Di., 22.01.2013

Auftaktveranstaltung zur MRSA-Problematik am Mittwoch (23. 1.) um 19 Uhr im WBK Gesundheitsforum startet

Coesfeld. Gesundheit ist das höchste Gut, da wundert es kaum, dass diesem Themenkreis stets große Aufmerksamkeit gewidmet wird. Im „Gesundheitsforum Coesfeld“ haben sich überaus kompetente Partner zusammen gefunden, um ab morgen in loser Folge bis November 2013 über interessante Themen zu informieren.

Von Allgemeine Zeitung

Mitglieder des Gesundheitsforums sind der Coesfelder Ärztering, die Apotheker der Stadt Coesfeld, die Zahnärzte Coesfelds, die Christophorus-Kliniken, die Familienbildungsstätte, die Volkshochschule, die Sparkasse Westmünsterland und die Allgemeine Zeitung. Am morgigen Mittwoch (23.1.) lädt das Gesundheitsforum um 19 Uhr in das WBK-Forum an der Osterwicker Straße 29, wo Informationen zum Thema „Problemkeim MRSA“ auf der Tagesordnung stehen. MRSA, diese Abkürzung taucht immer öfter in den Medien auf und verbreitet vielfach Angst oder zumindest Unbehagen. Hierzu trägt gelegentliche Panikmache bei, aber auch ein diffuses Bild der Problematik rund um Infektionen, die mit den gängigen Antibiotika nicht oder nur unzureichend behandelbar sind.

AZ- Redaktionsmitglied Thomas Lanfer sprach zu diesem Thema mit dem Coesfelder Arzt Dr. Andreas Nemec, der mit seinen Medizinerkollegen Frank Mader und Dr. Volker Günnewig den ersten Vortragsabend des Coesfelder Gesundheitsforums bestreitet.

q Informationen und Termine finden Sie im Internet unter der Adresse

www.gesundheitsforum-coesfeld.de

Herr Dr. Nemec, MRSA hat mittlerweile Schlagwortcharakter mit einem hohen Unschärfefaktor. Was genau ist MRSA?

Dr. Nemec: MRSA steht für Methicilin-Resistenter Staphlococcus Aureus, für einen Keim der Bakterien-Gruppe Staphylococcus Aureus, der auf gängige Antibiotika resistent ist. Kommt es zu Infektionen mit dem Keim, dann kann man diese oft schlecht behandeln, weshalb man auch von einem so genannten Problem-Keim spricht.

Was sind die Ursachen für diese Resistenzen und wie kann man sie verhindern?

Dr. Nemec: Der Hauptgrund für die Resistenz-Entwicklung war und ist ein zu unkritischer Umgang mit Antibiotika, z.B. bei Patienten mit banalen Infekten, die in der Regel durch Viren ausgelöst werden und keinen Grund für eine Antibiotikatherapie darstellen. Durch den Einsatz der Antibiotika kommt es zu einem so genannten Selektionsdruck, das heißt nach der Antibiotikatherapie überleben einige wenige Bakterien, die dann gegen das Antibiotikum resistent- also widerstandsfähig- geworden sind. Daraus ist dann der MRSA entstanden, der erstmals in den 1960er bis 1990er und ab 2007 in ansteigender Zahl in den Krankenhäusern auftrat.

Kommen diese „Krankenhaus-Keime“ nur in Krankenhäusern vor?

Dr. Nemec: Nein, in den letzten Jahren treten vermehrt MRSA-Untergruppen auf, die sich gehäuft in häuslichen Gemeinschaften ausbreiten und dort zu wiederholten Wundinfektionen führen. Eine weitere betroffene Gruppe stellen auch Landwirte insbesondere mit Masttierhaltung dar, die eine Sonderform der MRSA tragen können. Wird der Keim von den Tieren übertragen, können die Landwirte diesen weitergeben.

Gibt es für Infektionen mit den betreffenden Staphylococcen spezielle Risikogruppen?

Dr. Nemec: Im Grunde genommen können viele von uns MRSA-Träger sein, ohne an dem Keim zu erkranken. Es gibt aber spezielle Risikogruppen, die gehäuft MRSA-keime tragen und daran erkranken: Patienten, die einen Krankenhausaufenthalt von über vier Tagen hatten oder unter chronisch offenen Wunden leiden. Bei diesen Patienten werden vermehrt MRSA-Fälle entdeckt, insbesondere dann, wenn sie in der Vergangenheit zahlreiche Antibiotika erhalten haben.

In den benachbarten Niederlanden beträgt die MRSA-Häufigkeit nur ca. 20% der Fälle in Deutschland. Welche Gründe sehen Sie für diese Differenz?

Dr. Nemec: Die niedrige Zahl in den Niederlanden hat u.a. zwei Gründe: erstens werden bei unseren Nachbarn weniger Antibiotika in den Krankenhäusern eingesetzt, und wenn, dann nur von speziell dafür ausgebildeten Ärzten, so genannten Infektiologen. Zweitens wird jeder in ein Krankenhaus zur Therapie aufgenommene Patient sofort isoliert, d.h. unter Quarantäne gestellt bis das Screening auf MRSA negativ ausfällt. Das ist bei einer kleineren Bevölkerungszahl und weniger Krankenhäusern besser möglich als beispielsweise in Deutschland, Frankreich oder Großbritannien, die über erhebliche MRSA-Zuwächse klagen.

Wie kann man sich persönlich vor einer MRSA-Infektion schützen?

Dr. Nemec: Der beste Schutz ist zugleich der einfachste: regelmäßiges Händewaschen bzw. die Händedesinfektion. Letztere ist oberste Regel, sowohl im Krankenhaus als auch in der Arztpraxis. Wenn man als Angehöriger Kontakt zu einem MRSA-Patienten hat, sind allgemeine Hygienemaßnahmen wie die Händedesinfektion ausreichend. Mundschutz oder Schutz-Kittel sind unnötig, ja sogar entwürdigend, da sie den Patienten ausgrenzen würden.

Ist in der näheren Zukunft mit der Entwicklung neuer Medikament zu rechnen?

Dr. Nemec: Es gibt bereits einige neue spezielle Antibiotika. Aber diese sind meist sehr kostspielig und MRSA wird gegen diese irgendwann auch resistent. Daher hat Prävention die oberste Priorität-rational und vor allem ohne Panikmache.

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