Mi., 04.05.2016

Fasane im Morgenlicht Natur – mit der Kamera gemalt

Fasanen im ersten Morgenlicht: Wem solche Bilder gelingen sollen, der braucht viel Geduld, ein sicheres Auge und eine exzellente Fotoausrüstung. Bei seinen Naturfotografien legt Olaf Niepagenkemper mehr Wert auf stimmungsvolle Szenerien als auf die formatfüllende Darstellung der Arten.

Fasanen im ersten Morgenlicht: Wem solche Bilder gelingen sollen, der braucht viel Geduld, ein sicheres Auge und eine exzellente Fotoausrüstung. Bei seinen Naturfotografien legt Olaf Niepagenkemper mehr Wert auf stimmungsvolle Szenerien als auf die formatfüllende Darstellung der Arten. Foto: Olaf Niepagenkemper

Saerbeck - 

Wir treffen uns morgens um halb zehn am Beobachtungsturm im Saerbecker Feuchtgebiet. Die Sonne lacht von einem blauen Himmel – bestes Wetter zum Fotografieren. Sollte man meinen. Doch Olaf Niepagenkemper hat seine Fotoausrüstung längst verstaut.

Von Thomas Starkmann

Tau, Raureif und Nebel sind die Zutaten, die der Naturfotograf für die Komposition seiner stimmungsvollen Fotos benötigt. Und die gibt es in den seltensten Fällen am helllichten Tage. „Eine Stunde vor und eine Stunde nach Sonnenuntergang ist das beste Licht“, sagt Niepagenkemper. Um vier Uhr oder noch eher klingelt der Wecker, wenn er am Wochenende auf Pirsch geht, meist mit einem Freund, mit dem er das Hobby teilt. Kommt er zurück nach Hause, bringt er frische Brötchen mit und deckt den Frühstückstisch für Frau und Kinder. „Es trifft sich gut, dass der Rest der Familie keine Frühaufsteher sind“, sagt er. So bleibt das zeitaufwendige Hobby familienkompatibel.

Seitdem er als Halbwüchsiger von seinem Onkel einen Fotoapparat geschenkt bekam, ist der 51-Jährige, der in Albachten wohnt, infiziert. Die Begeisterung für die Natur hatte sein Vater bereits von Kindesbeinen an in ihm geweckt. „Seitdem ich laufen kann, bin ich ornithologisch interessiert“, erzählt Niepagenkemper. Vögel sind auch heute noch seine bevorzugten Motive. Zwar lichtet er gelegentlich auch Pflanzen ab. Aber die findet er „relativ langweilig“. Bei Tieren und speziell bei Vögeln ist das anders. „Da passiert immer was.“ Und wenn er es schafft, diese Momente bei besonderen Lichtstimmungen festzuhalten, dann entstehen die Bilder, die für ihn am Ende Bestand haben und für die sich das frühe Aufstehen gelohnt hat. Eine Art formatfüllend und mit letzter Schärfe abzubilden, ist seine Sache schon lange nicht mehr. Lieber malt er mit der Kamera.

Fotostrecke: Fotograf Olaf Niepagenkemper ist häufig im Feuchtgebiet Saerbeck unterwegs

Die digitale Fotografie hat die Arbeit eines Naturfotografen in vielerlei Hinsicht erleichtert und ist dennoch Segen und Fluch zugleich. Warum Fluch? Niepagenkemper nennt eine gigantische Zahl: 2500 Bilder – geschossen innerhalb von drei Stunden bei einer Fotosafari im Recker Moor. Erst mit einem Druck auf den Auslöser wird die Zahl begreifbar. Im Nähmaschinentempo macht es klack, klack, klack, zwölf Bilder in der Sekunde schafft die Nikon, bei bewegten Objekten ein unschätzbarer Vorteil. Die Kehrseite der Medaille: Am Abend muss aussortiert werden. „Mehr als 20 Bilder bleiben davon selten über“, sagt Niepagenkemper. Der Rest wandert in den digitalen Papierkorb. Manches Foto hat erst das digitalen Zeitalter möglich gemacht. „Ich habe den Vogel mit den Augen gar nicht gesehen“, erinnert sich Niepagenkemper an die nächtliche Aufnahme eines Steinkauzes. Ein Blindflug, der nur dank moderner Sensortechnik sehenswerte Ergebnisse liefert.

Beruflich hat Niepagenkemper mehr mit Fischen zu tun. Der promovierte Geograf ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Landesfischereiverband. Warum dann keine Fotos von Flunder und Forelle? „Zu aufwendig“, winkt er ab. Dazu müsste er mit einem Unterwassergehäuse auf Tauchstation gehen.

Das Feuchtgebiet Saerbeck gehört zu Niepagenkempers bevorzugten Revieren für die Naturfotografie. „Hier gibt es Brachvögel, Uferschnepfen, Neuntöter – alles sehr fotogene Arten.“ Die Rieselfelder Münster, das Recker Moor oder die Fischteiche bei Dülmen sind weitere Gebiete, in denen er regelmäßig unterwegs ist. „Mich interessiert die Schönheit der Natur vor der Haustür.“ Mit seinen Bildern will er den Betrachter faszinieren und so für den Schutz der Natur sensibilisieren.

Auch etwas anderes spricht für Saerbeck. „Hier fotografiert außer mir niemand“, sagt Niepagenkemper. Das ist nicht überall so. „Wenn in den Rieselfeldern Münster eine besondere Art auftaucht, stehen oft 30 Fotografen Schlange.“ Und nicht alle Kollegen üben Zurückhaltung, er kennt Fälle, wo Fotografen sogar die Nester bedrohter Arten aufsuchen, eindeutig ein Verstoß gegen den Ehrenkodex von Naturfotografen.

Niepagenkemper bleibt da lieber im Auto sitzen. „Die Vögel haben sich an Autos gewöhnt und nehmen sie weniger als Gefahr wahr.“

Seit dem vergangenen Jahr steht eine Webseite mit Niepagenkempers Bildern im Netz (www.niepagenkemper.com). Auch im Düsseldorfer Umweltministerium hat er schon ausgestellt.

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