So., 19.01.2014

„Intelligent wachsen“: 40 Zuhörer bei Buchvorstellung des ehemaligen Bremer Umweltsenators Ralf Fücks Nicht mehr, nicht weniger, sondern anders

Coesfeld. Mit so vielen Gästen hatten die Coesfelder Grünen nicht gerechnet. Rund 40 Zuhörer waren zur Buchvorstellung von Ralf Fücks in das an seine Kapazitätsgrenze stoßende Restaurant des Café Centrals gekommen. Wohl nicht nur Parteimitglieder. Ortsverbandssprecher Norbert Vogelpohl: „Es sind viele Leute da, die ich nicht kenne.“

Von Daniel Peters

Der ehemalige Bremer Umweltsenator und aktuelle Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung stellte sein Buch „Intelligent wachsen – die grüne Revolution“ vor. Dabei räumte er mit der urgrünen und zum Teil noch immer fundamental vertretenden Position der Wachstumskritik auf. „Ein Nullwachstum zementiert nur den Status Quo.“ Doch der Weg zu einer ökologischeren Gesellschaft funktioniere nur über Fortschritt. „Wirtschaftliches Wachstum besteht im Wesentlichen aus technischen Innovationen.“ Und genau die seien nötig, um Produktionsstandards und Produkte so zu verändern, dass sie der Umwelt nicht mehr schaden. „Wir sind an dem Punkt, an dem die Vision eines Null-Emissionen-Autos realistisch geworden ist.“

Der erkältete Fücks spricht langsam und deutlich mit vielen Kunstpausen. Es dauert jedoch etwas, bis er seine Stimme soweit wiederfindet, dass er die Geräuschkulisse der angrenzenden, offenen Küche ganz übertönt. Seine Grundposition, dass es gar nicht so sehr um mehr oder weniger, sondern um eine andere Art von Wachstum geht, unterstreicht er fast durchweg mit seiner Gestik und Mimik: erhobener Zeigefinger, offene Hände, weit aufgerissene Augen.

Um den Wohlstand zu erhöhen, müsse man nicht ständig neue, materielle Dinge kaufen, sagte der Politiker: „Wir können in Bildung oder Kultur investieren – auch das macht unser Leben reicher.“ Das gelte genauso für das Thema Ernährung. „60 Kilo Fleisch pro Kopf im Jahr sind global nicht realisierbar.“ Doch die Antwort sei nicht einfach weniger zu essen, sondern sich anders und besser zu ernähren. „Ohne Verzicht auf kulinarischen Genuss.“

„Er hat ein sehr positives, beinahe euphorisches Bild gezeichnet“, fand Zuhörer Siegfried Zeller. Der Abend sei für ihn ein wichtiger Denkanstoß gewesen.

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