So., 01.10.2017

Katastrophenübung der Feuerwehren Zwischen Gift und Qualm

Katastrophenübung der Feuerwehren: Zwischen Gift und Qualm

100 Einsatzkräfte waren am Samstag bei der ABC-Katastrophenübung. Dennis Thuis vom Gefahrstoffzug hat sich ein Szenario ausgedacht, bei dem die Feuerwehren des Kreises Coesfeld auf die harte Probe gestellt wurden. Foto: ib

Darup. „Hier bin ich! Warum hilft mir denn keiner?“ Die junge Frau liegt im Gras neben der Straße, eine große blutende Wunde am Arm. Ein zerbeultes Auto nicht weit von ihr. Darin eingeklemmt drei junge Menschen. Drumherum irren hustend und wimmernd Männer, Frauen und Schulkinder, teilweise mit schweren Verätzungen im Gesicht oder an den Armen. Aus drei großen Kunststofftanks strömen Flüssigkeit und ätzender Qualm. „Hilfe, das tut so weh!“ Die Stimmen hallen leicht wider unter der Brücke der B 525 in Darup. Die Szene wirkt gespenstisch – gespenstisch echt. Ist sie aber nicht. Zum Glück ist es nur eine Übung.

Von Iris Bergmann

Am Samstagvormittag wurde in Darup eine kreisweite Feuerwehr-Katastrophenübung mit ABC-Einsatz durchgeführt. „Eine Übung dieser Art in Zusammenarbeit mit so vielen beteiligten Gemeinden ist einmalig,“ wusste Tobias Plogmaker, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Nottuln. Dargestellt wurde ein Verkehrsunfall mit gefährlichen Gütern und Stoffen. Auf der Brücke der B525 hat ein Lkw, der mit großen Behältern einer chemischen Flüssigkeit beladen war, einen Pkw gerammt. Der Pkw sowie die Behälter wurden von der Brücke geschoben. Unter der Brücke war eine Gruppe Spaziergänger unterwegs, die auch betroffen waren. Ausgedacht hat sich das Szenario Dennis Thuis. Er ist der Spezialist dafür beim Dülmener Gefahrstoffzug. Am Samstag dann wurden die Wehren des Kreises auf diese harte Probe gestellt: Die Feuerwehren Coesfeld, Senden, Billerbeck mit Havixbeck, Ascheberg, Rosendahl, die komplette Feuerwehr Nottuln, das THW Dülmen und natürlich der ABC-Zug rückten an, um eine „Dekon V50-Übung nach Landeskonzept“, wie es offiziell hieß, zu absolvieren. In Zahlen waren das etwa 100 Einsatzkräfte, teilte Kreisbrandmeister Christoph Nolte mit, der zusammen mit seinem Stellvertreter Matthias Heuermann und Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr den Ablauf verfolgte.

Mitglieder der DLRG Dülmen stellten die Statisten. Mit spezieller Schminke wurden Verletzungen dargestellt. „Das sieht so erschreckend echt aus,“ meinte ein Daruper Bürger, der zum Zuschauen gekommen war.

Alles lief professionell und geordnet ab. „Es ist erstaunlich, wie sich so eine Einsatzlage aufbaut,“ war Feuerwehrarzt Dr. Hans-Jürgen Schönhauser fasziniert. Davon bekam Christina Albinus nicht so viel mit. Für sie verging die Zeit gefühlt nur sehr schleppend. Die junge Dülmener DLRGlerin spielte eine schwer Verletzte mit offenem blutendem Bruch am Arm. „So kann man sich in Verletzte einfühlen,“ meinte sie. „Ich bekomme kaum mit, was um mich herum passiert.“

Koordination ist bei solch einem großen Einsatz das A und O: In diesem Fall trafen sich Fahrzeuge und Mannschaften der Gemeinden am ersten Sammelpunkt am Beisenbusch in Nottuln, von dort ging es zum Einsatzort. Beim anschließenden Aufbau der Zelte und der Dekontamienierungsanlagen wurde auch keine Sekunde verschenkt und spätestens 45 Minuten nach Eintreffen stand alles voll funktionsfähig da. In der Zwischenzeit waren schon längst Kameraden mit Atemschutzmasken bei den Verletzten, befreiten eingeklemmte Personen, redeten gut zu, sondierten die Lage, beruhigten.

„Ich bin erstaunt darüber, was für eine große Ruhe in der Mannschaft liegt,“ lobt Kreisbrandmeister Christoph Nolte und zieht als Fazit: „Was wir uns erhofft haben, haben wir erreicht.“ Die Wehren des Kreises sind eingespielte Teams. Für alle Fälle bereit. Für Fälle, von denen niemand hofft, dass sie eintreten werden.

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