Mo., 11.03.2013

Vortrag zur Augengesundheit morgen um 19 Uhr im WBK / Dr. Terlinde und Dr. Mersmann im Interview Therapieformen enorm weiterentwickelt

Coesfeld. Sie erfreuen sich großer Beliebtheit, die Vorträge des „Gesundheitsforums Coesfeld“. Die bisherigen Themen „Problemkeim MRSA“ und „Behandlung von Gebärmutter-Erkrankungen“ fanden ein ebenso großes wie interessiertes Publikum, das dank der kompetenten Referenten der Coesfelder Ärzteschaft umfassende Informationen und Antworten auf Fragen zu den wichtigsten Aspekten der Themenkreise erhielt.

Von Allgemeine Zeitung

Am Mittwoch (13. 3.) ist die Volkshochschule VHS Gastgeber der nächsten Vortragsveranstaltung des Gesundheitsforums Coesfeld. „Gute Aussicht für Ihre Augen“ ist das Thema, wenn ab 19 Uhr die Augenärzte Dr. Reinhard Terlinde und Dr. Heribert Mersmann im WBK-Forum an der Osterwicker Straße über die häufigsten Augenerkrankungen im Alter informieren. AZ-Redaktionsmitglied Thomas Lanfer sprach mit Dr. Terlinde und Dr. Mersmann über Augenerkrankungen bei älteren Menschen.

Welche Augenkrankheiten treten am häufigsten bei älteren Menschen auf ?

Dr. Terlinde: Man kann als zahlenmäßig häufigste Volkskrankheiten der Augen den grauen Star (Cataract), den grünen Star (Glaucom), die diabetischen Augenerkrankungen sowie die altersabhängige Maculadegeneration (AMD) nennen. Hier gibt es einen engen Zusammenhang mit dem Lebensalter gibt. Die demographische Entwicklung unser Gesellschaft führt somit zwangsläufig zum erhöhten Auftreten all dieser Krankheitsbilder. Aufgrund Ihrer Verbreitung und Ihrer Auswirkungen wie Behandlungskosten, frühzeitige Verrentung, Arbeitsunfähigkeit etc. fallen Sie zunehmend auch sozial ins Gewicht.

Welche subjektiven Symptome können auf welche Erkrankung hinweisen?

Dr. Mersmann: Vor jeder genauen Untersuchung steht die gezielte Befragung nach Art der Beschwerden. Während der Graue Star als die häufigste Erkrankung mit Sehminderung als Leitsymptom die vermehrte Blendempfindlichkeit hat, fallen bei der Makulopathie neben der Sehschwäche anfangs besonders die verzerrten Seheindrücke auf. Beim Diabetes mellitus treten bei starken Zuckerschwankungen plötzliche Sehstörungen auf, die nach Normalisierung des Zuckerspiegels verschwinden und in der Regel keine nachhaltigen Schäden verursachen. Erst nach längerer Erkrankung treten irreparable organische Schäden der Netzhaut mit Sehminderung auf. Der Grüne Star ist deswegen so gefährlich, weil er zunächst überhaupt keine Beschwerden macht und erst im fortgeschrittenen Stadium Schattenbilder erzeugt, die zu völliger Dunkelheit fuhren können.

Welche Auswirkung hat eine Diabetes-Erkrankung auf die Augengesundheit ?

Dr. Mersmann: Bekanntermaßen ist der Diabetes mellitus eine Stoffwechselerkrankung, die viele Organe des Körpers erfasst. Eine der schwerwiegensten Prozesse spielt sich an der Netzhaut des Auges ab, wo infolge eines Gefäßschadens schwere Blutungen und Bindegewebsbildung mit Erblindung eintreten können, die statistisch die zweithäufigste Form der Neuerblindungen darstellen. Zusätzlich gibt es zahlreiche krankhafte Veränderungen wie Grauer Star, Grüner Star, chronische Bindehaut- und Lidrandentzündung, gestörte Tränenfilmbildung, Augenmuskelstörungen mit Doppelbildern, Schwankungen der Brechkraft des Auges mit plötzlichen Sehstörungen bei unterschiedlichen Blutzuckerspiegeln.

Welche Diagnosemöglichkeiten hat die moderne Augenmedizin heute?

