Mo., 02.05.2016

Osteuropäische Kleintransporter Flitzende Revolution aus dem Osten

Auf Deutschlands Autobahnen sind immer mehr Kleintransporter unterwegs. Sebastian Kahnert/dpa

Auf Deutschlands Autobahnen sind immer mehr Kleintransporter unterwegs. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Münster - 

Die Revolution ist klein, schnell und kommt aus dem Osten: Auf Deutschlands Autobahnen fallen immer mehr Kleintransporter mit osteuropäischen Kennzeichen auf. Die Flitzer beunruhigen nicht nur manchen Autofahrer wegen ihrer flotten Fahrweise, sondern vor allem die heimische Kurierbranche, die unter dieser Billigkonkurrenz leidet.

Von Jürgen Stilling

„Auch viele deutsche Unternehmen sind inzwischen gezwungen, auf Fahrer aus Osteuropa zurückzugreifen“, weiß Andreas Schumann. Der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes der Kurier-Express-Post-Dienste (BdKEP) macht politische Mängel für diesen Trend zu den sogenannten „Polen-Sprintern“ verantwortlich. „Die heterogenen Sozialsysteme und Löhne innerhalb der EU führen hier zu Konflikten“, klagte Schumann am Montag gegenüber unserer Zeitung.

Für die Polizei im Münsterland sind diese Fahrzeuge, die maximal 3,5-Tonner sind und damit nicht den strengen Regeln für Lkw unterliegen, noch kein Problem. „Mehr Unfälle mit diesen Fahrzeugen haben wir bislang nicht festgestellt“, berichtet Münsters Polizei­sprecher Andreas Bode. „Hier zeigt sich einfach der Trend, die Lkw-Maut um­gehen zu wollen“.

Eine Zunahme der Kleintransporter-Zahl bestätigt auch das Bundesamt für Güterverkehr in Köln. Genaue Daten gibt es jedoch nicht.

Verbandssprecher Schumann beschreibt die schwierige Lage der Sprinter-Fahrer aus der Ukraine, Weißrussland, Litauen oder Lettland: „Die sind manchmal drei Monate ohne Unterbrechung in Westeuropa unterwegs, schlafen und leben in ihrem Kleintransporter.“ Auf Gaskochern wird wochenlang preis­wertes Essen zubereitet, selbst bei der Toiletten­benutzung wird gespart, heißt es aus Kreisen heimischer Lkw-Fahrer.

Verbote wären nicht die Lösung, erklärte Schumann und pocht auf eine An­gleichung von Sozialbedingungen und Mindestlöhnen innerhalb der Europäischen Union und darüber hinaus.

Dabei sehen sich auch deutsche Firmen vielfach genötigt, über Tochterunternehmen in osteuropäischen Ländern den Preiswettlauf mitzu­machen, weiß der BdKEP. Immerhin knapp mehr als eine Tonne kann ein Kleintransporter befördern. Doch nicht immer wird diese Obergrenze eingehalten. Um die Konkurrenzlage gegenüber den großen Lkw zu entspannen, fordert Schumann eine europaweite Angleichung der „fahrpersonalrechtlichen Aufzeichnungspflichten“, sprich Obergrenzen für die Fahrzeiten, auch für die Lenker von Klein­lastern.

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