Mo., 30.01.2017

Pipeline „Zeelink“ führt durch Tungerloh / Open Grid Europe lädt zu Informationsveranstaltung ein Gas soll durch Gescheraner Grund strömen

Gescher. Möglicherweise wird sich in zwei oder drei Jahren eine 40 Meter breite Schneise von Hochmoor kommend durch die Tungerloher Bauerschaften Pröbsting und Capellen ziehen. So viel Platz benötigen Spezialbagger, um die Erdgasfernleitung „Zeelink“ zu verlegen. 2021 soll diese gut einen Meter dicke Leitung in Betrieb genommen werden. Vor Beginn des Planfeststellungsverfahrens stellt das Unternehmen „Open Grid Europe“, das für Planung und Bau zuständig ist, die Projektdetails in sogenannten „Dialogmärkten“ öffentlich vor. In Gescher findet diese Veranstaltung am Donnerstag (16. 2.) von 19 bis 21 Uhr im Schulzentrum am Borkener Damm statt.

Von Jürgen Schroer

Die neue Pipeline führt von der belgisch-deutschen Grenze bei Lichtenbusch bis Sankt Hubert bei Krefeld und weiter nach Legden bei Ahaus und tangiert dabei das Stadtgebiet Gescher . Sie sichert die notwendige Umstellung von L-Gas auf H-Gas. Im Raumordnungsverfahren ist – wie berichtet – ein 600 Meter breiter „Vorzugstrassenkorridor“ festgelegt worden. Jetzt wird der Trassenverlauf offenbar konkreter, denn die betroffenen Grundstückseigentümer sind zu einer (nichtöffentlichen) Informationsveranstaltung eingeladen worden (ebenfalls am 16. 2.).

In Gescher wird das Projekt eher kritisch gesehen. Die Stadt Gescher hat im Rahmen einer frühen Beteiligung der Kommunen darauf hingewiesen, dass die Glockenstadt von mehreren anderen Planungen betroffen sei und deshalb eine Trasse „ohne Berührung des Stadtgebietes“ favorisiere. Landwirt Andreas Heumer , selbst von der geplanten Trassenführung betroffen, lehnt das Projekt strikt ab: „Keine Pipeline auf Gescheraner Grund“, lautet der Tenor eines Positionspapiers, das er erarbeitet hat. Darin verweist er darauf, dass insbesondere die Bauerschaft Tungerloh-Pröbsting durch vorhandene Pipelines und zusätzlich durch „riesige Naturschutzgebiete“ belastet sei. Deren Ausweisung führe zu baurechtlichen Nachteilen für Privatleute und Gewerbetreibende. Außerdem führe die „Zeelink“-Pipeline zu nah an die Wohnbebauung heran, in Einzelfällen weniger als 100 Meter. Heumers Fazit: „Eine Planung durch Gescher würde die Gemeinde wegen der Vorbelastungen zu hart treffen.“ Außerdem sei das FFH-Naturschutzgebiet an der Berkel davon betroffen.

Der Landwirtschaftliche Ortsverband (LOV) schließt sich diesem Papier nicht an. „Wir glauben nicht, dass wir dieses Großprojekt verhindern können“, sagte der stellvertretende LOV-Vorsitzende Rainer Böyer auf Anfrage. Die Rahmenverträge, die Open Grid Europe mit der Landwirtschaft geschlossen habe, seien in Ordnung. „Und irgendwo muss die Leitung ja auch herführen“, sagte Böyer. Wichtig aus LOV-Sicht sei, dass die Trasse möglichst schonend für Flächeneigentümer und Landschaft geführt werde.

Die Eigentümerversammlung findet am Donnerstag (16. 2.) um 17 Uhr im Schulzentrum statt. Um 19 Uhr schließt sich der „Dialogmarkt“ an, zu dem alle interessierten Bürger willkommen sind. Hinweise und Anregungen können noch in die Antragsunterlagen für das Planfeststellungsverfahren einfließen, das im Spätsommer 2017 starten soll.

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