Mi., 04.05.2016

Vom Kirchturm geklaut? Falken-Eier aus Nest verschwunden

Wanderfalken, wie dieses Prachtexemplar, haben auf dem Kirchturm von St. Felizitas gebrütet. Unter bisher nicht geklärten Umständen sind die drei Eier „verschwunden“.

Wanderfalken, wie dieses Prachtexemplar, haben auf dem Kirchturm von St. Felizitas gebrütet. Unter bisher nicht geklärten Umständen sind die drei Eier „verschwunden“. Foto: Jörg Semig

Lüdinghausen - 

Unter bisher noch nicht geklärten Umständen verschwanden drei Eier eines Wanderfalken-Paares aus dem Nest auf dem Kirchturm von St. Felizitas. Da nicht auszuschließen ist, dass die Eier gestohlen wurden, hat die Kirchengemeinde am Dienstagmorgen Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Von Werner Storksberger

Mit Bestürzung und Verärgerung reagierte die Kirchengemeinde St. Felizitas gestern auf das „Verschwinden“ von drei Eiern aus dem Nest des Wanderfalken-Paares, das seit fast vier Wochen auf dem Turm der Pfarrkirche brütet. Dass die Eier aus dem Nest verschwanden, ist kein „naturgegebenes“ Ereignis. Auch wenn es niemand konkret aussprechen will, aber: Es wird vermutet, dass die Eier gestohlen worden sind.

Kein Wunder, dass die Kirchengemeinde Anzeige gegen Unbekannt erstattet hat. Was die Situation noch pikanter macht: Die Polizei bestätigte am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Kirchengemeinde mit einem Taubenzüchter juristisch im Clinch liegt – wegen der brütenden Falken.

Raubvögel stehen unter Schutz

„Wir sind geschockt und erschrocken“, kommentierte Pfarrer Benedikt Elshoff den Vorfall, über den er am Montagabend informiert wurde. Die Gemeinde hatte es ermöglicht, dass der Naturschutzbund Deutschlands (NABU) eine Nisthilfe für das Falkenpaar auf der Ostseite des Turms anbrachte. Thorsten Thomas aus Marl, Falkenexperte des NABU, hatte sich seither um die Tiere gekümmert. Er und Küster Günter Weide hatten jetzt auch das Verschwinden der Eier entdeckt.

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Wir hatten uns eigentlich alle auf die Jungvögel gefreut.

Küster Günter Weide

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Auch Weide zeigte sich gegenüber unserer Zeitung betroffen von dem Verschwinden der drei Eier: „Wir hatten uns eigentlich alle auf die Jungvögel gefreut.“ Die sollten nämlich in diesen Tagen schlüpfen, hatte Ornithologe Thomas ausgerechnet. Dazu kam es jetzt nicht mehr. . .

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Uns ist schon einiges untergekommen. Aber dass Eier vom Kirchturm verschwinden, hatten wir auch noch nicht.

Polizeisprecher Martin Pollmann

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„Uns ist schon einiges untergekommen. Aber dass Eier vom Kirchturm verschwinden, hatten wir auch noch nicht“, bestätigte Polizeisprecher Martin Pollmann auf Anfrage den Eingang der Anzeige der Gemeinde. Er konnte sich nicht an einen vergleichbaren Fall erinnern.

Im Gegensatz zum NABU-Ornithologen. Der verwies am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung auf einen ähnlichen Fall im Kreis Steinfurt. Dort wurde der Altvogel tot auf dem Gelege gefunden. Von einem natürlichen Tod geht der NABU nicht aus und lässt derzeit den seltenen Raubvogel in Münster untersuchen. „Es gibt noch mehrere vergleichbare Fälle in NRW“, betonte der Fachmann gestern.

Geschützter Greifvogel

Wanderfalken gehören zu den besonders geschützten Greifvögeln in Deutschland. Im Jahre 1970 galt der Wanderfalke als Brutvogel in NRW als ausgestorben. Nach umfangreichen Schutzmaßnahmen, Rückbesiedlung und einzelnen Auswilderungsprojekten ist der Vogel wieder von der Roten Liste der gefährdeten Tiere „entlassen worden“. In Nordrhein-Westfalen werden nach Angaben des NABU etwa 220 Brutpaare geschätzt. NABU-Fachmann Thorsten Thomas, der auch in Lüdinghausen die Nisthilfe anbrachte, hat nach eigenen Angaben drei Viertel aller Nistkästen installiert – meistens an hohen Kühltürmen, auf Kirchen oder frei stehenden Industriebauten. Über 90 Prozent der Population nistet derzeit an Gebäuden, an denen künstliche Brutmöglichkeiten geschaffen wurden. Wanderfalken ernähren sich fast ausschließlich von Vögeln – Tauben, Staren, Drosseln oder auch Dohlen.

Dass der Ornithologe Taubenzüchter für die beiden aktuellen Fälle des Verstoßes gegen das Naturschutzgesetz in Verdacht hat, spricht Thomas zwar nicht aus, aber der Verweis darauf, dass die Taubenzüchter gegen das neue Jagdgesetz, das die Raubvögel mehr schützt, vorgehen, spricht Bände. „Da kann man reichlich spekulieren.“ Er hält es auch für möglich, dass mit den Greifvogel-Eiern Handel getrieben wird.

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Zugang zum Kirchturm abgeschlossen

Aber wie sollte ein Dieb auf den Kirchturm kommen? Zwar ist der Zugang durch eine Tür gesichert, aber Schlüssel gibt es reichlich.

Weide und Pfarrer Elshoff hatten alle, die einen Schlüssel besitzen, am Montagabend noch „abgeklappert“, aber: Fehlanzeige.

Weide räumte aber auch ein, dass es mehr Menschen gibt, die einen Zugang zum Turm haben. Mehrere Fachfirmen verfügen über eigene Schlüssel um schnell Reparaturen vornehmen zu können.

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