerdem: „Eine GroKo könnte dazu beitragen, dass extreme Kräfte weiter zunehmen“, sorgt sich Tasler.

Eine Prognose, wie die Abstimmung ausgeht? Schwer. „Es wird sicherlich knapp“, sagt Vogt. Am 2. März ist Einsendeschluss für die Mitgliederabstimmung. Danach beginnt in der SPD-Bundeszentrale die Auszählung. Dann wird es spannend: Am 4. März soll das Ergebnis verkündet werden.

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