Di., 03.05.2016

Es muss nicht immer Uni sein IHK will mit Projekten den Fachkräftemangel abmildern

Eine Ausbildung in der Industrie trägt dazu bei, den Fachkräftemangel zu reduzieren.

Eine Ausbildung in der Industrie trägt dazu bei, den Fachkräftemangel zu reduzieren. Foto: dpa

Münster - 

Im Kampf gegen den Fachkräftemangel gibt es für Dr. Benedikt Hüffer eine ganz wichtige Stellschraube: die duale Ausbildung. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen betonte am Dienstag bei der Vorstellung des IHK-Jahresberichts für 2015 die enorme Bedeutung der Lehre.

Von Jürgen Stilling

„Denn der Fachkräftemangel schlägt vor allem bei den betrieblich ausgebildeten Berufsfeldern zu“, ist sich Hüffer sicher. „Akademiker werden nicht fehlen.“ Derzeit mangelt es laut Hüffer in Nord-Westfalen, also dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region, an 15 000 Fachkräften. „Doch das ist erst der Anfang“, so der IHK-Präsident.

2017 liege das Defizit wohl bereits bei 29 000, im Jahr 2030 sogar bei 69 000 Fachkräften. „Die Menschen müssen umdenken“, verlangt auch der IHK-Hauptgeschäftsführer Karl-Friedrich Schulte-Uebbing und meint damit, dass sich in vielen Köpfen ein grundsätzlicher Vorrang einer akademischen gegenüber einer beruflichen Ausbildung festgesetzt hat.

Doch die IHK sieht der Entwicklung nicht tatenlos zu: Eines von vielen Projekten zur Förderung der Lehre habe man im vergangenen Jahr gestartet: „Wir schicken junge Auszubildende als ,Ausbildungsbotschafter‘ in die Schulen“, berichtete Hüffer.

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Denn duale Ausbildung hat Zukunft.

Dr. Benedikt Hüffer

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Fachkräftesicherung spielt für die IHK auch beim Blick auf die aktuelle Flüchtlingssituation eine Rolle. In einer Kammerumfrage hätten sich mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen bereiterklärt, Flüchtlingen Praktika, Ausbildungsplätze oder Beschäftigung anzubieten, berichtete der Präsident. „Die IHK hat dabei eine Multiplikator-Rolle“, sagte Hüffer. Wegen der mangelnden Sprachkenntnisse der geflüchteten Menschen sei aber eine Milderung des Fachkräfteproblems von dieser Seite zurzeit noch nicht zu erwarten.

Beim Plädoyer für den weiteren Ausbau der Infrastruktur verwies Hüffer auch auf die Notwendigkeit, das Breitbandnetz zu erweitern. Doch trotz der zunehmenden Digitalisierung müssten auch künftig Güter transportiert werden. Der IHK-Präsident zeigte sich deshalb erfreut, dass beispielsweise der Ausbau der B 64n und der letzte Lückenschluss der B67n zwischen Reken und der A43 in die höchste Dringlichkeitsstufe des Bundesverkehrswegeplans 2030 aufgenommen wurden.

Die Beschäftigungslage war im Bezirk der IHK noch nie so gut wie aktuell. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen sei auf das Allzeit-Hoch von über 860 000 geklettert, betonte Hüffer. Einer Prognose der Bundesagentur für Arbeit zufolge solle diese Zahl im laufenden Jahr um weitere 20 000 Jobs klettern.

Trotz der erfreulichen Wirtschaftslage in Nord-Westfalen habe die Wirtschaft in NRW insgesamt 2015 stagniert. Hüffer forderte deshalb von der Landesregierung eine Wachstumsoffensive. Dazu gehöre unter anderm eine Willkommenskultur für den Mittelstand und ein noch intensiverer Technologietransfer von den Hochschulen in den Mittelstand. Vor allem müsse der Rechtsrahmen den Betrieben Luft zu Atmen lassen, sagte der IHK-Präsident.

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