Di., 18.04.2017

Vorarbeiten abgeschlossen / Neue Pforte zum jüdischen Friedhof wird am Sonntag feierlich übergeben Das Tor kann kommen

Vorarbeiten abgeschlossen / Neue Pforte zum jüdischen Friedhof wird am Sonntag feierlich übergeben : Das Tor kann kommen

Die Vorarbeiten zur Errichtung des neuen Tores zum jüdischen Friedhof sind abgeschlossen. Vor Ort informierten sich über den Fortgang der Arbeiten (v. l.) Künstler Robert Nellissen, Hubert Effkemann vom Arbeitskreis „Riga“, Laura Roling und Katharina Lanfer von der Realschule sowie Gesamtschullehrer Hendrik Lange . Das Tor, das am Donnerstag installiert wird, soll am kommenden Sonntag seiner Bestimmung übergeben werden. Foto: Helene Wentker

Gescher. Zwei einsame Pfeiler markieren die Stelle, an der am Donnerstag das neue Tor zum jüdischen Friedhof installiert – und anschließend bis Sonntag verhüllt wird. Sehr schön sei das Werk geworden, versichert Hubert Effkemann, Mitglied des Arbeitskreises „Riga“, der dieses Projekt federführend begleitet hat.

Von Helene Wentker

Ein Bogen, mit Blattgold belegt, wird der Hingucker des neuen Tores sein. Er symbolisiert den Regenbogen, mit dem Gott laut alttestamentlicher Aussage ein Bundeszeichen zwischen ihm und der Erde setzt. Unter dem Bogen wird als zweites besonderes Merkmal in kobaltblauem Glas der Davidstern dargestellt. „Alles andere sind schlichte Industrieprofile“, sagt Effkemann und dankt dem Gescheraner Künstler Robert Nellissen für seinen künstlerischen Entwurf und Begleitung des Projektes.

Alles andere als schlicht sind dagegen die genannten Profile und weitere Einzelheiten des neuen Tores für Hendrik Lange, Lehrer an der Gesamtschule Gescher. Da gebe es so viel zu entdecken, sagt der Geschichts- und Religionslehrer enthusiastisch. Beispielsweise seien es sicher nicht zufällig zwölf Stäbe, die sich um den Davidstern gruppierten. Denn man zähle zwölf Apostel und zwölf Stämme Israels. Allein dieses Detail sei „symbolisch sehr interessant.“ Über die Ausdeutung zeigt sich Effkemann hocherfreut. Gut, dass Lehrer wie Lange die jungen Leute künftig an Symbolik und Aussagekraft heranführen könnten. Denn Ziel der Tor-Errichtung sei es, „Spuren jüdischen Lebens neu mit Leben zu füllen und ihm Würde zu geben.“ Daran habe man seit 2014 in Abstimmung mit der Stadt und dem Landesverband der jüdischen Gemeinden Westfalen-Lippe gearbeitet.

Würdig wird auch die Feier am kommenden Sonntag (23. 4.) sein, in der das neue Tor offiziell der Stadt Gescher übergeben wird. Diese hatte im Vorfeld ihren Beitrag geleistet und das Erscheinungsbild des jüdischen Friedhofes, der laut Effkemann viele Jahre ein vernachlässigtes Schattendasein führte, durch gezielte Grünpflege entscheidend verbessert.

Während jüdisches Gemeindeleben in Gescher erstmals Mitte des 18. Jahrhunderts nachzuweisen war, stammt der älteste noch lesbare Grabstein auf dem 456 Quadratmeter großen Areal aus dem Jahr 1888.

Jüdisches Leben in der Glockenstadt endete im Dezember 1941 mit der Deportation von zwanzig jüdischen Mitbürgern.

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