Ehemaliges Focke-Anwesen in Darup an Familie Feismann verkauft / Große Pläne für den Umbau
„Ich träume von einer Friedensstätte“

Darup. Carolin Feismann öffnet zwei Tore von der Scheune. Hinter dem ersten verbirgt sich ein grüner Traktor, der zweite Raum scheint wie eine Abstellkammer. „Darf ich vorstellen? Mein Wohnzimmer und meine Küche in spe“, sagt Feismann und lacht. Vom ‘Wohnzimmer’ aus führt eine steile Holztreppe hinauf auf den Dachboden. „Und das hier wird mein Schlafzimmer“, sagt die gebürtige Coesfelderin. Einige Schritte weiter steht sie an einer Brüstung und schaut hinunter in den Stall. „Vor dem Schlafengehen kann ich meine Tiere beobachten“, schwärmt sie.

Freitag, 28.10.2016, 10:20 Uhr

Ehemaliges Focke-Anwesen in Darup an Familie Feismann verkauft / Große Pläne für den Umbau : „Ich träume von einer Friedensstätte“
Das alte Focke-Anwesen ist nun im Besitz der Familie Feismann. Sie wird aus dem Gutshof mehrere Wohneinheiten in fünf Gebäuden entstehen lassen. Foto: az

„Mein großer Traum ist es, eine kleine Gesellschaft voller Frieden zu gründen“, stellt sich Feismann das Leben auf dem Gut vor und freut sich unbändig auf ihre Zukunft. „Das ist auch mein Antrieb, den Hof umzubauen.“ Und die Pläne sind groß: Insgesamt fast 900 Quadratmeter Wohnfläche in fünf Gebäuden entstehen auf dem Anwesen der Familie Feismann. „Wir wissen, dass es eine riesige Aufgabe ist. Die einzelnen Arbeitsteile machen aber unglaublich viel Spaß, und ich bin zu hundert Prozent von unseren Plänen überzeugt“, sagt Feismann und lacht.

Insgesamt sollen auf dem Gutshof knapp 20 Menschen ihr Zuhause finden. Wichtig ist ihr dabei, wie Carolin Feismann erzählt, dass die Wohnsituation Wert geschätzt wird. „Dazu möchten wir die einzelne Wohnungen und Apartments an Menschen vermieten, die Ausgrenzung, Einsamkeit oder Unverständnis erlebt haben. Die Familie denkt bei den Bewohnern an einen ehemaligen suchtkranken Menschen, an eine Flüchtlingsfamilie, ein minderjähriges Paar mit Kind oder auch an ältere Menschen, die zwar selbstständig, aber nicht einsam leben möchten.

Auf die Idee kam die Familie auf der eigenen Suche nach einem Job und einem Ort für ein erfülltes Leben. „Damals war ich mit einem Team von ‘Ärzte ohne Grenzen’ an der Elfenbeinküste. Sie machen einen sehr guten Job, aber ich habe in der Arbeit nicht den ersehnten Frieden gefunden“, erzählt Feismann und erinnert sich an die wenig schöne Zeit zurück.

Zu Hause angekommen, hat sie ihren Mann kennengelernt und zwei eigene Kinder bekommen. Als der damals gemietete Kotten in Legden zu klein wurde, siedelten sie nach Nottuln um. Da das dortige Haus mehr als genug Platz bot, entschieden sich Feismanns, einen unbegleiteten Flüchtlingsjungen aus Afghanistan aufzunehmen, der schnell ein geliebter und geschätzter Teil der Familie wurde. „Mit Samiullah haben wir erlebt, dass die Angst vor dem Unbekannten oft nicht mehr als ein Schreckgespenst ist. Das hat uns Mut für unseren großen Traum gemacht.“

Carolins Herz hat außerdem schon immer, seitdem sie ein Kind war, für ein Leben mit Tieren auf einem Bauernhof geschlagen, das sie bald endlich in Darup führen möchte. „Bei der Suche nach einem Haus für meine Familie bin ich auf den ehemaligen Gutsbesitzer Clemens Focke gestoßen“, berichtet sie. Obwohl sie sich zunächst für ein normales Wohnhaus in Nottuln entschied, blieb der innige Kontakt zur Familie Focke bestehen. „Das Gutshaus hat mich nie wieder losgelassen“, erklärt Feismann. Nach langen Monaten der Planung stand für die Feismanns schließlich fest: Wir kaufen den Hof und realisieren dort unseren großen Traum!

Alle Bewohner ihres Guts werden ein eigenes Apartment oder eine Wohnung haben, zudem können sie gemeinsam eine typische Landhausküche mit Gemeinschaftsräumen nutzen. Sie können zusammen kochen, essen und ihre Freizeit dort verbringen. „Jeder bringt seine Fähigkeiten mit, die er hat. So kann jeder von jedem profitieren.“

Dass ihre Pläne auf große Begeisterung stoßen, ist in den sozialen Netzwerken unverkennbar: Zahlreiche positive Reaktionen auf ihre Pläne geben ihrer Familie Rückenwind, das Projekt genauso zu verwirklichen, wie sie es sich immer vorgestellt haben: „Es ist immer jemand da, mit dem man reden kann. Jeder bringt andere Fähigkeiten mit und in die Gemeinschaft ein, sodass Sprachbarrieren überwunden, körperliche Einschränkungen ausgeglichen werden und seelische Wunden heilen können“, schwärmt Feismann von einem friedvollen Zusammenleben. Seit Januar visioniert die Familie verschiedene Wohnsituationen, und nun hat sie sich dafür entschieden, dass sie selbst in die Scheune einziehen wrrd.

Der Umbau wird in verschiedenen Bauphasen erfolgen und sich über mehrere Jahre erstrecken. Schon im Juni 2017 sollen die ersten Wohnungen im Haupthaus bezugsbereit sein. Nach und nach werden dann auch die Tenne, ihre Scheune und ein weiteres Gebäude saniert. „Es wäre toll, wenn der komplette Gutshof in drei Jahren fertig umgebaut ist“, sagt Carolin Feismann und blickt zuversichtlich in ihre Zukunft.

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