Dr. Terlinde: Im Vordergrund stehen heute bildgebende Verfahren, deren Anwendung für den Patienten in der Regel weder mit Risken noch mit anderen Unannehmlichkeiten verbunden sind, die aber sehr wohl klare, aussagekräftige Befunde liefern, auf deren Basis eine präzise Diagnosestellung, eine Überprüfung der Wirksamkeit von Behandlungen sowie eine Verlaufskontrolle bei chronischen Krankheitsbildern ist. Durch die Kombination von Optik, Elektronik und PC-Software stehen leistungsfähige Werkzeuge zur Verfügung. Für die Netzhautdiagnostik und -behandlung gibt es das das OCT, für die Sehnervendiagnostik bei grünem Star das HRT und für die Planung der Operation des grauen Stars die lasergestützte optische Biometrie. Mit diesen Hilfsmitteln ist es möglich in gesundes und krankes Gewebe hineinzusehen, das Ausmaß von Veränderungen zu erfassen, Heilverläufe unter einer Behandlung zum Beispiel bei einer Maculaerkrankung zu dokumentieren und langzeitig zum Beispiel beim Glaucom die Wirksamkeit der Therapie durch die vergleichende Darstellung des Sehnervenbefundes über Jahre sicherzustellen.

Früherkennung ist ein zentrales Thema bei altersbedingten Augenerkrankungen. Zu welchen Maßnahmen ab welchem Alter raten Sie?

Dr. Mersmann: Während der Grüne Star im Rahmen der freiwilligen Vorsorgeuntersuchung ab dem 40. Lj. Alle 1-2 Jahre untersucht werden sollte, wird beim Diabetes ab Diagnosestellung etwa 1 Mal jährlich die genaue Augenhintergrunduntersuchung bei weiter Pupille empfohlen. Der Graue Star sollte vorsorgemäßig ab dem 50. Lj. einmal jährlich untersucht werden. Die altersbedingte Makuladegeneration erfordert die genaue Netzhautuntersuchung bei weiter Pupille, bei gesicherter Diagnose in Abhängigkeit zu den Beschwerden engmaschige Nachkontrollen, auch mit zusätzlich aufwändiger Apparatediagnostik. Als Selbstkontrolle eignet sich zur rechtzeitigen Erfassung von Bildverzerrungen der Amsler-Karten-Test, den man auch zu Hause oder am Computer im Internet durchführen kann.

Die Therapieformen z.B. bei Grauem Star haben sich in den vergangenen Jahren enorm weiter entwickelt. Ist eine Operation in jedem Fall die richtige Weg?

Dr. Terlinde: Die Operation ist zur Zeit der einzige und richtige Weg. Solange es nicht möglich ist, das Altern unserer Linse mit den Stoffwechselveränderungen zu beeinflussen, gibt es keine Alternative. Die Notwendigkeit einer Operation ist immer dann gegeben, wenn der Patient eine Sehverschlechterung von 50 Prozent erleidet. In begründeten Einzelfällen kann davon abgewichen werden. Es gibt eine Leitlinie für die deutschen Augenchirurgen, in der alle Einzelheiten geregelt sind. Bezüglich der Operationstechnik und der einzupflanzenden Linsen sind wesentliche Fortschritte gemacht worden. Heute stehen die Kleinschnitt Verfahren mit Schnittbreiten von 2-2,5 mm großen Öffnungen für alle OP Schritte im Mittelpunkt. Das ist im hohen Maße gewebeschonend, führt zu rascher Wiedererlangung einer gute Sehschärfe, kurzen Ausfallzeiten für Berufstätige und es bedeutet Schmerzfreiheit. Neuerdings werden erstmalig alle notwendigen OP-Schnitte durch einen Laser durchgeführt, ein hochpräzises, aber sehr teures Verfahren. Der bloße Austausch der eigenen Linse gegen eine Kunststofflinse ist zunehmend einem individuell geplanten, an den Bedürfnissen des Patienten orientierten Ersatzes gewichen. Die sogenannten Premiumlinsen sind in der Lage, ein besseres Kontrastsehen und Nachtsehen zu ermöglichen, eine bestehende Hornhautverkrümmung auszugleichen und im Einzelfall Nah- und Fernsehen zu ermöglichen. Ob der einzelne Patient dafür geeignet ist kann nur im Rahmen der Voruntersuchungen festgestellt werden. Die Entscheidung fällt dann im Gespräch zwischen Patient und Arzt. Alle diese Linsen werden auch in Coesfeld am Vinzenzhospital mit gutem Erfolg eingesetzt.

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