Fr., 20.05.2016

Ex-Junkie Hermann Wenning liest in Darup eindrucksvoll aus seiner Biografie „Lauf zurück ins Leben“ Dem Abwärtssog entkommen

Ex-Junkie Hermann Wenning liest in Darup eindrucksvoll aus seiner Biografie „Lauf zurück ins Leben“ : Dem Abwärtssog entkommen

„Lauf zurück ins Leben“ ist die authentische Geschichte des Ex-Junkies Hermann Wenning. Der Bericht über seine Drogenkarriere zog das Publikum im Dorfgemeinschaftsraum in seinen Bann. Foto: Peter Brüggemann

Darup. Man hätte im Dorfgemeinschaftsraum auf dem Alten Hof Schoppmann eine Nadel fallen hören. Gebannt folgten die rund 30 Besucher dem Dokumentarkrimi über sein Leben – das Leben des Ex-Junkies Hermann Wenning. „Lauf zurück ins Leben – Bericht einer Lebenskrise“ lautete der Titel, unter dem der gebürtige Legdener seine Biografie vor einigen Jahren veröffentlichte.

Von Peter Brüggemann

Der gelernte Landwirt las und erzählte authentisch von „Rausch, wenig Ekstase, viel Elend und einer jahrelangen Drogenkarriere“. Er vermittelte eindrucksvoll einen strudelnden Sog nach unten, dem sich kaum einer im Raum entziehen konnte. Was dem heute 52-Jährigen gelungen ist, glückt vermutlich nur wenigen: das Comeback des langjährigen Junkies ins Leben.

Sieben Jahre lang befand er sich auf der unaufhaltsamen Talfahrt in den Abgrund, in der scheinbar ausweglosen Spirale aus Drogensucht und Beschaffungskriminalität. Suchtprobleme hatte er, solange er denken kann. Nach jahrelangem Alkoholmissbrauch mit wachsendem Kontrollverlust und Isolation kamen irgendwann andere Drogen hinzu: Ecstasy und Amphetamine, dann Heroin. Er verlor seinen Job, seine Wohnung und lebte ohne festen Wohnsitz in Hamburg. Mehrfach saß er im Gefängnis. Dass Hermann Wenning heute vollkommen clean als Nichtraucher und Nichttrinker vor großem Publikum liest, grenzt an ein Wunder.

Dabei war er vor seiner Drogenlaufbahn sportlich. Ein Brief seines Bruders motivierte ihn, für den traditionellen 10 000-Meter-Lauf in Legden, den er bereits dreimal gewonnen hatte, wieder mit dem Training zu beginnen. Und das zog er auf dem 137-Meter-Rundkurs im Gefängsnishof bei seinem einstündlichen Freigang tagtäglich durch. Mit Unterstützung eines Gefängniswärters nahm Wenning die sportliche Herausforderung an und gewann den Lauf tatsächlich zum vierten Mal.

Das verschaffte ihm das Selbstwertgefühl, um nach dem Knast ein neues Leben zu starten. Heute zählt er nicht mehr zu den 200 000 Abhängigen harter Drogen, den zwei Millionen Alkoholikern und den 20 Millionen Nikotinsüchtigen in Deutschland.

Seine Lesung, die auf Initiative der Bürgergenossenschaft Darup im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Lokale Kunst“ angeboten wurde, war ein eindrucksvoller Bericht aus der unbekannten und hilflos verdrängten Drogenwelt vor unserer Haustür.

Google-Anzeigen
Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4019903?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F968628%2F