Di., 17.10.2017

Vertrauen der Familie Bagert wird ausgenutzt / „Kunden sollten sich beim Eier-Kauf mehr Gedanken machen“ Diebstahl aus der Zelle

Vertrauen der Familie Bagert wird ausgenutzt / „Kunden sollten sich beim Eier-Kauf mehr Gedanken machen“: Diebstahl aus der Zelle

Setzen auf Vertrauen: Mechthild und Johannes Bagert versorgen die Kunden täglich mit frischen Eiern in der Eizelle. Häufig zahlen Kunden aber nur wenig oder auch gar nichts. Foto: Leon Seyock

Darup. Besonders die Gedankenlosigkeit mancher Leute ist es, die Mechthild und Johannes Bagert verständnislos macht. Sie betreiben den gleichnamigen Hof in Hastehausen, und unverkennbar an ihrer Zufahrt steht eine Zelle an der Straße. Früher Telefonzelle, heute eine „Eizelle“. Und ihr Konzept dahinter ist simpel: Die Familie sorgt darin immer für frische Eier direkt von ihrem Hof, und die Kunden zahlen drei Euro pro Karton. Bisher hat das immer gut funktioniert – doch seit Kurzem wird das Vertrauen der Familie ausgenutzt.

Von Leon Seyock

„Im Schnitt passte es immer. Einige Kunden haben vielleicht weniger, andere dafür etwas mehr gezahlt“, berichtet Mechthild Bagert.

Aber dann kam der Fipronil-Skandal im Sommer. „Zuerst dachten wir, dann kauft niemand mehr Eier.“ Das Gegenteil trat aber ein, denn gerade zu dieser Zeit vertrauten viele Verbraucher nicht mehr den Discountern und kauften die Eier frisch vom Hof. „Wir kamen mit dem Nachfüllen der Eizelle kaum hinterher. Aber leider kam es häufig vor, dass einige Kunden nur sehr wenig oder gar nichts gezahlt haben“, berichtet das Ehepaar. Teilweise sei mehr als die Hälfte der Eier aus der Zelle nicht bezahlt gewesen.

Dieser Diebstahl sorgt für Verständnislosigkeit bei der Familie. Um ihrem Ärger Luft zu machen, fanden die Kunden nun einen Brief vor, den die beiden verfasst und an ihre Käufer gerichtet haben. Denn dass ein Ei auf einem Bauernhof, wo die Hühner in großzügiger Freilandhaltung leben und ein Großteil des Futters selbst angebaut wird, nicht für wenige Cent produziert werden kann, sollte klar sein. „Leider machen sich viele Leute zu wenig Gedanken“, sagt Mechthild Bagert.

Sie und ihr Mann betreiben den Hof seit vielen Jahren und haben sich auf die Hühnerhaltung spezialisiert. „Man sollte eine Sache machen, und die dann gut“, so Johannes Bagert. Die Familie möchte von der Hühnerhaltung leben, ihren Hof damit auf den Beinen halten. Und um die Eier zu verkaufen, hatten sie 2013 eine Idee: „Wir hatten noch eine alte Telefonzelle, die wir umgebaut haben“, berichtet Mechthild Bagert. Aus der Telefonzelle wurde eine Eizelle, ausgestattet mit Kühlschrank, Licht und einem Sparschwein. „30 Kartons lege ich täglich für die Zelle zurück, am Wochenende mehr“, berichtet Mechthild Bagert.

1000 Hühner hält die Familie. Auf dieser Fläche könnten 10 000 Tiere Platz finden, aber sie haben sich bewusst für die Freilandhaltung entschieden. „Die Eier haben eine stärkere Schale und schmecken einfach besser“, sagt Johannes Bagert. Auf dem Feld stehen zwei große, umgebaute Anhänger. Darin können die Hühner fressen, trinken, schlafen und Eier legen. Frisches Gras finden sie reichlich um den Hänger herum. Bald soll ein dritter dazu kommen, dann stockt die Familie die Zahl der Hühner auf 1500 auf. Bis zu 700 Eier kommen jetzt jeden Tag zusammen. Ein Teil geht in zwei Märkte – und einige Kartons in die Eizelle. „Wir haben unser Traumziel eigentlich erreicht, denn wir können nicht so viele Eier produzieren, wie wir verkaufen könnten“, berichten sie.

Die beiden sind froh, dass die Zelle so gut angenommen wird und bedanken sich bei den ehrlichen Käufern. „Wir hoffen, wenn wir den Leuten mit Vertrauen entgegenkommen, dass wir auch Vertrauen zurückbekommen“, so das Ehepaar.

Google-Anzeigen
Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5230103?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F968628%2F