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Di., 27.02.2018

Vorsitzende Hildegard Sonnenschein lehnt Aufnahmestopp für Ausländer ab / „Setzen auf Deeskalation“ Coesfelder Tafel hilft allen

Vorsitzende Hildegard Sonnenschein lehnt Aufnahmestopp für Ausländer ab / „Setzen auf Deeskalation“: Coesfelder Tafel hilft allen

Mit frischen Lebensmitteln werden in Coesfeld alle Tafelkunden versorgt – egal welche Nationalität sie haben. Foto: Archiv

coesfeld. Hildegard Sonnenschein, Vorsitzende der Coesfelder Tafel, findet klare Worte: „Ich kann das Verhalten der Tafel in Essen nicht nachvollziehen“, sieht sie es äußerst kritisch, dass der Vorstand dort einen vorläufigen Aufnahmestopp für Ausländer verhängt hat. Das Argument der Essener: Es gebe mit rund 75 Prozent der Tafelkunden einen zu hohen Ausländeranteil. Viele Menschen, gerade auch Senioren und Frauen, fühlten sich daher nicht mehr wohl. Oft sei die Stimmung aggressiv, auch weil das Spendenaufkommen rückläufig sei.

Von Ulrike Deusch

„Die Tafel ist eine Brücke zwischen Überfluss auf der einen und Bedarf auf der anderen Seite. Dabei selektieren wir nicht nach Herkunft oder Nationalität“, redet sie Tacheles. Die Idee der Tafel sei es, Mitmenschlichkeit und Solidarität zu leben und ihre Aufgabe, die Gesellschaft wärmer zu gestalten. Sonnenschein: „Das geht ganz sicher nicht, indem man selektiert.“ Alle Tafeln hätten bei ihrer Gründung Grundsätze unterschrieben, in denen sie sich verpflichten, unabhängig von politischen Parteien und Konfessionen zu arbeiten und „allen Menschen“ zu helfen, „die der Hilfe bedürfen“.

400 so genannte Bedarfsgemeinschaften versorgt die Coesfelder Tafel aktuell. Weil dazu auch Familie gehören, ist von rund 1100 Menschen insgesamt auszugehen, die von den Lebensmittelspenden leben.

Grundsätzlich spricht Hildegard Sonnenschein nicht von „Ausländern“, sondern von „ausländischen Mitbürgern“. Sie machen auch in Coesfeld mit rund 60 Prozent die größere Gruppe der Tafel-Kunden aus. Probleme bei der Warenausgabe sieht Sonnenschein aber nicht. Dass sich Kunden nicht immer vorbildlich verhalten und es auch schon Ärger gab, macht die Vorsitzende nicht an der Nationalität der Kunden fest. „Es gibt auch Kunden mit deutschen Pass, die sich in der Situation nicht gut integrieren.“

Kulturelle Hintergründe seien bei Menschen mit Migrationshintergrund bisweilen die Ursache dafür, dass in einer Situation Missverständnisse entstehen. „Aber alle sind lernfähig“, hat Hildegard Sonnenschein erfahren. Grundsätzlich setze das Tafel-Team auf Deeskalation.

Im Extremfall sei es auch möglich, jemandem den Tafelausweis zu entziehen. „Ich habe es aber auch schon erlebt, dass Menschen sich entschuldigt haben, wenn wir sie darauf hingewiesen haben, dass ihr Verhalten unpassend ist“, berichtet Sonnenschein.

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