Do., 09.11.2017

Für junge Ärzte gilt: Theoretischer Hintergrund ist wichtig – aber die Arbeit am Menschen geht immer vor „NC sollte kein K.o.-Kriterium sein“

Für junge Ärzte gilt: Theoretischer Hintergrund ist wichtig – aber die Arbeit am Menschen geht immer vor: „NC sollte kein K.o.-Kriterium sein“

Auf dem Weg zum Traumjob: Oliver Brabetz ist Assistenzarzt in den Christophorus-Kliniken in Coesfeld, Miriam Mittrup ist in dem Lehrkrankenhaus gerade im praktischen Jahr ihres Studiums. Beide meinen: Der Numerus clausus sagt wenig bis gar nichts über die Kompetenz eines Arztes aus. Foto: Florian Schütte

Coesfeld. 13 Semester hat Miriam Mittrup auf ihren Medizin-Studienplatz in Münster gewartet – sechseinhalb lange Jahre. Eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin hat sie in der Zwischenzeit absolviert und dreieinhalb Jahre als Krankenschwester gearbeitet. Nie hat sie ihr Ziel dabei aus den Augen verloren. „Ich wollte immer schon Ärztin werden und mir war klar, dass ich nur dann beruflich glücklich werden würde“, sagt Miriam. Dass derzeit über Sinn und Zweck eines Numerus clausus für Medizinstudenten diskutiert wird – vor allem vor dem Hintergrund des Ärztemangels – findet die Studierende richtig.

Von Florian Schütte

Miriam absolviert gerade ihr Praktisches Jahr in den Christophorus-Kliniken in Coesfeld. Dort arbeitet sie momentan in der Pädiatrie. „Das Studium“, sagt sie, „kann man auch mit einer Abi-Note von 2,4 schaffen.“ Sie selbst ist der Beweis. Allerdings ist sie überzeugt: „Es wäre mir noch leichter gefallen, wenn ich direkt nach dem Abitur hätte durchstarten können.“ Denn so musste sie zunächst wieder das Lernen lernen – mitunter sieben bis acht Stunden täglich.

Mehr Glück mit seinem Studienplatz an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster hatte Oliver Brabetz. Der 26-Jährige hat sein Praktisches Jahr in den Christophorus-Kliniken seit Anfang Juli hinter sich und arbeitet zurzeit als Assistenzarzt in der Klinik für Anästhesie und operative Intensivmedizin. „Eigentlich wollte ich immer in die Innere Medizin, aber irgendwie bin ich in der Anästhesie hängengeblieben“, lacht der junge Arzt. „Das macht mir auch echt Spaß und ich kann mir gerade nichts anderes vorstellen“, sagt Oliver. Doch auch für ihn sei es nicht immer leicht gewesen. „Die Vorklinik, in der man die naturwissenschaftlichen Grundlagen lernt, war schon schwierig“, gibt der Münsteraner zu. „Da werden Krankheiten abgefragt, mit denen man es in seinem Berufsleben nie zu tun bekommt, und oft fehlt einem der praktische Bezug“, meint Oliver. Wichtiger sei es da, die relevanten Dinge wirklich zu verstehen, „damit man sie sich immer wieder selbst herleiten kann“, findet der junge Arzt.

Für Miriam war vor allem das Physikum, das Medizinstudierende absolvieren müssen, hart. Aber ihre Motivation ließ sie durchhalten. „Klar habe ich mich manchmal gefragt, wozu ich mir das antue“, gesteht sie. „Aber dann habe ich mir gesagt: Du hast nicht umsonst 13 Semester darauf gewartet.“

In einem sind sich aber beide einig: Der NC sollte kein K.o.-Kriterium sein. Denn nach der Fächerkombination im Abitur frage schließlich auch niemand. „Gut, ich hatte Bio als Leistungskurs, das hat etwas geholfen. Aber den Stoff kann man auch im Studium schnell nachholen“, sagt Oliver. Was man als Arzt wirklich brauche? Disziplin, handwerkliches Geschick und den theoretischen Background. Aber am wichtigsten sei der Mensch. „Wenn ich den bei allen Diagnosen aus den Augen verliere und der Patient mich nicht mag, kann ich noch so gute Medizin machen – das Ergebnis wird schlecht sein“, fasst Oliver zusammen.

Von der Idee, Medizinstudenten im Gegenzug für NC-Lockerungen als Hausärzte auf dem Land zu verpflichten, halten beide gar nichts. „Ich könnte mir das nicht vorstellen. Der Deal wäre mir zu Beginn des Studiums zu heiß gewesen“, sagt Miriam und Oliver fügt hinzu: „Ich finde diese schnelle Idee der Politik abstrus. Dadurch bekomme ich sicher keine besseren Hausärzte.“

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