Mo., 19.01.2015

Vortrag: „Krebs und Angst -Wege mit Ängsten zu leben“ Über Ängste sprechen

Coesfeld. Am Mittwoch (21.1.) um 19 Uhr findet der erste kostenfreie Vortrag im Rahmen des „Gesundheitsforum Coesfeld“ im neuen Jahr zum Thema: „Krebs und Angst - Wege mit Ängsten zu leben“ von Claudia Holt-Greiwe in der Familienbildungsstätte am Marienring statt. Angst ist eine häufige und oft „normale“ Reaktion auf eine Krebsdiagnose. Viele Betroffene erleben Ängste als eine belastende psychische Begleiterscheinung einer Krebserkrankung. Konkrete Verhaltensregeln für bestimmte Situationen können sehr hilfreich sein, um den Alltag auch mit Unsicherheiten und Ängsten gut leben zu können. In ihrem Vortrag möchte die Psychoonkologin und Mitarbeiterin der Krebsberatungsstelle Münster, Claudia Holt-Greiwe Anregungen und Strategien vermitteln, mehr Zuversicht und Vertrauen im Lebensalltag aufzubauen. Zum Thema „Krebs und Angst“ führte AZ-Redaktionsmitglied Thomas Lanfer mit Claudia Holt-Greiwe folgendes Interview:

Von Allgemeine Zeitung

Frau Holt-Greiwe, was sind neben der unmittelbaren Betroffenheit die häufigsten Reaktionen von Patienten auf die Diagnose „Krebs“?

Claudia Holt-Greiwe: Viele Betroffene und Angehörige haben durch die Krebsdiagnose das Gefühl, dass ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Von heute auf morgen ist das Leben anders und der Alltag muss neu organisiert werden. Ängste und Unsicherheiten z.B. vor den Therapien und deren Auswirkungen werden als sehr belastend erlebt.

Gibt es Unterschiede in den Reaktionen von Männern und Frauen?

Claudia Holt-Greiwe: Es gibt schon unterschiedliche Verarbeitungsmuster. Viele Frauen haben das Bedürfnis, über ihre Krankheit und ihr Erleben zu sprechen und erfahren darin eine Entlastung. Männer kommunizieren ihre seelische Belastung seltener und neigen eher zu einem „pragmatischen“ Umgang mit der Erkrankung. Sie haben eher das Bedürfnis, Dinge praktisch zu regeln.

Die Diagnose Krebs ist für viele Menschen gleichbedeutend mit einem Todesurteil. Können Sie die Betroffenen zumindest teilweise mit empirischen Daten beruhigen?

Claudia Holt-Greiwe: Für viele Krebserkrankungen haben sich die Heilungschancen in den letzten Jahren deutlich verbessert. So gibt es immer mehr Krebsbetroffene, die geheilt werden können und immer mehr Menschen, die lange mit einer Erkrankung leben. Die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den letzten dreißig Jahren enorm verbessert.

Krebstherapien mit ihren bisweilen schweren Nebenwirkungen sind ein Schreckgespenst für die Patienten. Wie können Sie helfen, die Menschen darauf vorzubereiten?

Claudia Holt-Greiwe: Im Gespräch konkretisieren wir zunächst mit den Ratsuchenden die Ängste um zu verstehen, wovor jemand Angst hat. Das ist die Grundlage, um Lösungsschritte zu entwickeln. Es kann z.B. sein, dass jemand zu wenig informiert ist bzgl. Nebenwirkungen. Dann ermutigen wir dazu, mit dem behandelnden Arzt zu sprechen um Informationen einzuholen und zu fragen, wer bei Problemen während und nach einer Therapie Ansprechpartner ist. Wichtig kann auch sein, dass Angehörige oder Freunde während oder nach einer Chemotherapie bei den Betroffenen bleiben und sie nicht allein sind. Bei Ängsten vor der ersten Chemotherapie z.B. kann ein Besuch einer Therapiesituation hilfreich sein.

Auch die Menschen im weiteren Umfeld einer Krebserkrankung - Verwandte, Freunde, Arbeitskollegen des Patienten - leiden. Haben Sie auch für diese Ratschläge zum Umgang mit ihren Belastungen?

Claudia Holt-Greiwe: Nahe Angehörige sind genauso betroffen von einer Krebsdiagnose. Sie haben z.B. auch Angst, sind traurig, fühlen sich möglicherweise überfordert oder überlastet. Wichtig ist für sie, die eigenen Belastungen ernst zu nehmen und anzuerkennen. Für sie gilt es wie für die Betroffenen herauszufinden, was gut tun oder unterstützen könnte. Das können Gespräche mit nahestehenden Menschen sein, professionelle Hilfe wie z.B. Beratung, praktische Hilfen zu organisieren, Aufgaben zu delegieren etc. … . Freunde, Arbeitskollegen und Bekannte sind häufig verunsichert und wissen nicht, wie sie mit dem kranken Menschen umgehen sollen. Dann kann es helfen, genau diese Unsicherheit anzusprechen.

Wie sieht psycho-onkologische Hilfe bei Ängsten nach einer Krebsdiagnose konkret aus: ist dafür eine dauerhafte Begleitung notwendig oder erfolgt die Betreuung punktuell und kann ein Patient bei akuten Angstzuständen kurzfristig Hilfe anfordern?

Claudia Holt-Greiwe: In der Beratung erhalten die Ratsuchenden die Möglichkeit, über Ängste zu sprechen oder sie zu zeigen, was häufig schon eine wichtige Entlastung bedeutet. Sie erfahren, dass Ängste „normal“ sind und eine angemessene Reaktion auf eine Krebserkrankung sind. Auch diese Information erleichtert. Strategien, die angstreduzierend wirken sind z.B. Gespräche darüber, aber auch, zeitweise Abstand dazu zu suchen und sich ablenken. Entspannung, Visualisierung, mentale Übungen, Bewegung u.v.m. können auch sehr hilfreich sein. Wir unterstützen und begleiten unsere Ratsuchenden dabei, ihren ganz eigenen Weg im Umgang mit ihrer Angst zu finden.

Wann sind Ängste krankhaft und welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es dann?

Claudia Holt-Greiwe: Angststörungen können sich auch aus „normalen“ Ängsten, die als Reaktion auf die Krebserkrankung auftreten, entwickeln. Anzeichen können z.B. sein, wenn Ängste sich verselbständigen und dauerhaft sind oder immer wiederkehrende Panikattacken auftreten. Dann ist psychotherapeutische Hilfe notwendig und ggf. auch eine medikamentöse Therapie sinnvoll und hilfreich. | www.gesundheitsforum-coesfeld.de

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