Do., 13.04.2017

Neue Aktion bewahrt männliche Küken vor dem Tod im Shredder / Biolandwirt Dinkler macht mit Bruderküken leben glücklich

Neue Aktion bewahrt männliche Küken vor dem Tod im Shredder / Biolandwirt Dinkler macht mit : Bruderküken leben glücklich

Foto: Helene Wentker

Gescher. Liebevoll nimmt das putzige Küken auf der Eierpackung ein anderes in den Flügel. Es ist sein kleiner Bruder, den es beschützt: Mit diesem Aufdruck in knalligem Gelb und Rot ziehen die Vermarkter die Aufmerksamkeit des Verbrauchers auf eine Aktion, die vor drei Monaten an den Start gegangen ist: Die Initiative Bruder-Ei.

Von Helene Wentker

Sieben Bio-Landwirte aus Nordrhein-Westfalen, darunter Hof Dinkler in Gescher, sowie der SuperBioMarkt mit insgesamt 26 Märkten haben sich zu dieser Initiative zusammengeschlossen. Sie will männlichen Küken den grausamen Tod durch Shreddern ersparen. Die Entscheidung liegt dabei beim Verbraucher. Kauft er eine Packung Bruder-Eier, so zahlt er einen Aufpreis von vier Cent pro Ei. Dieses Geld der Kunden gehe direkt an Aufzuchtprojekte für männliche Küken, sagt SuperBioMarkt-Fachbereichsleiter Frank Voßkühler in Münster.

Derweil tummeln sich 3000 glückliche Hühner auf Hof Dinkler in Geschers Bauerschaft Büren, wo Christoph Dinkler und seine Frau Carolin sowohl den SuperBioMarkt in Münster als auch Einzelhändler und Marktbeschicker in der Domstadt mit Bioeiern beliefern.

In zwei normalen Ställen mit Vordach sowie einem fahrbaren Stall, der mitsamt seinen Hühnerinsassen regelmäßig zu frischen Grünstellen gefahren wird, leben Dinklers gackernde Hühnerscharen. Acht Quadratmeter Auslauf pro Tier garantiert der Biolandwirt auf seinen Weiden – so wie es die Bioland-Richtlinien vorschreiben.

Seine 3000 Hühner hält Dinkler in drei Gruppen, die für jeweils eineinhalb Jahre zusammen bleiben. „Wir bekommen die Hühner mit 18 Wochen; ab der 20. Woche legen sie Eier“, erläutert der Landwirt. Nach 18 Monaten endet das Leben der Hühner auf dem Schlachthof, wo sie zu Suppenhuhn oder Wurst weiterverarbeitet werden.

Während sich Dinkler seit 1997 neben dem Kartoffelanbau auf die Haltung glücklicher Legehennen zur Eiererzeugung spezialisiert hat, haben sich andere Betriebe auf die Hähnchenmast festgelegt. Doch was geschieht mit männlichen Küken aus der Eierlinie, die keine Masteigenschaften besitzen? Denn das sind jene Küken, die ihr Leben im Shredder lassen. „Weil sie keine Masteigenschaften mitbringen, müssen sie subventioniert werden. Denn sie wachsen langsamer, setzen weniger Fleisch an“, erklärt Christoph Dinkler. Genau da setze die Aktion Bruder-Ei an: Denn während Masthähnchen in maximal 40 Tagen aufgezogen werden, werden Bruderküken vierzehn Wochen lang gehalten. Bis dahin hätten sie ausreichend Fleisch angesetzt, ohne zäh zu werden, sagt Dinkler.

25 Prozent der Bio-Eier, die bisher über die SuperBioMärkte und die sieben Bio-Landwirte vermarktet werden, sind bereits Bruder-Eier. Ein gutes Ergebnis nach so kurzer Zeit, lobt Dinkler. „Es zeigt, dass die Leute mehr und mehr ein Bedürfnis und Bewusstsein dafür entwickeln, wie Tiere gehalten und Lebensmittel erzeugt werden. Die Bruder-Ei-Initiative wird der Würde des Tieres gerecht. Gut, dass es diese Entwicklung zum Wohl der Tiere gibt.“

Sagt´s und geht voran zum fahrbahren Hühnerstall auf saftig-grüner Weide, wo Hahn Lieselotte II. soeben krähend klar macht, wer der Herr auf dem Hühnerhof ist. Lieselotte? Christoph Dinkler schmunzelt: „Von Lieselotte I. dachten wir, es sei eine Henne, bis sich herausstellte, dass Lieselotte ein Zwitter war. Inzwischen gibt´s einen neuen Hahn, für den unsere Kinder entschieden haben: Er soll wieder Lieselotte heißen.“

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