Fr., 06.05.2016

Annelore Wiesch und Tochter Angelika Rösgen wecken Erinnerungen an alte Familientraditionen Muttertag mit Sportschau

Annelore Wiesch und Tochter Angelika Rösgen wecken Erinnerungen an alte Familientraditionen : Muttertag mit Sportschau

Annelore Wiesch (l) freut sich zum Muttertag am meisten darüber, „dass alle in der Familie zusammenhalten.“ Das, bestätigt ihre Tochter Angelika, selbst Mutter und schon Oma, sei das schönste Geschenk. Foto: Helene Wentker

Gescher. Morgens in der Frühe ertönt Getrappel im Haus Wiesch: Die Kinder legen die Sonntagstischdecke auf, dekorieren den Tisch mit Blümchen. Auch das Ei gehört zum Sonntagsfrühstück. Es ist vor allem Papa Bernhard, der auf diese liebevollen Kleinigkeiten Wert legt. Zum Muttertag soll Mama Annelore es mehr als gut haben. Selbst mittags macht sich nicht wie an anderen Tagen die Oma ans Kochen, denn: „Muttertag war für uns Kinder immer die Chance im Jahr, das Kochen zu üben“, lacht Tochter Angelika Rösgen in Erinnerung an ihre frühen Kindertage. Heute ist sie selbst Mutter und Oma. Doch der Muttertag zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Familie Wiesch. „Nachmittags gab es Kuchen und Eis. Wir gingen spazieren. Aber um 17 Uhr sagte der Vater: „Jetzt ist Muttertag vorbei. Und dann kam die Sportschau“, erzählt Angelika Rösgen und lacht erneut. Ja, Muttertag sei „immer schön gewesen“, bestätigt ihre Mutter Annelore. Dabei sei doch eigentlich nur wichtig, „dass alle zusammenhalten.“

Von Helene Wentker

Aber auch Annelore Wiesch hat eine Generation zuvor gemeinsam mit ihren beiden jüngeren Brüdern den Muttertag hochgehalten. Basteln, Blümchen pflücken, Kaffeetisch decken waren selbst im Krieg angesagt. „Die Jungs mussten tun, was ich sagte“, lacht die 82-Jährige. Besonders ihr kleiner Bruder Helmut liebte es, der Mutter Kränzchen aus Margeriten und Kuckucksblumen zu flechten.

Ja, der kleine Helmut – wehmütig erinnert sich Annelore an seine Ankunft auf Erden: „Es war im Dezember. Ich war neun, und musste am späten Abend die Hebamme holen. Es war duster; ich hatte solche Angst.“ Als Helmut geboren wurde, lebte sein Vater nicht mehr. Er war in Russland gefallen. „Wie heute“ erinnere sie sich an den Tag, als die Todesnachricht kam, sagt Annelore Wiesch mit Tränen in den Augen. Das harte Schicksal schmiedete die Familie zusammen. Vor allem Mutter und Tochter gelang es in unermüdlicher Arbeit, unmittelbar nach dem Krieg ein Haus für alle vier zu erbauen. Mama habe selbst Handlangerarbeiten geleistet. Und die Kinder hätten sonntags aus Schlacken Steine geformt. Das Haus sei, wie viele in der frühen Nachkriegszeit, „mit Schnaps erbaut worden“, berichtet Angelika Rösgen. „Hast du Schnaps mitgebracht?“, riefen die Männer am Bau schon um 7 Uhr in der Früh Annelore Wiesch zu. Wenn sie aus Geldmangel verneinen musste, sagten sie: „Hol ihn aus der Wirtschaft. Kannst ihn bezahlen, wenn du Rente kriegst...“

So war das mit dem Hausbau und dem Torfstechen in Hochmoor. „Denn dafür gabs zum Lohn einen Fuder Torf zum Heizen“, erinnert sich Annelore Wiesch.

Lange hat sie in ihrem Häuschen gelebt. Später bauten Tochter Angelika und deren Familie auf dem Grundstück direkt nebenan. Doch als zwei Oberschenkelhalsbrüche und Hüftoperationen sowie schwere Diabetes Annelore Wiesch das eigenständige Leben im großen Haus erschwerten, entschied sie sich für das Seniorenwohnheim St. Pankratius, wo sie Ansprache, Unterhaltung und rund-um-die-Uhr Betreuung hat. Oft kommen ihre drei Kinder Angelika, Ursula und Christian zu Besuch. Auch die Enkel stehen nicht nach.

Einer von Angelikas Söhnen ist in Omas Familienhaus gezogen. Zwei Urenkel, drei und zwei Jahre jung, beleben inzwischen schon die große Familienrunde. Zum Muttertag werden sie alle wieder zur Stelle sein. Und Angelika Rösgen wird sagen: „Hauptsache, wir sind alle zusammen und man wird einmal gedrückt: Dann ist alles gut.“

Google-Anzeigen
Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3987667?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947616%2F