Bücker-Nachlass ans Stadtarchiv übergeben / Dokumente von 1828 bis 1944 / Erster Siedler in Hochmoor
Eine Plastiktüte voller Schätze

Gescher. Vorsichtig blättert Stadtarchivar Andreas Froning in den vergilbten Unterlagen. „Das ist ein schönes Stück Geschichte von Tungerloh-Pröbsting und Hochmoor“, freut er sich. Über 70 Dokumente aus dem Nachlass Bücker wandern, einsortiert in Umschläge aus säurefreier Pappe und Archivkästen, in das Magazin im Rathauskeller. Bücker, das ist der erste Siedler auf dem Hochmoor und gleichzeitig der Urururgroßvater von Annette Schwermann, die sich in den letzten Jahren intensiv mit dem Bücker-Nachlass beschäftigt und Abschriften der in Sütterlinschrift verfassten Dokumente gemacht hat. Die Originale reichen zurück in die Zeit von 1828 bis 1944.

Dienstag, 06.02.2018, 08:10 Uhr

Bücker-Nachlass ans Stadtarchiv übergeben / Dokumente von 1828 bis 1944 / Erster Siedler in Hochmoor: Eine Plastiktüte voller Schätze
Die alten Bücker-Dokumente reichen bis ins Jahr 1828 zurück und wurden jetzt ans Stadtarchiv Gescher übergeben. Annette Schwermann aus Hochmoor hat die größtenteils in Sütterlin geschríebenen Papiere übersetzt. Im Bild (von links): Achim Schwermann, Stadtarchivar Andreas Froning, Annette Schwermann, Andreas Bücker und Josef Bücker. Foto: Jürgen Schroer

Mit Familienforschung befasst sich Annette Schwermann schon lange. Als sie gebeten wurde, einen Beitrag für die Festschrift zur 100-Jahr-Feier in Hochmoor zu schreiben, pickte sie sich Johan Henrich Hermann Höbing genannt Bücker heraus, ihren Vorfahren. Der stammte aus Waldvelen und erhielt 1846 die Genehmigung für den Bau eines Hauses (heute Hochmoor 94, Hof Keizers). Mauerreste davon soll es noch geben.

Im Stadtarchiv sichtete Frau Schwermann erste Dokumente und lernte in einem „Crashkurs“ bei Willi Wiemold, die alte Schrift zu entziffern. Richtig ergiebig wurden die Recherchen, als sie nach dem letzten Bauern Bücker forschte, der seinen Hof in Hochmoor 1972 wegen des Autobahnbaues verlassen hat und nach Lüdinghausen zog. Josef und Johanna Bücker, die Nachfahren des ersten Siedlers, gaben gerne Auskünfte und händigten ihr eine Plastiktüte voller alter Dokumente aus. Gerichtsakten, Kaufverträge, Hypothekenscheine, Sterbeurkunden, Zeugnisse und immer wieder Eintragungen ins Grundbuch.

Das war 2011. In der Folgezeit widmete sich Annette Schwermann vorrangig den Dokumenten, die für ihren Festschrift-Beitrag über den ersten Siedler in Hochmoor relevant waren. Alles wurde gescannt, um die empfindlichen Papiere nicht unnötig zu strapazieren, alles musste Wort für Wort entziffert werden. „Amtmann Lüders hatte eine gleichmäßige Handschrift, aber gleichmäßig unleserlich“, schmunzelt die Forscherin. Nach dem großen Hochmoor-Jubiläum 2012 machte Schwermann „in aller Gemütlichkeit“ weiter, um auch die restlichen Dokumente zu übersetzen. Letzte Lücken wurden mit Hilfe der Gescheraner Stadtarchivare geschlossen. „Im November 2017 konnte ich Familie Bücker informieren, dass meine Arbeiten abgeschlossen waren“, berichtet Frau Schwermann.

Ende letzter Woche lag das Ergebnis der mühseligen Übersetzungsarbeit auf dem Tisch im Nutzerraum des Stadtarchivs. „Das ist eine schöne Ergänzung für unsere Bestände und wichtig für die Forschung“, freut sich Froning. Unterlagen dieser Art seien früher oft weggeworfen worden, sodass der Bücker-Nachlass eine Besonderheit darstelle. Im Magazin des Stadtarchivs seien die Dokumente bei konstantem Klima gut untergebracht, so Froning. Für die Nachlassgeber und Interessierte sind die alten Papiere aber nicht aus der Welt: Wer möchte, kann sich im Nutzerraum mit den Beständen des Archivs beschäftigen.

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