Mo., 31.03.2014

Nahrungsmittelallergien: Dr. Ralf Ulrich Steimann und Dr. Stephan Barrmeyer referieren 20 bis 30 Prozent betroffen

Coesfeld. Nahrungsmittelunverträglichkeiten beeinträchtigen mehr als ein Fünftel der Bevölkerung In Deutschland. Bei einem Viertel der betroffenen Kinder und einem Zehntel der betroffenen Erwachsenen basiert die Unverträglichkeit auf einer Nahrungsmittelallergie. Sie ist als immunologische Krankheit definiert und geht in der Hälfte der Fälle mit Beschwerden aus dem Magen-Darm-Trakt einher. Am Mittwoch, 2. April referieren Dr. Ralf Ulrich Steimann von den Christophorus-Kliniken Kliniken sowie der Apotheker Dr. Stephan Barrmeyer zu diesen Themen. Während Chefarzt Dr. Steimann über Nahrungsmittelunverträglichkeiten, -intoleranzen und -allergien spricht, geht Dr. Barrmeyer auf Gesundheitsgefährdungen durch natürliche Inhaltsstoffe, Zusätze und Inhaltsstoffe, die deklariert werden müssen, ein.

Von Allgemeine Zeitung

Der Vortrag der beiden beginnt um 19 Uhr in den Christophorus-Kliniken am Standort Coesfeld. Veranstaltungsort ist der Vortragsraum im Gebäudeteil E, er ist ausgeschildert. Der Vortrag ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht nötig. Weitere Informationen unter 02541/89-14030. AZ-Redaktionsmitglied Thomas Lanfer führte mit Dr. Steimann und Dr. Barrmeyer folgendes Interview.

Herr Dr. Steimann, Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben in den vergangenen Jahren auffällig stark zugenommen. Wie stellt sich die Problematik empirisch auf einer Zeitachse in den letzten Jahren dar?

Dr.Steimann: Nahrungsmittelunverträglichkeiten werden heute von ca. 20-30% der Bevölkerung angegeben. Echte immunologisch vermittelte Allergien sind dabei vergleichbar einer Penicillin -oder Wespenstichallergie eher selten. Entsprechend beträgt die Häufigkeit der echten Nahrungsmittelallergie heutzutage bei Kindern 3-8% und bei Teenagern und Erwachsenen 1-3%. Die Häufigkeit der auf einer Getreideeiweißunverträglichkeit beruhenden Zöliakie ist aktuell einer von 200 Menschen in Deutschland mit ganz unterschiedlichen Ausprägungen. Über die zeitliche Entwicklung in den letzten Jahrzehnten sind konkrete Zahlenangaben schwierig. Als Beispiel möchte ich jedoch die allergische eosinophile Speisenröhrenentzündung anführen, die mit Schluckbeschwerden , Steckenbleiben von Nahrungsmitteln , Sodbrennen und Schmerzen hinter dem Brustbein einhergehen kann. Diese Krankheit war vor 20 Jahren nahezu unbekannt und wird jetzt bei einem von 2500 Menschen in Westeuropa diagnostiziert.

Herr Dr. Barrmeyer, kann man parallel dazu eine zunehmende Verwendung von Hilfs- und Zusatzstoffen beobachten?

Dr.Barrmeyer: Ja, das kann man durchaus sagen. Durch die zunehmende Verwendung von Convenience- und Fertigprodukten lässt sich auch eine ansteigende Verwendung von Hilfs- und Zusatzstoffen beobachten

Herr Dr. Steimann, welche Erscheinungsformen und welche Symptomatik beobachtet der Mediziner bei solchen immunologischen Krankheitsbildern?

Dr.Steimann: Die Symptome sind sehr variabel. Häufig sind beim Erwachsenen Juckreiz vor allem beginnend in der Mundhöhle schon wenige Minuten nach der Nahrunsgaufnahme , Hautrötungen, Quaddelbildungen,, Lippen/Zungen/Gaumen/Kehlkopfschwellungen,Tränenfluß und Asthma. Im schlimmsten Falle kann sich sogar innerhalb von Minuten ein allergischer Schock mit Blutdruckabfall,Herzrasen und Bewußtlosigkeit ausbilden. Eine andere Manifestationsform betrifft überwiegend den Verdauungstrakt selbst mit Auftreten von Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Blähungen und Durchfall. Bei Kindern sind Durchfälle oder ein Aufflammen einer atopischen Dermatitis (Neurodermitis) mögliche Symptome einer Nahrungsmittelallergie.

Herr Dr. Barrmeyer, zu welchen Stoffgruppen gehören die Nahrungsmittelzusätze und welche Funktionen sollen sie erfüllen?

Dr.Barrmeyer: Die Nahrungsmittelzusätze gehören unterschiedlichen Stoffgruppen an, die ich im Vortrag näher erläutere. Man kann man unter bestimmten Bedingungen teilweise durchaus auf sie verzichten.

Herr Dr. Steimann, ist die Vermeidung bestimmter Nahrungsmittel die einzige Gegenstrategie oder gibt es Therapieformen und Medikamente gegen die betreffenden allergischen Reaktionen?

Dr.Steimann: Die einzige etablierte Therapie der Nahrungsmittelallergien ist die Eliminationsdiät, das heißt das konsequente Meiden der auslösenden Nahrungsmittel. Dies ist allerdings angesichts der industriellen Fertigung von Lebensmitteln gar nicht so einfach. Daher kommen auch Medikamente wie Cromoglycinsäure; Antihistaminika , Montelukast und eventuell auch Cortisonpräparate (Predisolon,Budesonid) zum Einsatz. Auch Bauchspeichdrüsenenzyme werden zur besseren Aufspaltung der Nahrungsmittelallergene im Magen-Darm-Trakt angwendet. Eine orale Desensibilisierung kommt insbesondere bei Kreuzallergien zu diversen Pollen in Betracht. In schweren Fällen der Nahrungsmittelallergie, die mit Atemnot oder einem Schock verlaufen sind, muß der Patient ein Notfalltherapieset bereithalten. Die Rolle von Probiotika ist derzeit noch unklar.

Herr Dr. Barrmeyer, welche Rolle kann die Homöopathie in diesem Zusammenhang spielen?

Dr.Barrmeyer: Die Homöopathie kann als „Add On“ zur schulmedizinischen Therapie ergänzend gute Dienste leisten.

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