Sa., 30.04.2016

Die Schneiderei an der Freilichtbühne Kaum Zeit für Pausen

Claudia Finke (links) und Gudrun Maslanka investieren viel Zeit und Herzblut, um ihre Entwürfe umzusetzen.

Claudia Finke (links) und Gudrun Maslanka investieren viel Zeit und Herzblut, um ihre Entwürfe umzusetzen. Foto: ros

Reckenfeld - 

Zwei, drei Meter Stoff? Damit fangen die Schneiderinnen von der Freilichtbühne erst gar nicht an. Sie brauchen für die Ausstattung eines einzigen Musicals oft mehrere hundert Meter.

Von Rosemarie Bechtel

Gequalmt haben die Nähmaschinen in der Nähstube der Münsterländischen Freilichtbühne noch nicht. Aber die Nadeln, die sind in den letzten Wochen schon so richtig heiß gelaufen. Schließlich möchten die Näherinnen zum Tag der offenen Bühne am 8. Mai schon einige Kostüme der Öffentlichkeit präsentieren.

Außerdem ist es für die Schauspieler wichtig, dass die letzten Proben im Kostüm stattfinden. Denn das Kostüm vermittelt dem Akteur noch einmal ein ganz anderes Gefühl für seine Rolle. Plötzlich hat man riesig weite Ärmel oder ganz pludrige Hosen. Oder ganz enge Kleidung, da bewegt man sich schon ganz anders. Auch für die Kinder ist das „Einleben“ in ein Kostüm wichtig. Gut 40 Kostüme müssen für die Darsteller, da viele Rollen doppelt besetzt sind, genäht werden.

Das Kindermusical „Der kleine Tag“ schreit nach Auffassung von Gudrun Maslanka, die viele der wunderschönen Kostüme selbst entworfen hat, nach Farbe. In Absprache mit der Regie hat man sich für viel Silber und Blau entschieden. Verbraucht wurden 100 Meter glänzend blauer und 150 Meter silberfarbener Stoff sowie etliche Meter weiterer Zusatzstoffe. Im Musical spielen viele „Tage“ eine Rolle. Tage, die von Erwachsenen und Kindern verkörpert werden. Jeder Tag ist ein ganz besonderer und darf nur einmal auf die Erde. Die Besonderheit jedes einzelnen Tages spiegelt sich auch in individuellen Kostümen wieder. So wurden zum Beispiel für den Reißverschlusstag unzählige Reißverschlüsse auf das Kostüm genäht. „Eine Mordsarbeit auf diesem Folienstoff“, stöhnt jene Mitstreiterin der Nähstube, die dieses Kostüm anfertigte.

Auch die großen, steifen Kragen, die einige Kostüme zieren, sind eine echte Herausforderung für das Nähteam und sehr zeitaufwendig. Klar dass eine Friedenstaube das Kostüm des Friedenstages ziert, der elfte Tag eine riesige „11“ trägt – „in Anlehnung an den 11.11.“, wie Gudrun Maslanka schmunzelnd erklärt. Der „komische Tag“ ist mit zusätzlichen bunten Stoffen verziert. Wie der geheimnisvolle Tag und weitere Tage aussehen, wird noch nicht verraten, schließlich soll ja noch einiges bis zur Premiere von „Der kleine Tag“ am 22. Mai geheim bleiben. Der Countdown läuft.

Die sieben Näherinnen, die an den Maschinen im Einsatz sind, und zwei Damen, die die Handarbeit erledigen, gönnen sich keine Pause. Denn nicht nur für das Kindermusical müssen Kostüme genäht werden, sondern auch für die Musikkomödie „Toast Hawai“ (Premiere am 4. Juni) und die große Open-Air-Nacht der Musicals (8. und 9. Juli).

Bei „Toast Hawai“ ist die besondere Herausforderung der Schnitt der Kostüme. Gudrun Maslanka hat zufällig alte Schnittmuster aus dieser Zeit in die Hand bekommen. Die hatte mal jemand vor langer Zeit an der Bühne abgegeben. Jetzt profitiert die Schneiderei von diesen Schnittmustern. Zum Glück sind modisch gesehen gerade die 50er und 60er Jahre im Trend, so dass für einige Rollen passende Kleidung bestellt werden kann.

Ab und an findet sich auch mal etwas Passendes im Fundus. Trotzdem müssen noch weitere zehn aufwändige Kleidungsstücke, die in die 50/60er Jahre passen, genäht werden. Und natürlich müssen auch die sechs Tänzerinnen ein in die Zeit passendes Outfit tragen.

Schon bei den vergangenen beiden Open-Air-Nächten der Musicals staunten die Besucher über die traumhaften Kostüme. Muss dafür also nicht mehr viel gemacht werden? „Nein, so ist das nicht“, erklärt Gudrun Maslanka, die alleine für diese Aufführungen sehr viele Kostüme bei sich zu Hause näht. „Es werden Songs aus vielen neuen Musicals, die noch nicht hier zu hören waren, gesungen. Also brauchen die Sänger und Sängerinnen zu jeder Musicalrolle, die sie singen, auch die passenden Kostüme.“ Das Publikum soll eben keine Wiederholung der bisherigen Veranstaltungen zu hören und zu sehen bekommen, sondern aufs Neue verzaubert werden. Und das bei allen bühneneigenen Produktionen, die in diesem Sommer auf der Bühne zu sehen sind.

► Informationen zum Programm und Kartenvorbestellungen: ✆ 02575/ 15 66 und www.reckenfeld-freilichtbuehne.de.

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