Mo., 26.06.2017

Lesung mit Deborah Feldman im Alten Hof Schoppmann / Eigene Geschichte Aus dem Leben einer Sekte

Lesung mit Deborah Feldman im Alten Hof Schoppmann / Eigene Geschichte : Aus dem Leben einer Sekte

Deborah Feldman reist für die Lesung aus Amerika an. Foto: az

Darup. Eigentlich wurde sie schon Ende März erwartet: Die Amerikanerin Deborah Feldman mit ihrem Debütroman „Unorthodox“. Dieser Termin wurde allerdings kurzfristig krankheitsbedingt abgesagt. „Kunst & Kultur Nottuln“ ist es jetzt gelungen, die Autorin für einen neuen Termin zu gewinnen. Am Mittwoch (28. 6.) um 20 Uhr ist Deborah Feldman im Alten Hof Schoppmann zu Gast, um aus „Unorthodox“ zu lesen.

Von Allgemeine Zeitung

Man wähnt sich nicht unbedingt in der Gegenwart, wenn man in die Geschichte eintaucht, die Deborah Feldman da in „Unorthodox“ erzählt. Nüchtern, mit diesem distanzierten Blick von oben auf die Dinge und mit einer gewissen Lakonie schreibt die heute 30-jährige Autorin ihre eigene (Lebens-)Geschichte auf. Eine Geschichte, die, was das Denken, Fühlen und Handeln der Menschen darin betrifft, auch aus lang vergangenen Zeiten stammen könnte.

Und doch ist dieser religiöse Fundamentalismus hochaktuell und bei den chassidischen Juden der Satmar-Gemeinde, die im New Yorker Stadtteil Williamsburg leben, krasser Alltag.

Stets und mit allen Kräften darum bemüht, ein Gott gefälliges Leben zu führen – all das, um nicht noch mal die Shoa durchleben zu müssen. Denken die Satmarer doch, dass der Holocaust eine von Gott verhängte Strafe ist.

Die ultraorthodoxe jüdische Satmar- Gemeinde, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Williamsburg gründete, bietet ihren Mitgliedern zwar Schutz und Sicherheit. Dafür nehmen ihnen ihre Lebensgesetze jegliche Freiheiten und fordern eine strikte Unterwerfung. Weltliche Schulen gibt es nicht, es wird jiddisch gesprochen – Englisch gilt als unrein, Ehen werden arrangiert, die Frauen sind gehalten, sich nach ihrer Hochzeit ihre Kopfhaare abzurasieren und fortan Perücken zu tragen und sexuelle Aufklärung gibt es nicht.

Während die Männer die Thora studieren, kümmern sich die Frauen um ihre meist vielen Kinder.

Deborah Feldman wird in dieser jüdischen Sekte groß.

Und schon als kleines Mädchen denkt sie über die Art und Weise, wie sie und ihre Familie den jüdischen Glauben zu leben, nach. Und hinterfragt vieles. Dabei stellt sie sich und ihre kritische Art oft selbst infrage.

Innerlich ist sie eine Rebellin und die verbotenen, weltlichen Bücher wie „Anne auf Green Gables“ oder „Stolz und Vorurteil“, die sie sich heimlich ausleiht und unter der Matratze ihres Bettes versteckt, bieten ihr Zuflucht und geben ihr auch Kraft, ihre kritischen Gedanken zu Ende zu denken und die Konsequenzen daraus zu ziehen. Nach fünfjähriger, arrangierter Ehe, die unter ständiger Beobachtung beider Familien steht und nach der Geburt ihres Sohnes, wagt die junge Frau den finalen Schritt: Sie verlässt ihre Familie und die geschützte Umgebung der chassidischen Glaubensgemeinschaft und zieht nach New York. Wohlwissend, dass es für sie kein Zurück geben wird.

Ihr Buch kommt unprätentiös daher und sie schreibt ihre Geschichte, ohne dabei irgendjemanden vorzuführen oder lächerlich zu machen. Kein Funken Hass auf diejenigen, die sie von der Welt draußen ferngehalten haben, ist bei Deborah Feldman zu spüren. Obwohl sie durchaus Grund dazu hätte. Karten sind erhältlich bei Dammann in Nottuln, Tel. 02502/422 für 14 Euro. An der Abendkasse kosten die Tickets 16 Euro.

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