Mi., 04.05.2016

Giftköder gegen Ratten Tödliche Farbkleckse

Schlau, anpassungsfähig, aber auch Krankheitsüberträger: Ratten wird mit Giftködern nachgestellt. Orangene Punkte auf Gullydeckeln verraten, wo Köder ausgelegt worden sind.

Schlau, anpassungsfähig, aber auch Krankheitsüberträger: Ratten wird mit Giftködern nachgestellt. Orangene Punkte auf Gullydeckeln verraten, wo Köder ausgelegt worden sind. Foto: Zoo/oh

Greven - 

Manche Gullydeckel in Greven tragen einen Farbklecks, der bedeutet: Hier geht‘s den Ratten an den Kragen.

Von Thomas Starkmann

Orangefarbene Punkte auf Gullydeckeln? Bernhard Gringel von den Technischen Betrieben (TBG) lacht. „Was die bedeuten, habe ich mich früher auch mal gefragt.“ Heute weiß er es. Und gibt die Frage dennoch weiter an seinen Kollegen Ralf Münsterkötter. Der kennt sich bestens aus in der Grevener Unterwelt. Dort leben die, denen die an vielen Stellen im Stadtgebiet auffallenden Farbmarkierungen gelten – Ratten.

Ratten, genauer gesagt Wanderratten, haben einen schlechten Ruf. Sie übertragen, wie übrigens andere Tiere auch, Krankheiten. Zu ihrer Bekämpfung sind diejenigen gesetzlich verpflichtet, die abwassertechnische Anlagen betreiben. Wie sie das machen, ist unterschiedlich. „Wir haben uns vor zehn, zwölf Jahren für eine systematische Bekämpfung entschieden“, sagt Münsterkötter. Andere Städte reagieren nur auf Zuruf.

Womit wir wieder bei den Farbklecksen sind. Sie zeigen an, wo eine Belegung erfolgt ist. Belegung heißt: Hier wurde ein Köder ausgelegt. Aber nicht von Münsterkötter und seinen Kollegen. „Das dürften wir auch gar nicht.“

Die Bekämpfung der Ratten erfordert eine spezielle Ausbildung. Die Stadt überlässt dies einem externen Dienstleister. Er legt zunächst Fressköder aus, um überhaupt festzustellen, ob Ratten vorhanden sind. Erst dann kommen die Giftköder zum Einsatz. „Durch die systematische Bekämpfung haben wir den Bestand ganz gut unter Kontrolle“, sagt Münsterkötter. Allerdings sind die zuletzt milden Winter den Ratten zugute gekommen.

Letztlich ist das Rattenproblem, wie so oft, menschengemacht. „Die fressen kein Waschmittel,“ sagt Münsterkötter. Was verklausuliert heißt: Würden die Leute keine Lebensmittel über die Toilette entsorgen, wäre das Problem schon halb gelöst. „Wir haben deutlich mehr Ratten in Wohngebieten als in Gewerbegebieten“, sagt Münsterkötter. Essensreste im Kompost, Kleintierhaltung und Fütterung von Haustieren im Garten tun ihr übriges. Wobei Münsterkötter klarstellt: „Für Rattenbekämpfung auf Privatgrundstücken sind wir nicht zuständig.“

Da muss der Eigentümer selbst Hand anlegen. Was wiederum gar nicht so einfach ist. Fast alle wirksamen Giftköder, die zeitverzögert durch Hemmung der Blutgerinnung zum Tod der Ratten führen, darf der Laie gar nicht anwenden. Denn die Mittel sind nicht ohne und können bei unsachgemäßer Anwendung auch Haustiere oder Kinder schädigen. Zu kaufen gibt es sie trotzdem – eine „Grauzone“, wie Münsterkötter sagt.

Bleibt die Frage, was mit den Ratten passiert, die den mit dem Gift getränkten Haferflocken nicht widerstehen konnten? „Die landen letztlich in der Kläranlage“, sagt Münsterkötter – zusammen mit den menschlichen Abfällen, von denen sie vorher gut gelebt haben.

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