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So., 04.03.2018

Coesfeld Biegsame Körper mit Witz und Humor

Coesfeld: Biegsame Körper mit Witz und Humor

Mit Leichtigkeit und zugleich hochkonzentriert zeigten die Artisten ihre Kunststücke. Foto: az

Coesfeld. Keine Schau von athletischen Muskelprotzen, keine Kartentricks oder Zaubereien aus dem schwarzen Zylinder prägten die Show „Hongkong Hotel“ mit Athleten des Chinesischen Nationalzirkus im Bürgersaal in Coesfeld. Stattdessen dominierten Eleganz, biegsame Körper, tänzerische Leichtigkeit, Witz und Humor, kommentiert von der Stimme des künstlerischen Leiters Raoul Schoregge.

Von Elvira Meisel-Kemper

Alles drehte sich um Hongkong, dass mal von den Portugiesen, dann wieder von den Briten in Besitz genommen wurde. „Am 1. Juni 1997 erhielt Hongkong den Status ´Special Administrative Region Chinas´. Immer wieder wird die Stadt überschwemmt von Millionen von Flüchtlingen. Menschen kommen, Menschen gehen, wie in einem Hotel“, führte Schoregge als Off-Stimme ein.

Dazu passten das Bühnenbild europäischer Prachtbauten und die Musik europäischer Komponisten, die Live am Klavier von Oleksandr Semenchenko gespielt wurde, kombiniert mit der traditionellen Artistenkunst chinesischer Akrobaten. „Vor 30 Jahren habe ich zum ersten Mal eine Show mit dem Chinesischen Nationalzirkus auf dieser Bühne aufführen können. Seitdem sind wir damit weltweit unterwegs“, freute sich der gebürtige Gescheraner Schoregge vor Beginn der Veranstaltung, die leider nur zu zwei Drittel ausverkauft war.

Zehn Artisten schlüpften anfangs in die Rollen der Hotelangestellten. Mal witzig, dann wieder hochkonzentriert zeigten sie ihre Kunststücke.

Wenn eine junge Frau lässig an einem Apfel kaute und trotzdem ihren Körper so formen konnte, dass die Füße den Mund berührten, zeugte das von einer atemberaubend, früh antrainierten Biegsamkeit ihres Körpers. Manchmal wurde der fernöstliche Charme der Damen auch ins Publikum getragen, wenn sie mit ihren überlangen Wimpern einen Besucher in der ersten Reihe anflirteten und ihm eine abgeknickte Rose reichten.

Mucksmäuschenstill wurde es im Saal, als einer der Akrobaten immer mehr rot lackierte Bänke ineinander steckte zu einer Form, die im Schattenbild dem chinesischen Drachen sehr nahe kam. Danach stemmte er dieses Konstrukt hoch und balancierte es letztlich freihändig auf dem Kopf. Ähnlich leise war es im Saal, als derselbe Artist mit einem weiteren Artisten mächtige, bemalte Porzellantöpfe nur durch die Bewegung des Oberkörper vom seinem Rücken auf den oberen Rücken des Partners fliegen ließ. Ihre Hände brauchten beide Artisten auch dazu nicht.

Zauberhaft war die Tanzeinlage eines kräftigen Mannes mit seiner zierlichen Partnerin. Der Spitzentanz der jungen Frau endete auf den Schultern des Mannes und letztlich auch auf seinem Kopf.

Der witzige Streit zweier Akrobaten um einen Bissen von einem Baguette lockerte dafür wieder die Gemüter der Zuschauer, die sich letztlich mit stehenden Ovationen bedankten. „Vielseitigkeit und Offenheit“ - so lautete Schoregges Stimme zum Abschied - kennzeichneten nicht umsonst diese Show als Spiegel der Geschichte Hongkongs.

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