Do., 12.10.2017

Bezirksausschuss spricht sich mehrheitlich gegen Umbenennung aus / Rat entscheidet im Dezember Von Braun bleibt Namensgeber

Bezirksausschuss spricht sich mehrheitlich gegen Umbenennung aus / Rat entscheidet im Dezember: Von Braun bleibt Namensgeber

Die Von-Braun-Straße in Hochmoor soll bleiben. Bestätigt der Rat das Mehrheitsvotum im Bezirksausschuss, wird künftig ein Zusatzschild biografische Informationen über den nationalsozialistisch verstrickten Namensgeber liefern. Foto: Jürgen Schroer

Hochmoor. Eines hat Dr. Hermann Vortmann als Antragsteller für eine Umbenennung der Von-Braun-Straße in Hochmoor erreicht: Über die Rolle des Namensgebers im Nationalsozialismus wird öffentlich diskutiert. Das tat am Mittwoch auch der Bezirksausschuss und fasste – nach längerer Diskussion – mehrheitliche Beschlüsse. Das Ergebnis: Die Von-Braun-Straße wird nicht umbenannt, erhält aber ein Zusatzschild mit Informationen über die Person Wernher von Braun. Bei Heinkel-, Messerschmitt-, Porsche- und Wagenfeldstraße bleibt es beim Status quo, das heißt, hier wird auch kein Extraschild angebracht. Ob diese Beschlüsse Bestand haben, zeigt sich im Dezember – dann entscheidet der Rat.

Von Jürgen Schroer

Neben der Politik hatten sich auch Gesamtschüler mit dem Thema Straßenumbenennungen beschäftigt und im Stadtarchiv recherchiert. Die Ergebnisse präsentierte Studienrat Hendrik Lange, Lehrer an der Gesamtschule, und beleuchtete das Thema unter den Aspekten Demokratie, Pädagogik und Didaktik sowie Erinnerungskultur. „Man muss lernen, den historischen Kontext zu berücksichtigen“, sagte Lange. Bezogen auf Wernher von Braun stünden sich die Ingenieursleistung des Raketenwissenschaftlers und seine Rolle in der Nazi-Zeit gegenüber. Die Schüler seien zu dem Schluss gekommen, dass eine Umbenennung der Straße gegen den Willen der Anwohner nicht sinnvoll sei. Ihre Empfehlung: Unter dem Straßennamen sollte ein Zusatzschild angebracht werden. Gleichzeitig empfahl Lange, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen, etwa durch das Verfassen eines Lexikons zu den lokalen Straßennamen, Facharbeiten an der Gesamtschule oder Vorträge. Wichtig sei auch eine Erklärung der politischen Gremien zur Benennung von neuen Straßen und zur Einordnung der alten Straßennamen – und damit spielte Lange den Ball zurück an die Politik.

Da gingen die Meinungen auseinander. Die Grünen setzten sich für eine Umbenennung ein. Gerd Verheyen meinte, von Braun sei mehr gewesen als ein Mitläufer und habe aus Karrieregründen in einer Partei mitgemacht, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen habe. Eine solche Person sei nicht würdig, Namensgeber für eine Straße zu sein. Ähnlich argumentierten Wolfgang Brüggestrath (Grüne) und Matthias Homann (UWG). Hans-Josef Kappenhagen und Ralf Lütkebohmert (beide CDU) hielten Information und Aufklärung über die Person von Braun für wichtig und sprachen sich gegen eine Umbenennung, aber für ein Zusatzschild aus. Man dürfe „Geschichte nicht wegwischen“. Marc Jaziorski (SPD) kam zu dem Schluss, dass von Braun eher Täter als Mitläufer gewesen sei. Er schlug vor, die Straße umzubenennen und dann per Schild auf den früheren Namen Von-Braun-Straße hinzuweisen. Das wurde bei fünf Ja-Stimmen abgelehnt.

Mit zehn zu fünf Stimmen folgte der Ausschuss am Ende dem Beschlussvorschlag der Verwaltung (Von-Braun-Straße bleibt plus Infoschild). Bei den anderen Straßen (Heinkel, Messerschmitt, Porsche, Wagenfeld) hält die Ausschussmehrheit am Status quo fest.

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