So., 11.05.2014

Bäume entwurzelt und Betonbrücke zerstört / Keine Gebäudeschäden / Christel Roß: „Nochmal Glück gehabt!“ Fallwinde oder Tornado in Stockum?

Coesfeld. Bäume liegen wie Streichhölzer kreuz und quer übereinander vor der Haustür von Familie Roß. Die Betonbrücke über den angrenzenden Bach – durchgebrochen, als wäre sie ein Bierdeckel. Ein schwerer Sturm hat am Freitagabend in der Bauerschaft Stockum punktuell für Verwüstung gesorgt. Ob es sich dabei um einen Tornado oder um sogenannte Fallwinde handelt, muss der Deutsche Wetterdienst noch klären.

Von Florian Schütte

„Ich wohne seit 40 Jahren hier, aber das habe ich noch nicht erlebt“, sagt Christel Roß mit Blick auf die Buche, die samt Wurzeln aus dem Boden gerissen wurde – direkt im Wäldchen vor ihrer Haustür. „Wir haben ja wirklich noch Glück gehabt“, ist Roß erleichtert. „20 Meter weiter und es hätte unser Haus getroffen.“ Gebäudeschäden habe es somit nicht gegeben. Roß’ Enkelin Maja Uphues staunt: „Das sieht lustig aus, aber irgendwie auch schlimm“, meint das Mädchen über die Schneise der Verwüstung.

Für Angst sei jedoch keine Zeit gewesen. „Auf einmal wurde es dunkel und fing an zu hageln und ehe wir’s genau gemerkt haben, was da vor sich ging, war es auch schon wieder vorbei“, beschreibt Christel Roß den Moment, als der Sturm innerhalb einer Minute an ihrem Grundstück vorbeifegte. „Dann meinte mein Mann Ludger schon: ,Das musst du dir ansehen!’“, erzählt Roß. Einen Rüssel wie bei einem Tornado habe sie jedoch nicht gesehen.

Hinter einem Bach befindet sich ein Löschteich. Die kleine Betonbrücke, die dort herführt, hat der Sturm einfach durchgebrochen. Es scheint jedoch, als habe er alle wichtigen Gebäude verschont. Lediglich eine alte Hundehütte wurde von einer umgestürzte Fichte getroffen. Hinterm Hühnerstall liegt noch ein Pflaumenbaum. Am Hühnerstall selbst: kein Kratzer. „Das kann man gar nicht verstehen“, meint Christel Roß immer noch verdutzt. Noch am Freitagabend musste die Feuerwehr wenige Meter weiter eine dicke Eiche von der Straße entfernen.

„Was da genau passiert ist, können wir nicht sagen, wir haben nur die Ergebnisse beseitigt“, sagt Michael Trachternach von der Freiwilligen Feuerwehr Coesfeld auf Anfrage unserer Zeitung. Der Deutsche Wetterdienst bestätigt hingegen, dass es sich bei solch punktuellen Verwüstungen entweder um einen Tornado oder um Fallwinde gehandelt habe, wie Meteorologe Simon Trippler erklärt. „Letztere sind sogar wahrscheinlicher, da in unserer Datenbank der Wetterphänomene noch keine Windhose für Coesfeld verzeichnet wurde.“

Die Verwüstung wurde vor allem auf dem Grundstück von Johannes Schulenkorf angerichtet, der sich den Schaden schon angeschaut hat. „Man denkt, so etwas passiert nur in den USA“, sagt der Holtwicker, der auch sofort an den Sturm Kyrill dachte. Den Schaden durch den zerstörten Baumbestand könne er noch nicht beziffern. Nun beginnen ab Montag erst einmal die Aufräumarbeiten.

Auch in Gescher hat eine Windhose am Freitagabend am Mühlenweg in Höhe des Freibads für Verwüstung gesorgt. Anwohner hätten das Phänomen beobachtet. | Bericht Gescher
| weiterer Bericht folgt

Google-Anzeigen

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2441094?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947601%2F