Do., 13.07.2017

Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte Stolpersteine in Gescher / Schüler gestalteten Feier mit „Wir wollen nicht vergessen...“

Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte Stolpersteine in Gescher / Schüler gestalteten Feier mit : „Wir wollen nicht vergessen...“

Schüler der Realschule lesen Briefe an die Ermordeten vor. Foto: az

Gescher. Lang erwartet und vorbereitet war es gestern soweit: Vier Stolpersteine verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig vor dem Haus der Familie Marx in der Hauptstraße 35. Sieben weitere Stolpersteine wurden in der Fabrikstraße an der Bushaltestelle verlegt. Veronika Hüning und Franz-Josef Menker vertraten den Riga-Arbeitskreis, der diese Aktion angestoßen hatte. Dahinter standen weitere Kräfte und Akteure, die mit Klängen, dargeboten von Schülern der Musikschule Gescher, sowie Schülern der Gesamtschule und der Realschule, die Verlegung und Einweihung abrundeten.

Von Elvira Meisel-Kemper

Günter Schültingkemper, stellvertretender Bürgermeister, verwies auf die Tradition des Gedenkens an die ermordeten jüdischen Mitbürger in Gescher. „Jeder Stolperstein ist mit einem persönlichen Schicksal verbunden und mit den mittlerweile über 60 000 Stolpersteinen auf der Welt Teil des größten dezentralen Mahnmals der Erde“, lobte Schültingkemper.

Cordula Ostermann und Andrea Bömer, Lehrerinnen der Gesamtschule, lasen selbstverfasste Briefe von über 20 Schülern an die Ermordeten. Sie endeten alle mit dem Satz: „Du warst ein Mitbürger in unserer Stadt. …Wir wollen nicht vergessen, dass du hier gelebt hast“.

In der Hauptstraße verlasen die Schüler Briefe an Jonas, Rosa, Liselotte und Ruth Marx. Jonas Marx wurde 1880 in Gescher geboren. Seine Tochter Lieselotte (Jg. 1921) wurde nach 1933 aus dem Nähkurs ausgeschlossen. Am 10. Dezember 1941 begann die Deportation aller Juden aus Gescher über Münster nach Riga.

Gesamtschüler Tim Liemann (14) hat bei der Vorbereitung viel gelernt: „Man hat viel von den Juden herausgefunden, was ich vorher nicht wusste. Das ist schon krass, dass auch Kinder von den Nationalsozialisten vernichtet wurden.“

Für Gunter Demnig ist jede neue Verlegung eine Freude. „1993/94 begann alles in Köln als konzeptionelles Kunstwerk. Mittlerweile habe ich 61 000 Steine in 21 Ländern Europas verlegt. Dabei habe ich auch Überlebende getroffen, die dadurch einen Ort zum Trauern hatten“, so Demnig.

Die sieben Stolpersteine in der Fabrikstraße erinnern auch an Kinder. Die jüngsten waren Gustav Rudolf und Werner Marx, die 1931 bzw. 1933 in Gescher geboren wurden. Auch hier schilderten Briefe der Realschüler, das Leben und Leiden der beiden Familien Marx, die in dem nicht mehr existenten Haus lebten. Rita Dingermann aus Gescher legte die ersten Rosen nieder: „Ich verfolge das Projekt von Anfang an. Ich war begeistert von dieser Idee, gegen das Vergessen zu arbeiten.“ Cilly Konert, geborene Brüning, lebte in der Nachbarschaft der Familien Marx, Fabrikstraße. „Ich war damals vier Jahre alt. Meine Mutter war mit ihnen befreundet. Als sie weg mussten, hat sie der Familie beim Ankleiden geholfen. Sie sollten mehrere Kleidungsstücke übereinander anziehen. Außerdem hat Mutter sie mit Lebensmitteln versorgt. Sie war eine couragierte Frau.“

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