Mo., 14.09.2015

Gesundheitsforum: Frauenärztin Dr. Ina Wagner hält Mittwoch (16. 9.) Vortrag über Wechseljahre Ausdauersport lindert Beschwerden

Gesundheitsforum: Frauenärztin Dr. Ina Wagner hält Mittwoch (16. 9.) Vortrag über Wechseljahre : Ausdauersport lindert Beschwerden

Dr. Ina Wagner ist Fachärztin für Frauenheilkunde Foto: az

Coesfeld. Das „Gesundheitsforum Coesfeld“ lädt am Mittwoch (16. 9.) zu einem Vortrag zum Thema „Wechseljahre – na und?“ mit Dr. Ina Wagner, Fachärztin für Frauenheilkunde, niedergelassene Ärztin in Coesfeld, ein. Beginn ist um 19 Uhr in der Familienbildungsstätte am Marienring in Coesfeld. Die Veranstaltung ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. AZ-Redaktionsmitglied Manuela Reher hat vorab mit Dr. Ina Wagner über das Thema Wechseljahre gesprochen.

Von Allgemeine Zeitung

Wann setzen die Wechseljahre ein?

Dr. Ina Wagner: Die Wechseljahre sind eine Periode im Leben einer Frau, die sich in drei Abschnitte (Prämenopause, Menopause und Postmenopause) unterteilen lässt. Die Wahrnehmung dieser Lebensphase, die ungefähr mit Mitte 40 beginnt, ist aber individuell sehr unterschiedlich.

Welche Beschwerden gehen mit dem sogenannten Klimakterium einher?

Dr. Ina Wagner: Genauso wie sich der Beginn der Wechseljahre auf individuelle Weise bemerkbar macht, kann auch ihr weiterer Verlauf mit den verschiedenen Beschwerden ganz unterschiedlich sein. Viele Frauen machen eine „hormonelle Achterbahnfahrt“ durch mit Zeichen eines Östrogenmangels wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Hitzewallungen und Zyklusstörungen. Dann wiederum treten Zeichen einer Östrogendominanz wie Brustspannen oder Wassereinlagerungen auf. Zyklusstörungen mit starken und langen Blutungen, häufigeren Blutungen aber auch aussetzenden Blutungen begleiten diese Phase. Nach der letzten spontanen Menstuation, welche als „Menopause“ bezeichnet wird, hören die Hormonschwankungen auf, und es tritt ein dauerhafter Östrogenmangel ein. Weitere Begleiterscheinungen wie Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Harninkontinenz und Hauttrockenheit können sich anschließen. Langfristig sind ein Anstieg von Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, degenerative Veränderungen des Skelettsystems, Rückgang des Muskelgewebes und eine Osteoporose möglich. Als besonders belastend empfinden viele Frauen eine Gewichtszunahme und eine sexuelle Lustlosigkeit.

Welche Möglichkeiten gibt es, die Symptome zu lindern?

Dr. Ina Wagner: Hormone in Tablettenform waren bis 2002 die gängigste Form, die meisten Beschwerden zu lindern. Nach Veröffentlichung der sog. WHI-Studie hörte die unkritische Verschreibung von Hormonen abrupt auf, da in der Gruppe der Frauen, die Hormone (Östrogene und Gestagene) nahmen, 26 Prozent mehr Brustkrebsfälle als in der Vergleichsgruppe auftraten. Ebenso stellte man ungünstige Effekte für das Herz, eine Zunahme von Lungenembolien und Thrombosen, sowie auch ein Anstieg bei Schlaganfällen, fest. Die Studie weist einige Kritikpunkte auf, wie man heute weiß, dennoch hat sie zu einem notwendigen Umdenken geführt. Pflanzliche Präparate wie Traubensilberkerzenextrakt, Mönchspfeffer, Rotklee oder Rhabarberwurzel werden heute vor einer individuell angepassten Hormontherapie empfohlen und zeigen gute Erfolge. Eine ausgewogene gesunde Ernährung sowie Ausdauersport und Krafttraining tragen zu einer Linderung der Beschwerden bei.

Wie sinnvoll ist die Einnahme von Hormonen?

Dr. Ina Wagner: Heute wird die Verschreibung von Hormonen vom subjektiven Leidensdruck der Frau abhängig gemacht. Hierbei wird sehr intensiv auf eventuelle Risikofaktoren geachtet, die einer Hormongabe entgegenstehen. Beispielsweise eine durchgemachte Brustkrebserkrankung oder eine bereits erlittene Thrombose/ Embolie oder eine Herzkreislauferkrankung. Außerdem stehen heute Hormone in bioidentischer, natürlicher Form zur Verfügung, die nicht synthetisch hergestellt werden und im Körper einer Frau natürlicherweise vorkommen. Auch die Einnahme in Tablettenform wird immer mehr durch die Gabe von Cremes/ Gels oder Zäpfchen abgelöst.

Sind die Wechseljahre immer noch ein Tabu-Thema?

Dr. Ina Wagner: Die Generation meiner Großmutter hat sicherlich viele Dinge wie zum Beispiel auch die Harninkontinenz nicht thematisiert. Heute geht man mit diesen Themen weitaus offener um, aber auch, weil die Lebensumstände es zulassen.

Wird die Anfälligkeit für Beschwerden von der Mutter auf die Tochter vererbt?

Dr. Ina Wagner: Der Beginn der Wechseljahre ist laut Studie zu 40 bis 85 Prozent genetisch bestimmt. Häufig zieht sich das Symptom frühe oder späte Wechseljahre wie ein roter Faden durch die Generationen einer Familie. Die Ausprägung der Beschwerden scheint aber durch andere Faktoren genauso beeinflusst zu werden. Andere Erkrankungen, private oder berufliche Probleme, Lebensumstände, Erwartungen und kulturelle Traditionen spielen hier eine große Rolle.

Welchen Einfluss hat die Lebenssituation auf den Verlauf der Beschwerden? Gibt es Wechselwirkungen?

Dr. Ina Wagner: Die Lebensumstände einer Frau spielen eine wichtige Rolle für die Ausprägung der Beschwerdesymptomatik und dessen Verlauf. In Untersuchungen der FU Berlin wurde 1996 festgestellt, dass Frauen, die mit ihrer Lebenssituation und ihrer Tätigkeit zufrieden sind, weniger durch „die Wechseljahre“ beeinträchtigt sind.

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