Mi., 16.03.2016

Autor Martin Wehrle ermuntert Frauen am Internationalen Frauentag zum Erklimmen der Karriereleiter „Nehmen Sie sich, was Ihnen zusteht“

Autor Martin Wehrle ermuntert Frauen am Internationalen Frauentag zum Erklimmen der Karriereleiter : „Nehmen Sie sich, was Ihnen zusteht“

Petra Heermann (Ihr Buchladen Gescher) begrüßte Martin Wehrle zur Lesung im Kutschenmuseum, wo der Autor sein Buch „Herr Müller, Sie sind doch nicht schwanger?“ vorstellte. Foto : emk Foto: az

Gescher. Nicht alles, was als humorvoll und witzig angepriesen wird, ist auch tatsächlich so. Doch in diesem Fall hatte Buchhändlerin Petra Heermann (Ihr Buchladen Gescher) durchaus recht, als sie im Alten Kutschenmuseum in Gescher den Autor und Karrierecoach Martin Wehrle vorstellte. Was er aus seinem Buch „Herr Müller, sie sind doch nicht schwanger?“ las und erzählte, entsprach der Realität und war dennoch witzig. Aus Anlass des Internationalen Frauentages erklärte er dem überwiegend weiblichen Publikum, wie es am besten die Karriereleiter raufklettern könnte.

Von Elvira Meisel-Kemper

Hintergrund seines Buches war die erdachte Geschichte um den erfolgreichen Manager und Macho Peter Müller, der eines Morgens als Frau erwacht. „Was dem Herrn Müller passiert, ist Tatsache“, so Wehrle, ablesbar auch an den Reaktionen der Zuhörer. Es waren nicht die Klischees der Ungleichbehandlung der Geschlechter im Beruf, sondern die subtilen Beobachtungen des 45-jährigen Autors als Karrierecoach und Unternehmensberater.

Frauen fragten sich schon bei der Bewerbung, ob sie überhaupt für den neuen Posten geeignet seien. Männer fühlten sich schneller dazu befähigt, auch wenn sie es nicht seien. Wehrle beobachtet eine „florierende Aufzucht männlicher Alphatiere“ in Unternehmen. Herr Müller beobachtete sich, erkannte nur seine Haar- und seine Augenfarbe wieder, während seine Umgebung keine Verbindung zu seiner früheren Gestalt herstellen konnte. Dennoch gingen ihm gewisse Gedanken aus seiner Zeit als Mann und Chef durch den Kopf.

Siegessicher stellte Herr Müller, der auch weiterhin so hieß, im Buch von Wehrle als Petra Müller eine Bewerbung nach der anderen. Im Vorstellungsgespräch schwang er die Rede eines Mannes, d. h. selbstsicher und selbstlobend. Von den beiden Herren, die über seine Einstellung entscheiden sollten, wurde er ausgebremst durch das Angebot einer Teilzeittätigkeit und Frage der Familienplanung.

„Eine Frau mit 35 Jahren wie der Herr Müller hat immer andere Chancen als Männer mit 35 Jahren“, so Wehrle. Untersuchungen hätten ergeben, dass attraktive Frauen schlechtere Chancen im Beruf haben als weniger attraktive Frauen. Die Gründe dafür seien im Macho-Denken der Männer verankert. Herr Müller gelangte in seiner alten Firma in die alte leitende Position. In Gesprächen wurde er übergangen, von geselligen Runden danach als Frau ausgeschlossen. Früher hatte er eine Sekretärin. Die wurde jetzt zum männlichen Konkurrenten delegiert.

„Ich mag diese Machtspielchen überhaupt nicht“, so Wehrle, der auch nicht wollte, dass Frauen so agieren wie Männer. „Sie sollten sich das, was ihnen zusteht, auch nehmen“, ermutigte Wehrle die Frauen, die viele eigene Erfahrungen wiederfanden an diesem Abend voller Erkenntnisse und voller Humor und Witz. Beifall belohnte Wehrle dafür.

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