Sa., 02.01.2016

Über fünfzig Jahre lang hat Willi Beuker hinter dem Steuer gesessen / Jetzt geht er in den Ruhestand Mit dem Bus von Brest bis Zakopane

Über fünfzig Jahre lang hat Willi Beuker hinter dem Steuer gesessen / Jetzt geht er in den Ruhestand : Mit dem Bus von Brest bis Zakopane

Der Abschied von „seinem Bus“ fällt ihm nach 60 Jahren im Unternehmen Meiners-Auling schwer: Willi Beuker, hier mit Firmenchefin Monika Meiners-Auling, war Busfahrer mit Leidenschaft und Herz. Foto: Helene Wentker

Gescher. Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erzählen. Willi Beuker hat als Busfahrer ungezählte Reisen quer durch Europa gemacht – 51 Jahre lang. Jetzt heißt es Abschiednehmen von seiner geliebten Firma Meiners-Auling.

Von Helene Wentker

Zur Feier des Tages hat Beuker hinter dem Schreibtisch des Chefs Platz genommen und schwelgt in Erinnerungen. Sechs Jahrzehnte hat er dem Unternehmen die Treue gehalten. Das soll ihm mal heute einer nachmachen. Als Stift (wie es damals hieß) im Elektrohandwerk begann Willi Beuker mit vierzehn Jahren bei Meiners die Lehre. Doch mit 22, da fing das Leben richtig an: Willi Beuker bestand seinen Busführerschein – und seither alle Prüfungen und gesundheitliche, psychologische und fahrtechnische Tests, die Busfahrer in regelmäßigen Abständen zwischen drei Monaten und fünf Jahren ablegen müssen, um ihre Fahrerlaubnis zu behalten.

Denn als die Elektrofirma Meiners in den fünfziger Jahren auch ins Busgeschäft einstieg, da war für Willi Beuker seine große Stunde gekommen. Zuerst sprang er als Aushilfe ein, doch schon bald saß er regelmäßig hinter dem Steuer. Linienverkehr war okay, aber seine Leidenschaft galt später den Ausflugs- und Reisetouren quer durch Europa. „Das war eine ganz andere Welt und damals eine goldene Zeit für Busfirmen. Bevor die Kurzstreckenflüge kamen, sind wir zum Beispiel zwei Mal in der Woche mit dem Bus nach Spanien gefahren“, erinnert sich Beuker an seine besten Bus-Zeiten.
Doch bevor es soweit war mit den Europatouren lernte er andere Welten und Fahrten kennen. Die ersten Einsätze führten ihn von Coesfeld nach Südlohn: „Gefangenentransporte waren das: Ich hab die Jungs zum Straßenbauen gefahren.“

Die Reiselust der Münsterländer beschränkte sich in den späten Fünfzigern und den sechziger Jahren auf Wallfahrten nach Kevelaer. Dann kamen die ersten Tagesfahrten. Die Ausflügler trauten sich an den Rhein, nach Köln. Mitte der siebziger Jahre ging der Bus so richtig ab: Von der spanischen Grenze bis zum Nordkap; von Brest bis Zakopane in Polen stand Busfahrer Willi Beuker und seinen Fahrgästen die Welt offen. Diese Zeiten haben sein Leben um manches Döneken bereichert. Viel erlebt hat er mit Schülern einer Privatschule aus Nevada, die alle Jahre wieder dreieinhalb Wochen mit ihm auf Europatour gingen. „In Salzburg hatten die Amis eine mittelalterliche Pistole (reine Attrape) gekauft. Auf der Weiterfahrt nach Ostberlin haben die Grenzer die gefunden, und ruckzuck saßen die Lehrer und ich in der Kiste. Dann kamen Amis zur Vermittlung, und ruckzuck waren wir wieder draußen“, lacht Beuker.

Beeindruckt hat ihn auch eine Privataudienz bei Papst Johannes Paul I., als Beuker in den Achtzigern mit dem koreanischen Nationalchor auf Tour war. „Der polnische Papst sprach gut Deutsch und unterhielt sich gern“, weiß der Gescheraner. Wie er das mit dem Gottesdienstbesuch am Sonntag halte, wollte der Papst von Busfahrer Beuker wissen: „Unsere Messe findet hinterm Steuer statt“, hat der geantwortet. Aber auf Nachfragen betont, dass er „natürlich Messdiener war...“
Seine letzte offizielle Tour hat Beuker vor wenigen Tagen für den Musikzug der Feuerwehr gedreht, als dieser traditionsgemäß Heiligabend zum Spiel am Altenheim und Haus Hall aufbrach. Noch dazu auf seinem Geburtstag, denn Willi Beuker, Jahrgang 1940, ist ein echtes Christkind.

Der Abschied vom Bus und dem Unternehmen Meiners-Auling fällt ihm schwer. Chefin Monika hat er schon in den Kindergarten gebracht, und auch ihr Mann Hans-Peter sagt: „Wir haben uns immer gut verstanden.“ „Gut, dass er da war: Es war schön für beide Seiten“, ergänzt Ehefrau Monika.
Was Willi Beuker künftig machen wird? „Na, die Tauben auf Reisen schicken.“ Das musste in Zeiten seiner Abwesenheit seine Frau Ursula übernehmen. „Die war dat nich anders gewohnt“, sagt Beuker. Ansonsten will er tun, „was Rentner so machen: Mama auf den Geist gehen und den Hund spazieren führen“, setzt er flapsig hinzu, und eine tiefe Wehmut liegt in seinem Blick.

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