Fr., 10.03.2017

Bernhard Robers hat heute vor 50 Jahren die Meisterprüfung abgelegt / Mit Hobby Brieftauben erfolgreich Lehrjahre waren keine Herrenjahre

Bernhard Robers hat heute vor 50 Jahren die Meisterprüfung abgelegt / Mit Hobby Brieftauben erfolgreich : Lehrjahre waren keine Herrenjahre

Bernhard Robers deutet auf den Meisterbrief, der ihm heute vor 50 Jahren verliehen worden ist. Rechts im Bild: Malermeister Frank Robers, der den Betrieb heute führt. Foto: Jürgen Schroer

Gescher. Wie die Aussage „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ entstanden ist, kann Bernhard Robers gut nachvollziehen. Der Malermeister, Jahrgang 1938, hat sein Handwerk Anfang der 50er Jahre erlernt. „Wir hatten Zwölf-Stunden-Tage, mussten samstags zur Berufsschule und durften hinterher noch die Werkstatt aufräumen“, entsinnt sich der 79-jährige an die Anfänge seiner beruflichen Tätigkeit. Nach etlichen Jahren als Geselle besuchte Robers die Meisterschule in Lemgo und hatte nach nur vier Monaten den Meisterbrief in der Tasche. „Das war am 11. März 1967“, so Robers – also heute vor 50 Jahren. Folglich darf sich der Gescheraner auf die Auszeichnung mit dem Goldenen Meisterbrief der Maler- und Lackierer-Innung Ahaus freuen.

Von Jürgen Schroer

Der berufliche Weg war früh vorgezeichnet. Von seinem Lehrer aus hätte Bernhard Robers aufs Gymnasium gehen sollen. „Aber das kostete ja Schulgeld, das ging nicht“, blickt er zurück. Folglich machte der junge Robers nach der Volksschule eine Lehre als Maler und Anstreicher und tat es damit seinem Vater – ebenfalls Bernhard Robers – gleich, der 1933 Malermeister wurde und 1937 das Geschäft am heutigen Standort Franz-Josef-Straße begründete. Der Senior verstarb 1948 in russischer Gefangenschaft.

Sein Sohn wechselte nach der Lehrer bei Maler Schlüter als Malergeselle nach Haus Hall. „48 Stunden war damals die übliche Wochenarbeitszeit“, berichtet Bernhard Robers. Und jeden zweiten Sonntag war Dienst auf einer Gruppe – als Handwerker ohne jede pädagogische Erfahrung musste er zahlreiche Bewohner betreuen. „Wir sind meistens zum Sportplatz gegangen, das war am einfachsten“, erzählt Robers.

Nach verschiedenen Stationen in Dorsten, Aachen und Köln kehrte der Geselle Anfang der 60er Jahre zurück nach Gescher und arbeitete bei Theo van Waasen. 1966 entschloss sich Robers, die Meisterschule zu besuchen. Sechs Monate waren vorgesehen, nach vier Monaten legte er die Prüfung ab. „Je schneller man fertig war, desto früher konnte man wieder Geld verdienen. Hat geklappt“, entsinnt sich Robers und deutet auf den Meisterbrief an der Wand. Als Ein-Mann-Betrieb startete er in die Selbstständigkeit und hatte sofort viel zu tun. Anstrich- und Tapezierarbeiten in Wohnungen und Fertighäusern waren gefragt.

Vieles hat sich seitdem verändert, aber das eigentliche Handwerk und gewisse Eigenschaften, die man mitbringen muss, sind geblieben. „Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Sauberkeit, qualitativ gut Arbeit, das war damals wichtig und zählt heute noch“, weiß Robers. Viel verändert habe sich dagegen beim Thema Arbeitssicherheit: Früher wurde in 14 Metern Höhe auf Leitern gestrichen, heute werden die Gebäude dazu eingerüstet.

Aus gesundheitlichen Gründen musste der Malermeister ab 1996 kürzertreten und übergab den Betrieb an seinen Sohn Frank, der im Mai das 30-jährige Meister-Jubiläum feiert. Seitdem hat der Senior mehr Zeit für sein liebstes Hobby, die Brieftaubenzucht. Manchen Erfolg heimste er mit seinen flotten Fliegern ein, 2015 stellte der Gescheraner gar die siebtbeste Taube Deutschlands.

Jetzt freut sich Bernhard Robers auf die Übergabe des Goldenen Meisterbriefes, zu der die Innung üblicherweise im Oktober/November einlädt. Und hofft, dass die Zukunft des Betriebes Robers gesichert ist: Enkelin Vivian (23) ist ebenfalls Malermeisterin und Betriebswirtin des Handwerks und arbeitet zurzeit auf Mallorca. Sie könnte den Betrieb in der vierten Generation führen.

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