Di., 18.10.2016

Drei Flüchtlinge haben in der Baumschule Tüber Arbeitsplätze gefunden Unkraut jäten und Deutsch büffeln

Drei Flüchtlinge haben in der Baumschule Tüber Arbeitsplätze gefunden : Unkraut jäten und Deutsch büffeln

Eine Win-Win-Situation ist ihre Arbeit in der Baumschule Tüber sowohl für die Flüchtinge (v. l.) Mamadou Bah aus Guinea, Marshal Fjor aus Nigeria sowie Pahyos Aticos aus Ghana (ganz r) als auch für Firmenchef Andreas Tüber (2. v. r). Foto: Helene Wentker

Gescher. Pflanzen topfen, Unkraut jäten, gießen, wässern, Stecklingsvermehrung, Versandarbeiten: Die Liste der täglichen Aufgaben ist lang. Aber da ist noch etwas: Jeden Morgen vor Dienstbeginn trifft sich Andreas Tüber, Chef der gleichnamigen Baumschule, mit seinen Angestellten an der großen Tafel. War die ursprünglich für Notizen gedacht, so ist sie heute in Sachen „Deutsch für Anfänger“ im Einsatz. Dort, im trauten Miteinander, erklärt Tüber seinen neuesten Mitarbeitern Begriffe, die entweder für die Arbeit wichtig sind, oder die sie aufgeschnappt und nicht verstanden haben. Wie zum Beispiel das Wörtchen „trotzdem“. Da musste selbst der Chef überlegen, wie er´s einfach erklären sollte.

Von Helene Wentker

Drei Flüchtlinge beschäftigt Tüber seit einigen Monaten in seinem Betrieb. Er ist vom Erfolg dieser Entscheidung ebenso überzeugt wie seine neuen Angestellten, die gemeinsam mit sieben weiteren Mitarbeitern das Team der Baumschule komplettieren. Für Handwerksbetriebe sieht Tüber in seinem Weg „eine Chance, gute Mitarbeiter zu bekommen.“ Denn deutsche Kräfte oder Auszubildende zu finden, erweise sich als zunehmend schwierig.

Als Erster kam im Mai 2015 Mamadou Bah. Der 29-Jährige stammt aus Guinea, flüchtete dort vor dem Bürgerkrieg, ließ sein Kind zurück und kam 2008 nach Gescher. Mehrere Jahre arbeitete er in Diensten der Stadt auf dem Bauhof bzw. Friedhof mit, bis Hildegard Sonntag Tüber auf den Flüchtling aufmerksam machte. Inzwischen hat Mamadou Bah eine Ausbildung in der Baumschule begonnen. Die schützt ihn zunächst vor möglicher Abschiebung. Und wenn er den Gesellenbrief in der Tasche hat, würden dadurch seine Aussichten auf dauerhaftes Bleiberecht hoffentlich steigen, meint Tüber.

Eine Zeitungsanzeige, in der der Unternehmer Arbeitskräfte suchte, entdeckte Elisabeth Herbstmann von der Flüchtlingsinitiative Gescher. Sie machte Tüber mit Marshal Fjor aus Nigeria bekannt. Seit Mai arbeitet der 27-Jährige, der die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse und Korruption in seiner Heimat beklagt, ebenfalls in Tübers Baumschule.

Aus Eigeninitiative und nach einem Tip vom Kollegen Mamadou Bah suchte Pahyos Aticos aus Ghana den Kontakt zu Andreas Tüber. Auch ihn stellte der Gescheraner ein, nachdem Aticos ebenso wie die beiden Mitkollegen in Orientierungspraktika gezeigt hatten, dass sie sich für die Arbeit in der Baumschule eignen. Die Praktika habe die Agentur für Arbeit in Borken unterstützt; dort habe man sich „wirklich gekümmert“, lobt Tüber. Nur die Wartezeit, bis die ersehnten Arbeitsgenehmigungen vorlagen, empfanden er und seine neuen Mitarbeiter als lang und unsicher.

„Von jetzt auf gleich“ seien „die Neuen“ in seinem Betrieb integriert gewesen. „Das hat reibungslos funktioniert.“ Dass die Verständigung manchmal eine Herausforderung ist, verschweigt Tüber nicht. Und dass die Flüchtlinge ihre Deutschkurse besuchen und büffeln müssen, ist den Dreien klar. In Gescher fühlen sie sich wohl, auch wenn sie spüren, dass Einheimische im Umgang mit Schwarzen manchmal befangen reagieren. Eine Hoffnung, die sich für ihren Kollegen Bah schon erfüllt hat, treibt derzeit Aticos und Fjor um: Eine bezahlbare kleine Wohnung zu finden.

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