Mo., 01.01.2018

Neujahrssingen: Kinder am Mühlenweg folgen altem Brauch und bringen Ständchen Glück wünschen und Süßes bekommen

Neujahrssingen: Kinder am Mühlenweg folgen altem Brauch und bringen Ständchen: Glück wünschen und Süßes bekommen

Bereits 1960 zogen die Kindern vom Mühlenweg am Neujahrstag von Haus zu Haus. Foto: privat

Gescher (sk). „Wir wünschen euch, euch wünschen wir ein glückseliges Neues Jahr!“ So hörte man am Neujahrstag die Kinder der Nachbarschaft Mühlenweg singen. Sie zogen von Haus zu Haus, um den Bewohnern Glück für das neue Jahr zu wünschen. Als kleines Dankeschön erhielten sie Süßigkeiten. Die 1939 gegründete Nachbarschaft Mühlenweg ist wohl die einzige, in der dieser uralte Brauch immer noch auflebt.

Von Franz-Josef Schulenkorf

Vielerorts ist der Brauch des „Niejoahraffwinnen“ bekannt. Hierbei gilt es, als erster beim Öffnen der Haustür „Gück-säis-Niejoahr“ (Glückseliges-neues-Jahr) zu rufen. Auf dem Mühlenweg sind es die Kinder, die dem Brauch folgen. Noch bis Anfang der 1960er-Jahre kannte man auch hier nur das „Niejoahraffwinnen“. „Das empfanden wir Kinder damals doof“, erinnert sich ein älterer Nachbar. Eine Mutter brachte das kleine Liedchen mit, das fortan gesungen wurde. Pünktlich um 11 Uhr am Neujahrsmorgen trafen sich die Nachbarskinder, „bewaffnet“ mit Beuteln und Taschen am Haus Feldmann, um den Rundgang zu beginnen. Dabei wurden die Kinder meist freundlich empfangen, doch guckte der eine oder andere Nachbar nach durchgefeierter Nacht auch schon einmal verschlafen durch die Haustür. Daran hat sich wohl nicht viel geändert, außer dass die Kinder sich jetzt am frühen Nachmittag treffen. Geändert haben sich höchstens die Dankesgaben. Waren es damals Plätzchen, einige Bonbons, so halten die Nachbarn heute vorbereitete Tütchen mit diversen Süßigkeiten bereit.

Die Tradition hat sich bis auf eine kleine Ausnahme bis heute erhalten. „Usse Junge häff datt nich nödig te beddeln!“ (Unser Junge hat es nicht nötig, zu betteln) meinte Mitte der 1960er-Jahren eine Mutter; der sich weitere anschlossen. „Es war vielleicht ein Neujahrstag, an dem wir nicht loszogen“, so der berichtende Nachbar. Viele Nachbarn vermissten den Besuch der Kinder und vor allem den Neujahrswunsch und so sammelten sich die Kinder am nächsten Neujahrstag, um zu singen. Was bis heute geblieben ist, ist die Freude über den Neujahrsgruß und -wunsch.

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