Mo., 02.05.2016

Neue Hinweise gegen Paar aus Höxter Mordkommission sucht weitere Opfer

In Höxter suchten Ermittler in dem abgelegen Haus, in dem ein Ehepaar eine Frau zu Tode misshandelte, gestern nach weiteren Spuren. Ob die Person hinter der Jacke einer der Täter ist, blieb unklar.

In Höxter suchten Ermittler in dem abgelegen Haus, in dem ein Ehepaar eine Frau zu Tode misshandelte, gestern nach weiteren Spuren. Ob die Person hinter der Jacke einer der Täter ist, blieb unklar. Foto: Harald Iding

Höxter - 

War das alte Haus in Höxter-Bosseborn, in dem jüngst eine 41-jährige Frau zu Tode misshandelt worden sein soll, Schauplatz weiterer Verbrechen? Die Mordkommission hat einen Verdacht.

Von Christian Althoff

Die Mordkommission schließt nicht aus, dass das Wilfried W. (46) und seine frühere Ehefrau Angelika B. (47), die hier fünf Jahre lang wohnten, schon früher Frauen gequält haben. Aus diesem Grund will die Polizei die drei Gebäude, aber auch das Grundstück mit Leichenspürhunden absuchen. Das wurde gestern bekannt. Außerdem werden etliche DNA-Spuren, die vergangene Woche im Haus gefunden wurden, beim Landeskriminalamt in Düsseldorf untersucht. Es soll festgestellt werden, ob sich Hinweise auf weitere Menschen ergeben, die längere Zeit in dem Haus verbracht haben könnten. Diese Untersuchung wird Wochen dauern.

So überprüft die Mordkommission eine mögliche Verbindung zum Mordfall Frauke Liebs. Die Schwesternschülerin (21) aus Lübbecke wurde am 20. Juni 2006 in Paderborn, wo sie ihre Ausbildung machte, verschleppt. Fast vier Monate später entdeckte ein Jäger ihre sterblichen Überreste in einem Wald in Lichtenau.

Das Besondere an dem Mordfall: Frauke Liebs meldete sich nach ihrem Verschwinden noch sieben Mal per Handy bei ihrem früheren Freund, ihrem Bruder und ihrer Schwester, wobei die Gespräche nicht sehr erhellend waren. Für die Mordkommission stand fest, dass die 21-Jährige mehrere Tage eingesperrt war, bevor sie getötet wurde. Eine Spur führte damals über die Handydaten in ein Paderborner Gewerbegebiet, doch das Versteck wurde nie gefunden. Bevor Wilfried W. und Angelika B. nach Höxter zogen, lebten sie in Schlangen im Kreis Lippe – nur 14 Kilometer von Paderborn entfernt.

Fotostrecke: Der Fall Höxter

Wie berichtet soll das Paar seit März eine 41-jährige Frau aus Niedersachsen in dem Haus in Höxter gefangen gehalten und misshandelt haben. Die Frau hatte sich auf eine Kontaktanzeige von Wilfried W. gemeldet, der in Zeitungen und im Internet nach Frauen suchte – „mit Sinn fürs Landleben“, wie es in einem  Inserat hieß.

In der vorvergangenen Woche wurde die 41-Jährige so schwer am Kopf verletzt, dass das Paar die Frau in ihre Wohnung nach Bad Gandersheim bringen wollte. Auf dem Weg dorthin blieb der Opel Corsa mit einem Motorschaden liegen. Das Paar rief einen Notarztwagen, der die Frau ins Krankenhaus brachte, wo sie zwei Stunden später starb.

Eine Frau, die möglicherweise einem solchen Schicksal entgangen ist, lebt heute in Versmold im Kreis Gütersloh. Sie meldete sich 2013 auf eine Kontaktanzeige von Wilfried W., der in vielen Telefonaten einen sympathischen Eindruck gemacht haben soll. Als er immer stärker auf ein Treffen drängte und nach ihrer Körbchengröße fragte,  bekam die Frau ein ungutes Gefühl und brach den Kontakt ab. Wilfried W. und seine Ex-Frau sollen sie aber noch lange mit Anrufen und SMS traktiert haben.

Bei der Toten aus Niedersachsen stellten Rechtsmediziner nicht nur „stumpfe Gewalt gegen den Kopf“ als Todesursache fest, sie fanden auch Spuren weiterer Misshandlungen. Bei der mehrtägigen, intensiven Spurensicherung im Haus wurde allerdings kein Raum entdeckt, der dem Paar als Gefängnis gedient haben könnte. Deshalb gehen die Ermittler im Moment davon aus, dass das Paar sein Opfer mit Gewalt und psychischem Druck unter Kontrolle hielt. Schläge sind auch der Grund, warum Wilfried W. bereits eine Akte bei der Polizei hatte: Er soll vor längerer Zeit eine Frau verprügelt haben.

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